Noch sind es einige Jahre bis zu den Weltmeisterschaften 2030 und 2034. Doch eins steht schon jetzt fest: Die Stadien der Turniere in Spanien, Portugal und Marokko (2030) sowie in Saudi-Arabien (2034) werden neue Maßstäbe setzen.
Die meisten der aktuell spektakulärsten Neubauten der Fußballwelt entstehen zu diesen beiden Anlässen – ob das mit 115 000 Plätzen bald größte Stadion der Welt in Casablanca (Marokko) oder ein Felsen-Stadion in Riad (Saudi-Arabien), das mehr nach Science-Fiction aussieht als alles andere.
Das Prinz-Salman-Stadion in Riad (Saudi-Arabien) wird in einen 200 Meter hohen Felsen gebaut und ist zur Abhang-Seite offen. Dort ist ein gigantischer Bildschirm angebracht. Es wird das Heimstadion von Rekordmeister al-Hilal und Ronaldo-Klub al-Nassr.
Hinter vielen dieser Pläne steckt das weltweit tätige Architektur-Büro „Populous“. Das Unternehmen (ursprünglich aus Kansas City/USA) hat mit rund 1500 Mitarbeitern schon über 3000 Projekte im Spitzensport umgesetzt.
„Wir wollen nicht nur fertige Stadien übergeben – sondern Orte für großartige Erfahrungen“, sagt Declan Sharkey, globaler Direktor bei Populous, zu SPORT BILD: „Beim Projekt in Casablanca haben wir mit Akustik-Ingenieuren zusammengearbeitet, um die richtige Atmosphäre und Intimität herzustellen.“

2027 möchte die AS Rom aus dem „Olimpico“ aus- und in eine neue Arena im Norden der Stadt einziehen. Bis zu 65 000 Zuschauer sollen reinpassen.
Während anderswo geklotzt wird, müssen europäische Klubs smarter denken. „In Europa gibt es tolle Möglichkeiten bei Renovierungen und Erweiterungen von Stadien“, sagt Sharkey.
Beispiel: In Straßburg entstehen Tribünen aus Flugzeugteilen, in Sevilla bauen beide Klubs auf engem Raum mitten in der Stadt – und bei Manchester City soll die neue Fankurve sich mit der nahe liegenden Veranstaltungshalle verbinden. „Ein Stadion soll ein Ort für alle sein, der im besten Fall 365 Tage im Jahr genutzt wird – nicht nur an Spieltagen“, sagt Sharkey.

Spaniens Topklub FC Sevilla will ab Mitte 2026 das traditionsreiche Estadio Ramón Sánchez Pizjuan durch einen Neubau ersetzen und die Kapazität um 11 000 Plätze auf 55 000 erweitern
Europas größtes Projekt wird das neue Stadion der AS Rom, in dem mit über 25 000 Plätzen auf der „Curva Sud“ die größte Fan-Tribüne des Kontinents gebaut wird.
Kein Vergleich allerdings zum Beispiel mit dem King-Salman-Stadion, das mit 92 000 Plätzen das neue Nationalstadion Saudi-Arabiens werden soll. Auch die neue Arena in Tanger (Marokko/87 000 Plätze) wird größer als jedes Bundesliga-Stadion.

Mit 92 000 Plätzen wird das „King-Salman-Stadion“ nördlich von Riad das neue Nationalstadion des saudischen Verbands. Das Stadion-Design beim „Wembley der Wüste“ soll an einen Samen erinnern
Chef-Architekt Sharkey: „Die Projekte müssen authentisch sein. Wir gehen aus einer sehr lokalen Perspektive heraus vor. Was wir in Casablanca bauen, ist nicht das Richtige für Italien. Und während die Größe und die vielfältigen Fan-Erlebnisse eines Stadions wie Tottenham auch in Deutschland Anklang finden würden, muss das eigentliche Design für jeden Verein und jedes Land spezifisch und einzigartig sein.“
Auch in den kommenden Jahren werden also noch einige neue Fußball-Tempel auf die Fans warten.

In Tanger (Nord-Marokko) wird das „Grand Stade“ für die WM 2030 aufgehübscht. Drei Tribünen bekommen erstmals ein Dach, die Laufbahn kommt weg und die Kapazität geht hoch von 65 000 auf 87 000 Plätze
Weitere Beispiele für neue Stadien:
Mit einem dritten Rang auf der Hintertor-Tribüne will Manchester City beim Etihad Stadium die Marke von 60 000 Zuschauern knacken. Darunter sollen auch 3000 neue Stehplätze sein, ein Teil davon nur für Fans unter 21 Jahren.
Neu sind auch eine Bar mit Blick aufs Feld, ein Klub-Museum und ein Hotel. Das Projekt soll im Laufe der kommenden Saison fertig sein.

Noch spielt Brasiliens Traditionsklub Flamengo in Rio de Janeiro im legendären Maracanã. 2029 will der Verein in sein neues, eigenes Stadion in Hafennähe ziehen
Hinter dem neuen Stadion in der saudi-arabischen Stadt Khobar steckt ein ausgeklügeltes Design. Das Dach der 47 000-Plätze-Arena soll an die Wellenbewegungen und Strudel des nahen Persischen Golfs erinnern und hat geschwungene Öffnungen, um Tageslicht reinzulassen. Gebaut wird es für die WM 2034 und ist nach dem staatlichen Öl-Konzern Aramco benannt.

Die Fassade des umgebauten Stade de la Meinau von Racing Straßburg besteht zu einem Großteil aus alten Flugzeug-Teilen ausgemusterter Airbus A340
Seit 2023 renoviert der FC Barcelona das „Spotify Camp Nou“, es sollte eigentlich im Dezember 2024 wieder nutzbar sein. Doch die Arbeiten verzögerten sich, die Eröffnung (mit nur rund zwei Drittel der Kapazität von 105 000 Zuschauern) ist spätestens für Februar geplant. Die größten Verbesserungen sind das durchgehende Dach und eine 360-Grad-Leinwand.

