„FC Bayern vor 10 Jahren“ ist eine Serie, in der SPORTBILD historische Artikel wieder zum Leben erweckt. Lesen Sie heute, was die Bayern im Jahr 2015 bewegte.

Der Artikel „Bayern und Doc Müller-Wohlfahrt – So kam‘s zum Knall“ ist am 18. April 2015 bei BILD erschienen

38 Jahre Zusammenarbeit enden mit dürren Worten.

„Der FC Bayern München hat mit Bedauern die Entscheidung von Vereinsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (72), seine medizinische Tätigkeit für den Klub niederzulegen, zur Kenntnis genommen.“

Und ein ebenso dürrer Dank folgte.

Der Verein fühlte sich offenbar kurz vor Saisonende im Stich gelassen. Am Donnerstagabend hatte Müller-Wohlfahrt beim Rekordmeister hingeworfen.

BILD erklärt, wie es zum Knall kam.

► Pep Guardiola

Zwischen Trainer und Doc gärte es schon länger. Hauptkonflikt: Der Spanier forderte einen Arzt mit vollständig ausgestatteter Praxis am Trainingsgelände in der Säbener Straße. Damit die Profis nicht wie bisher sieben Kilometer durch die Stadt fahren müssen. Seit Anfang 2015 war Doc-Sohn Kilian Müller-Wohlfahrt bei jedem Training vor Ort. Das reichte Pep nicht.

Voraussichtlich wäre es zur neuen Saison ohnehin zur Trennung gekommen, wenn Müller-Wohlfahrt nicht die geforderte Praxis eingerichtet hätte.

► Dr. Müller-Wohlfahrt

Der Star unter den Sport-Ärzten ist fast so prominent wie seine Patienten. Früher meldeten sich die Bayern-Trainer Hitzfeld oder Heynckes selbst bei „Mull“, wenn es Verletzungsfälle gab. Bei Guardiola war es umgekehrt: Er erwartete Rückmeldungen vom Arzt – oft vergeblich. Eitelkeiten spielten auf beiden Seiten auch eine Rolle. „Mull“ stieß z.B. sauer auf, dass sich Thiago in Spanien behandeln ließ.

► Boss Rummenigge

Er löste letztlich den Knall-Rücktritt aus. Karl-Heinz Rummenigge kritisierte in der Kabine nach der 1:3-Pleite in Porto die medizinische Abteilung des Vereins. Zu viele Verletzte, die nicht fix genug fit werden (u.a. Ribéry). Nach der Rückkehr aus Portugal verfasste Müller-Wohlfahrt seine Rücktritts-Erklärung.

BILD erfuhr: Erst kurz vor der Veröffentlichung informierte er Rummenigge und Präsident Karl Hopfner am Telefon.

Müller-Wohlfahrt hat laut Vertrag das Recht, jederzeit zu kündigen. Die Beteiligten schweigen. Weder Müller-Wohlfahrt noch Rummenigge wollten sich auf BILD-Anfrage äußern. Fragen zum Rücktritt bügelte Bayern-Medienchef Markus Hörwick auf der Pressekonferenz weg.

Guardiola durfte nur sagen: „Es ist die Entscheidung von Müller-Wohlfahrt, ich respektiere sie. Für verletzte Spieler ist nicht der Trainer verantwortlich, aber auch nicht der Arzt.“

Diskussionen gibt es um eine Szene beim Bayern-Spiel in Leverkusen: Als Benatia verletzt rausmusste, klatschte Guardiola demonstrativ Hohn-Beifall Richtung Bank. Guardiola bestreitet, dass er die Ärzte gemeint hat.

Wird Guardiola ohne den von ihm ungeliebten „Mull“ noch mächtiger?

Sky-Experte Stefan Effenberg warnt: „Jetzt muss man aufpassen, dass Guardiola nicht zu viel Macht bekommt und auch noch bestimmt, wer das neue Ärzteteam wird. Das könnte für die Zukunft des FC Bayern gefährlich sein.“

ttn-36