Von KAI-UWE HESSE, TOBIAS FUCHS und JAN C. WEHMEYER
BILD hatte die Hintergründe zur Trennung von Hamburgs ehemaligem Sportvorstand Stefan Kuntz (63) offengelegt. Nach BILD-Informationen führten Beschuldigungen von HSV-Mitarbeiterinnen zur Vertragsauflösung. Der Vorwurf lautet sexuelle Belästigung. Eine der Frauen soll sich durch Aussagen von Kuntz zum Oralverkehr gedrängt gefühlt haben.
Anfang Dezember wandte sich eine Mitarbeiterin an den Aufsichtsrat des Bundesligisten. Das Kontrollgremium schaltete daraufhin eine externe Anwaltskanzlei ein. Zunächst führten die Juristen ein Gespräch mit der Betroffenen. Dabei nannte die Frau eine weitere HSV-Mitarbeiterin, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben soll. Auch sie wurde von den Anwälten angehört.
Die Kanzlei bewertete die Aussagen beider Frauen nach BILD-Informationen als glaubwürdig. In der Folge drängte der Aufsichtsrat auf eine schnelle Trennung. Die Vertragsauflösung wurde zum 31.12. vollzogen.
Wie reagiert der HSV?
Der Verein verweist auf seine Stellungnahme in BILD am Sonntag. Darin heißt es: „Der Aufsichtsrat kann das Interesse an dem vorzeitigen Ausstieg von Stefan Kuntz als Sportvorstand sehr gut nachvollziehen. Wir möchten uns aber weiterhin auf die Aussage beschränken, dass Stefan Kuntz den Aufsichtsrat aus persönlichen familiären Gründen gebeten hat, zum 31.12.2025 auszuscheiden. Es handelt sich hier um ausschließlich interne Vorgänge, die wir schon aus Gründen des Schutzes von Persönlichkeitsrechten nicht öffentlich erörtern möchten.“
Weitere öffentliche Aussagen plant der Aufsichtsrat derzeit nicht.
Haben die betroffenen Frauen Strafanzeige gestellt?
Dazu ist bislang nichts bekannt.
Der BILD am Sonntag-Bericht über den Fall Kuntz
Wie äußert sich Stefan Kuntz?
Kuntz meldete sich am Sonntagabend selbst zu Wort. In einem Instagram-Statement schrieb der frühere HSV-Boss: „Mich erreichen zahlreiche Anfragen wegen der aktuellen Berichterstattung über meine Person. Erst einmal möchte ich sagen, dass mich die Vorwürfe hart treffen. Klar ist: Ich weise diese Vorwürfe entschieden zurück!“
Zudem kündigte er rechtliche Schritte an: „Im Sinne meiner Familie und aller mir nahestehenden Personen habe ich meine Anwälte (Kanzlei Schertz Bergmann) darum gebeten, gegen diese FALSCHEN Vorwürfe und Vorverurteilungen vorzugehen.“
Was sagt das Umfeld von Kuntz?
Aus dem Umfeld des Europameisters von 1996 heißt es, es handele sich um eine gezielte Verleumdungskampagne. Kurz nach dem internen Bekanntwerden der Vorwürfe soll Kuntz selbst Anzeige gegen Unbekannt wegen Stalkings erstattet haben. Ob ein zeitlicher Zusammenhang besteht, ist offen.
Vorbereitet wurde die Anzeige von Dr. Eva Lütz-Binder. Sie ist die Ehefrau von Fritz Grünewalt, der einst unter Klub-Boss Kuntz bei Kaiserslautern als Finanz-Vorstand tätig war.
BILD Sport vom 11.01.: BILD-Reporter berichtet von Kuntz-Recherche
Wie geht es nach dem Kuntz-Aus beim HSV weiter?
Eine schnelle Neubesetzung des Vorstandspostens ist nicht vorgesehen. Der Aufsichtsrat sprach Finanz-Vorstand Eric Huwer (42) das Vertrauen als kommissarischer Allein-Vorstand aus und stärkte zugleich die Direktoren-Ebene. Huwer trägt die Verantwortung gemeinsam mit Sportdirektor Claus Costa (41) für das Bundesliga-Team.
Ist der Fall für den HSV abgeschlossen?
Nein. Nach BILD-Recherchen lässt der Klub mögliche Compliance-Verstöße von Kuntz aktuell durch eine Hamburger Kanzlei prüfen. Unklar ist, ob sich diese Untersuchungen ausschließlich auf das Verhalten gegenüber Mitarbeiterinnen beziehen.


