Kaiserslautern-Stürmer Ragnar Ache (26) spricht über Pogbas Bruder, Ansagen von Ex-Trainer Zorniger und seine Leidenschaft für Japan.

SPORT BILD: Herr Ache, was heißt „Bundesliga-Aufstieg“ eigentlich auf Japanisch?

Ragnar Ache: Puh, das weiß ich gar nicht. Da muss ich mal Dai fragen …

Mit Dai meinen Sie Ihren Mitspieler Daisuke Yakota. Ist er Ihr Japanisch-Lehrer?

Ich frage ihn manchmal, wie man Dinge ausspricht oder formuliert beziehungsweise übersetzt. Dann erklärt er es mir. Aber ich habe auch einen „richtigen“ Privatlehrer. Einmal pro Woche versuche ich, Unterricht zu nehmen. Wenn es zeitlich nicht passt, bekomme ich Hausaufgaben. Aktuell versuche ich, das Alphabet zu lernen. Auf Autofahrten höre ich oft Podcasts auf Japanisch.

Sie sind in Frankfurt geboren, haben lange Zeit Ihrer Jugend in Rotterdam gewohnt – woher kommt Ihre Faszination für Japan?

Ich liebe Animes (japanische Zeichentrickfilme; d. Red.). Nachdem ich damit angefangen habe, wollte ich immer nach Japan. Ich war mittlerweile zweimal privat da und einmal mit der Nationalmannschaft während Olympia 2021. Jetzt im Sommer fahre ich vielleicht noch mal hin. Die Kultur ist ganz anders. Die Lebensweise, die Städte, die Architektur.

Ist ein Wechsel nach Japan Thema?

Wenn ich mich mit über 30 noch bewegen kann und ein Verein von dort Interesse hat, dann würde ich das gerne machen. Ich würde gerne zwei, drei Jahre dort leben. Wenn es mir wirklich gefällt, vielleicht sogar länger.

Aktuell spielen Sie in Kaiserslautern. Ist ein möglicher Aufstieg Thema in der Kabine?

Nein, im Moment nicht. Wir sind froh und dankbar, dass es momentan so gut läuft. Wenn die aktuelle Erfolgsserie noch eine Weile anhält, dann können wir vielleicht irgendwann darüber reden.

Dabei steht das Team so gut da wie seit zehn Jahren nicht mehr. Was hat sich durch Trainer Markus Anfang geändert?

Die Spielweise und wie wir auf dem Platz nachdenken. Vergangenes Jahr haben wir uns eher auf die Defensive konzentriert und waren vielleicht etwas verhaltener. Jetzt sind wir mutiger, haben einen anderen Plan.

Im vergangenen Sommer stand ein Transfer zu Union Berlin im Raum, im Winter wären Sie beinahe für zehn Mio. Euro nach Como gewechselt. Bleiben Sie, wenn Lautern aufsteigt?

Eine gute Frage, aber damit befasse ich mich aktuell nicht. Ich habe hier ja noch einen laufenden Vertrag.

Anfang ist der 17. Trainer in Ihrer Karriere. Wer hat Sie am meisten geprägt?

(Überlegt) Vielleicht Alexander Zorniger.

Warum?

Damals habe ich für ein Jahr bei Greuther Fürth gespielt, war von Frankfurt ausgeliehen. Zorniger hat immer hundert Prozent erwartet. Wenn du gut gespielt hast, hat er es dir gesagt, wenn du schlecht gespielt hast, auch. Das hast du dann unter anderem in den Videoanalysen gehört (lacht).

Zorniger ist seit Oktober letzten Jahres vereinslos, war zuvor zwei Jahre Trainer von Greuther Fürth

Foto: Jens Niering/dpa

Anfang der Saison hat er Fürths Keeper Nahuel Noll wegen eines Fehlers auf dem Platz zusammengefaltet. Ist Ihnen etwas Ähnliches mit ihm passiert?

Ja, zweimal (lacht). Einmal nach dem Derby gegen Nürnberg. Da habe ich das entscheidende Tor geschossen. Danach hat er mir sinngemäß gesagt: „Du hast katastrophal gespielt. Aber am Ende hast du in der Nachspielzeit das Siegtor geschossen. Jetzt hat jeder vergessen, wie schlecht du warst.“ Da ist er richtig ehrlich.

Und das zweite Mal?

Da haben wir in Karlsruhe mit einem Mann mehr verloren. Ich wurde in der 77. Minute eingewechselt und hatte nur zwei Ballkontakte. Da hat er gesagt: „Das kann nicht sein.“ Ich müsse mehr machen und mich beweisen, damit ich wieder mehr spiele. Die Woche danach habe ich richtig gut trainiert. Im nächsten Spiel stand ich in der Startelf und habe zweimal getroffen. Er hat mir Disziplin beigebracht.

Auch Friedhelm Funkel war Ihr Trainer. Mit ihm haben Sie vergangene Saison den Klassenerhalt erreicht – und das Pokalfinale.

Friedhelm ist in einer Phase gekommen, in der wir viel Druck hatten. Wir mussten Ergebnisse liefern. Bei ihm habe ich gelernt, wie Abstiegskampf funktioniert.

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Teaser-Bild

Quelle: DAZN

Und dann war da noch Oliver Glasner bei Eintracht Frankfurt.

Er hatte auch viele Erwartungen an mich. Aber in Frankfurt hat es für mich einfach nicht funktioniert. Ich hatte keinen Spielrhythmus, kein Selbstvertrauen. Frankfurt hatte damals auch keine zweite Mannschaft. Dann habe ich manchmal nur trainiert – oder war verletzt.

Sie tanzen auch gerne. In Rotterdam sind Sie mit einer Einlage in der Kabine berühmt geworden. Ein Video auf dem Kanal „433“ hat knapp 4,5 Mio. Aufrufe.

Ja, diese Art zu tanzen war damals ein Hype (lacht). Wir hatten mehrere, die das gemacht haben, unter anderem Mathias Pogba.

Der Bruder von Paul Pogba?

Ja, genau. Wir haben uns gut verstanden und zusammen getanzt. Ich bin damals aus der Jugend hochgekommen, er war bei den Profis. Er hat mir Tipps im Training gegeben. Zum Beispiel, wie ich den Ball besser festmachen kann.

Wenn Lautern aufsteigt, gibt es dann ein Aufstiegs-Tänzchen?

In der Kabine tanzen wir manchmal mit Opoku oder Franky (Ronstadt). Alidou tanzt auch ein bisschen. Wenn wir Bock haben, machen wir das nach dem Training, manchmal nach Spielen – und bestimmt auch bei einem Aufstieg.

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