In Franken geht man am Dreikönigstag traditionell „Stärk antrinken“. Das Ziel: Zwölf „Seidla“ (0,5 Liter) Bier leeren – für jeden Monat des neuen Jahres einen.
Die Veolia Towers Hamburg wandelten den Brauch ab und holten sich durch ein nüchternes 83:80 (29:34) beim Zwölften Bamberg Baskets einen kräftigen Schluck Selbstvertrauen. Denn zuvor hatten die Türme in der Easycredit Basketball Bundesliga auswärts erst einmal gewonnen – und über Weihnachten und den Jahreswechsel drei Pleiten in Serie kassiert.
Bamberg muss sich dagegen im Kampf um die Play-In-Plätze neu sammeln. Der neunmalige deutsche Meister war nach der Rückkehr von Klub-Idol Anton Gavel (40) als Trainer mühsam in die Saison gestartet, dann aber im Dezember mit fünf Siegen in Serie ins Rollen gekommen …
„Das war groß“, sagte Hamburgs Top-Scorer Jordan Barnett (wurde Silvester 29), der mit 17 Punkten und 10 Rebounds ein sogenanntes „Double-Double“ schaffte. „Ich bin wirklich stolz auf die Jungs. Unsere erste Hälfte war ziemlich schrecklich. Ein großartiger Sieg. Das ist ein großer Schritt in die richtige Richtung.“
Bei den Towers fehlten weiter die „Großen“ Benedikt Turudic (27/Bandscheibe) und Zsombor Maronka (23/Fuß). Dafür stand U23-Weltmeister im 3×3 Fabian Giessmann (19) zum ersten Mal im Kader. Die Bamberger konnten dagegen gleich auf zwei Rückkehrer zurückgreifen: Kapitän Karsten Tadda (36/Erkältung) und Filip Stanic (26), der nach Nasenbeinbruch mit Maske auflief, die ihn aber sichtbar behinderte.
Die Towers starteten mal wieder mit denselben Fehlern wie seit Wochen: Sie verloren in den ersten fünf Minuten sechsmal den Ball! Und sie überließen die Abpraller dem Gegner! In der achten Minute (6:13) platzte Trainer Benka Barloschky (37) der Kragen. In seiner ersten Auszeit brüllte er wütend: „Sammelt die verdammten Rebounds ein. Das ist der Moment, über den wir gesprochen haben!“
Das wirkt! Mit einem 7:0-Lauf kommen die Türme wieder ran. Im zweiten Viertel kriegen sie tatsächlich die Rebound-Schwäche in den Griff. Dafür treffen sie von draußen nicht mal ein Garagen-Tor. In der ersten Hälften landen nur zwei von 19 Dreiern im Korb – 11 Prozent. Eine unterirdische Quote.
„Das ist auch verständlich“, sagt Barloschky im Pausen-Interview bei Dyn. „Da ist ein gewisses Maß an Verunsicherung in der Mannschaft, wenn die Ergebnisse nicht kommen. Ich bin sehr, sehr stolz auf die Mannschaft, wie sie sich dann reingekämpft hat. Vor allem defensiv. Aber ich glaube, wenn wir weiter so verteidigen, dann werden wir irgendwann belohnt werden.“
BBL: Hamburg Towers: Nüchterner Sieg: Zehn Minuten knallen besser als zwölf Bamberger Biere!
Doch was folgt, hätte wohl selbst Barloschky nicht erwartet: eine 10-Minuten-Explosion!
In der 24. Minute gehen die Gäste durch den Ex-Bamberger Kenneth Ogbe (30) zum ersten Mal in Führung (39:36). Im dritten Viertel knallen die Hamburger in zehn Minuten 35 Punkte durch den Ring – mehr als in der gesamten ersten Hälfte zusammen! Auch eine Auszeit des erbosten Gavel kann den Mega-Run nicht stoppen.
Basketballer verspielen Mega-VorsprungSensationelle Bayern-Pleite!
Im Schluss-Viertel liegen die Towers sogar mit 71:51 (33.) vorne. Wie labil sie aktuell noch sind, zeigte sich daran, dass es trotz eines 20-Punkte-Vorsprungs am Ende noch mal spannend wurde.
Bambergs Moritz Krimmer (24) nach dem vierten Spiel in zehn Tagen: „Wir sind in alte Muster verfallen. Das Spiel war bei minus 20 eigentlich vorbei. Es war definitiv nicht gut genug, was wir im dritten Viertel gemacht haben.“ Die Hausherren hatten hinterher zumindest noch die Chance, das fränkische Brauchtum nachzuholen.
Für die Towers geht’s im Hammer-Monat Januar (neun Partien) schon Mittwoch im EuroCup gegen Venedig weiter (19.30 Uhr, Magenta Sport).


