Diese Nullnummer schmerzt immer noch!
Im vergangenen Weltcup-Winter stand eine Abteilung im Deutschen Ski-Verband (DSV) ohne Podiums-Platzierung da: die Alpin-Männer. „Da hatten wir Not bei den Männern“, sagt Alpin-Direktor Wolfgang Maier (64). „So wollen wir das Herrenteam nicht präsentieren. Wenn ich keine Sportler in der Weltspitze habe, stellt sich der gesamte Aufwand, den wir betreiben, infrage.“
Besonders im Vergleich mit den anderen Sportarten im DSV zeigt sich die Misere. Insgesamt gab es in Nordischer Kombination, Biathlon, Skisprung, Skilanglauf und Ski Freestyle 121 Podestplätze. Sieben kamen von den Alpin-Frauen.
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„Der Druck ist hoch, aber nicht nur von außen, sondern auch von dem Anspruch, den wir an uns selbst stellen“, sagt Maier. „Ski alpin ist in Deutschland eine Sportart, die permanent um Anerkennung kämpft. Der DSV hatte in der vergangenen Saison eine sehr beachtliche Ergebnisbilanz, aber wir waren als Alpine zu wenig vertreten. Das kratzt schon an der Ehre. Jeder hat ein Ego und braucht Anerkennung. Wir sind Teil des Skiverbandes und wollen dort unseren Teil in der Leistungsbilanz beitragen.“
Nur Slalom-Spezialist Linus Straßer (32) polierte die Bilanz durch WM-Bronze noch etwas auf. Er ist am Sonntag in Levi (Finnland) beim Slalom-Auftakt in den Weltcup der große Hoffnungsträger, dass diesmal früh der Bann gebrochen wird.
Aber der internationale Vergleich zeigt, wie weit die Alpin-Herren hinterherfahren. Das Schweizer Team um Superstar Marco Odermatt (28) kam auf 44 Podien, Norwegen auf 24 sowie Frankreich auf sieben. „Bei den Herren haben wir den Anschluss an die absolute Weltspitze verloren“, sagt Maier. „Dafür gibt es viele Gründe: natürlich auch Verletzungen, aber das soll nicht als Ausrede dienen.“
Besonders der Abfahrtsbereich steckt in einer Krise. Frühere Topfahrer wie Thomas Dreßen (31), Pepi Ferstl (36) und Andreas Sander (36) hörten auf oder fielen wegen gesundheitlicher Probleme aus. „Wenn wir im Speedbereich mal alle unsere Sportler wieder dabeihaben, werden wir auch dort die Talsohle durchschreiten können“, sagt Maier. „Am Schluss der vergangenen Saison hatten wir niemanden mehr bis auf Romed Baumann. Die tragenden Säulen waren weg.“ Simon Jocher (29) hatte Rücken- und Fersenprobleme.
Maier nimmt Fahrer speziell wie Jocher, aber auch einen sehr talentierten Luis Vogt (23) in die Pflicht: „Sie haben lange genug im Schutz der ehemals Arrivierten wie Dreßen oder Ferstl gestanden. Die müssen jetzt im Wind stehen und es richten, dass wir im Speedbereich wieder in der Spitze präsent sind.“
Die zwei Junioren Felix Rösle (20) und Benno Brandis (19) sollen behutsam aufgebaut werden. „Uns bleibt nichts anderes übrig, als sensibler, umsichtiger und zielgenauer mit den Athleten umzugehen, weil wir nicht so viele hochtalentierte Sportler haben“, sagt Maier.
Der Riesenslalom-Auftakt in Sölden (Österreich) brachte erste gute Ansätze: Mit Anton Grammel (27) auf Platz elf, Fabian Gratz (28) als 17. und Jonas Stockinger (26) als 19. waren zumindest drei Deutsche in den Top 20. Ex-Parallel-Weltmeister Alexander Schmid (31) landete beim Comeback nach dem zweiten Kreuzbandriss auf Rang 27.

Wolfgang Maier (64) ist seit 2006 Alpinchef im Deutschen Skiverband
„Das Ergebnis war für uns zufriedenstellend“, sagt Maier. „Viele haben es als gut bewertet, weil wir vier im Finale hatten. Das ist alles okay, aber wir wollen noch ein bisschen weiter nach vorne kommen. Es ist nicht eine Sache der Quantität, sondern am Ende auch immer eine Sache der Qualität.“
Der Alpinchef will sich damit nicht abfinden: „Jeder unserer Athleten hat noch Reserven, und die Coaches sind sehr, sehr sensibilisiert darauf, dass wir besser werden wollen.“ Die Arbeit über den Sommer sei vernünftig gewesen, und man sei „in der Spur. Aber wir sind noch nicht am Ziel, haben nur die richtige Abbiegespur gefunden.“
Die Skifahrer werden mehr in die Pflicht genommen, sollen verstärkt in Eigenverantwortung arbeiten und lernen, mutiger Entscheidungen zu treffen. Bisher gab es viel Frontalunterricht, wo den Athleten viel vorgeschrieben, aber auch viel abgenommen wurde.
Für Olympia im Februar in Cortina d’Ampezzo und Bormio ist das Ziel klar: „Dort erwarten wir, dass wir bei Männern und Frauen jeweils eine Medaille holen“, sagt Maier. „Wenn wir nicht auch die eigene Zielsetzung hätten, eine Medaille zu holen, dann brauchen wir nicht zu den Spielen zu fahren.“

