Drei Teams kämpfen um den Klassenerhalt, der HC Erlangen und der TVB Stuttgart schaffen ihn in letzter Sekunde. Bittere Tränen in Bietigheim, die SG BBM muss ein Jahr nach dem Aufstieg wieder runter.
Die Ausgangslage: Die SG BBM Bietigheim (17:49 Punkte, -137 Tore), der HC Erlangen (16:50 Punkte, -102 Tore) und der TVB Stuttgart (16:50 Punkte, -140 Tore) kämpfen um zwei Plätze für den Klassenerhalt. Der 17. muss neben Potsdam in die 2. Liga.
Bietigheim hat ein Spielplan-Problem, muss am letzten Spieltag gegen Double-Sieger und Meister-Kandidat SC Magdeburg ran. Schnell wird klar: Der Aufsteiger ist auf Schützenhilfe angewiesen, Magdeburg lässt dem Team von Iker Romero von Anfang an keine Chance.
Handball: Krimi um den Abstieg in der Handball-Bundesliga
Stuttgart spielt zu Hause gegen den SC DHfK Leipzig, der sich zuletzt u.a. gegen Bietigheim blamierte. Erlangen muss bei der HSG Wetzlar ran. Beide Partien sind brutal eng.
Zur Halbzeit liegt Bietigheim 10:18 hinten, wäre abgestiegen – aber es ist superspannend! Erlangen führt in Nordhessen 13:12, Stuttgart wackelt sich zum 15:15 gegen Leipzig. Das würde reichen für den TVB, der bei diesen Spielständen das bessere Torverhältnis als Bietigheim hat.
Der Aufsteiger am Ende? Denkste! In den ersten sechs Minuten der zweiten Hälfte macht Magdeburg kein Tor, nur noch 12:18, Wiegert muss die Auszeit nehmen. Stuttgart ist beim 19:19 nur noch drei Treffer vorne in der Tabelle. Erlangen zeigt im letzten Spiel, dass Trainer Johannes Sellin die Defensive stabil bekommen hat, zieht nach der Pause in Wetzlar auf 17:14 weg.

Erlangen-Trainer Johannes Sellin schaffte mit seinem Team doch noch den Klassenerhalt
20 Minuten vor dem Ende läuft es auf einen Zweikampf zwischen den Schwaben-Teams raus, mit dem besseren Ausgang für den TVB. Wiegerts Auszeit zeigt Wirkung, der SCM ist plötzlich wieder mit neun Toren weg, Stuttgart führt durch Toskas erstmals seit dem 15:13 wieder mit zwei Toren.
Ganz stark: Leipzig lässt sich diesmal nicht hängen! Ohne Nationalspieler Luca Witzke, der nach der Packung gegen Bietigheim gegen die Klub-Bosse geschossen hatte und in Stuttgart offiziell wegen Krankheit im Kader fehlt, bäumt sich der SC DHfK auf, führt plötzlich mit 26:25. Um 16.25 Uhr ist der TVB abgestiegen, Bietigheim und Erlangen sind gerettet!
Doch nur bis 16.27 Uhr, dann stellt Max Häfner wieder auf 26:26. Der eine Zähler würde reichen, Magdeburg führt 29:20 in Bietigheim. Leipzig geht wieder und wieder in Führung, beim TVB spürt man das Zittern förmlich.
Es geht nur über individuelle Qualität: Olympia-Silberheld Kai Häfner macht das 28:28, Frankreichs Europameister-Torwart Samir Bellahcene hält gegen Binder, der für den Gesichtstreffer zwei Minuten kassiert. Doch auch Leipzigs Ebner ist top drauf, hält im Gegenzug.
Plötzlich fließt das Blut: Schocker-Szene im Handball-Abstiegskampf
Bietigheim liegt mit zehn Toren zurück, Erlangen führt 22:20 in Wetzlar. Es ist klar: Die Entscheidung fällt in der Porsche Arena in Stuttgart!
38 Sekunden vor Schluss nimmt Stuttgart-Trainer Jürgen Schweikardt die Auszeit, brüllt: „Zuhören! Unentschieden reicht! Ein Unentschieden reicht!“
Das Tor zum Klassenerhalt fällt um 16.39 Uhr: Nico Bacani, 21-jähriger Youngster, trifft von Rechtsaußen, die Halle in Stuttgart rastet komplett aus! Um 16.43 Uhr auch fast alle Spieler kurz, weil Runarsson einen letzten Freiwurf tatsächlich noch aufs Tor werfen will. Gefällt den Stuttgartern null, sie blocken den Ball, es kommt zur Rudelbildung.
Doch nur kurz. Der TVB Stuttgart bleibt durch den 29:28-Sieg erstklassig, wird 16. hinter dem HC Erlangen, der sich zum entscheidenden 25:21-Sieg in Wetzlar ringt. Bietigheim schafft auch in diesem Jahr den Klassenerhalt nicht.
TVB-Trainer und -Geschäftsführer Jürgen Schweikardt bei Dyn: „Es war eine brutale Zeit. So ein Spiel bis zum Ende, es geht schlimmer nicht. Ich bin heute Nacht um vier Uhr aufgewacht, seitdem wach. Es ist eine Riesenerleichterung. Ich könnte mich tatsächlich nur hinlegen im Moment.“
Gerade noch gerettet: Pikanter Versprecher von Handball-Kommentator
Die weiteren Partien des letzten Spieltags
THW Kiel – ThSV Eisenach 36:35
Emotionale Kiste in Kiel: Patrick Wiencek (36) feiert sein Karriereende mit einem Heimsieg, Bam-Bam steuert sechs Tore bei. Beim ThSV wirft Marko Grgic (21) neun Tore, sichert sich als fünfter Deutscher in den letzten 30 Jahren die Torjägerkrone in der Daikin HBL. Bitter für den THW: Hendrik Pekeler (33) muss verletzt raus, nach SPORT BILD-Informationen besteht Verdacht auf Achillessehnenriss. Bestätigt sich der, wäre die Frage, ob wir Wiencek doch nochmal sehen …
1. VfL Potsdam – MT Melsungen 26:31
Die MT krönt eine starke Saison zwar nicht mit Titeln, aber einem weiteren Sieg. 55:13 Punkte, Platz 3 – Hut ab, Melsungen. Wahnsinn: Carsten Lichtlein (44) zeigt einmal mehr seine Klasse, hat schon kurz nach der Pause zehn Paraden voll. Potsdam steigt als Letzter ab, nimmt wertvolle Erfahrungen mit in die 2. HBL.
VfL Gummersbach – TSV Hannover-Burgdorf 39:29
Schaulaufen der deutschen Nationalspieler in der Schwalbe Arena. Gleich acht DHB-Kandidaten sind dabei, darunter Handball-Liebling Julian Köster, Shootingstar Miro Schluroff und Deutschlands Handballer des Jahres Renars Uscins. Die Fans bekommen nochmal ein Offensiv-Spektakel beider Teams, die wieder ein Jahr näher an die Spitzengruppe herangerückt sind.
SG Flensburg-Handewitt – HSV Hamburg 40:37
Die SG war als Top-Favorit in die Saison gestartet, wird am Ende aber nur enttäuschter Fünfter. Zum Abschluss gibt’s den Sieg im Nord-Derby und die Vertragsverlängerung von Blaz Blagotinsek bis 2028.
TBV Lemgo Lippe – Frisch Auf Göppingen 29:29
Der TBV mit Trainer Florian Kehrmann geht am Ende einer starken Saison auf dem Zahnfleisch, liegt schnell mit 4:10 hinten, kämpft sich aber noch zum Remis. Göppingen schließt ein Übergangsjahr mit Neu-Coach Ben Matschke als Zwölfter ab.



