Die Ober-Bosse
Der Sport-Ausschuss des zehnköpfigen Aufsichtsrates besteht aus Männern, die keine Sport-Kompetenz haben: Johannes Struckmeier (40), einem Investment-Manager, Axel Hefer (47), dem CEO eines Wettanbieters, und Ender Ulupinar (52), einem Bau-Unternehmer. In dem Gremium scheppert es hinter den Kulissen gewaltig.
Ein Beispiel: Ulupinar forderte kurz nach der Wahl in den Aufsichtsrat im vergangenen November Einsicht, wie die Fördergenossenschaft vorangetrieben wird. Weil diese jedoch vom Verein abgekoppelt ist und einen eigenen Aufsichtsrat besitzt, hatte er darauf keinen Anspruch. Was tat Ulupinar? Er zog einen Anwalt hinzu, um die Informationen einzuklagen. Bis dato hatte der Aufsichtsrat von S04 in der neuen Konstellation noch gar nicht getagt – und doch gab es bereits einen großen Vertrauensverlust.
Ein weiteres Beispiel: Der Vorstand verhandelte in den vergangenen Wochen über das Profi-Budget für die kommende Saison. Im besten Fall einigen sich Aufsichtsrat und Vorstand zuvor jeweils auf eine Marschroute, dann wird zwischen beiden Parteien ein Kompromiss gefunden. Bei Schalke gab es etliche Meinungen und null Einigkeit im Aufsichtsrat – fast alle redeten mit. Die Sitzung endete im Chaos.
Auch die Vorstellungen darüber, ob der bis Sommer 2026 gültige Vertrag von Finanz-Vorständin Christina Rühl-Hamers (48) verlängert werden soll, sollen in dem Gremium weit auseinandergehen.
Besserung ist nicht in Sicht: Die Mitglieder des Aufsichtsrates sind teilweise bis 2027 gewählt, u. a. Ulupinar. Für den neuen Sport-Vorstand Frank Baumann (49) könnten die Verhandlungen mit dem Gremium, das jede Entscheidung mit einem Finanzvolumen über 500 000 Euro absegnen muss, schnell zur Zerreißprobe werden.
Die Sport-Chefs
Die Ansage vom Aufsichtsrat an Baumann war deutlich: Er soll nicht nur einen neuen Trainer finden sowie den Kader umkrempeln, sondern auch dafür sorgen, dass an einem Strang gezogen wird. Konkret betrifft das Kaderplaner Ben Manga (51) und Sportdirektor Youri Mulder (56). Intern wird von den Teams „Ben“ und „Youri“ gesprochen, in die sich Spieler und Mitarbeiter einsortiert haben. Ex-Trainer Kees van Wonderen (56) etwa war Mitglied in der Mulder-Gruppe, Co-Trainer Sidney Sam (37) ist Manga zugeordnet. Die Bosse hatten in den vergangenen Monaten das Gefühl, dass sich dadurch zwei Fronten aufgebaut haben: sowohl im Trainer-Team als auch in der Mannschaft.
Die Konstellation mit Mulder und Manga arbeitet auf Bewährung. Baumann soll genau im Blick behalten, wie sich die Zusammenarbeit entwickelt. Problem: Mulder bekam erst kürzlich einen Vertrag bis 2027. Mangas Kontrakt ist sogar bis 2028 datiert. Und: Manga brachte vor rund einem Jahr fast zehn Scouts bei S04 unter, die gesamte Abteilung ist nach seinen Vorstellungen zusammengestellt.
DFB-Chef über Woltemade: „Was zur Wahrheit gehört“
Die Mannschaft
Das Problem, dass es an Führungsspielern fehlt, wurde in den vergangenen Wochen immer offensichtlicher und ist in der Chef-Etage ein großes Thema. Viele Spieler ducken sich weg oder denken an sich selbst. Zwei Profis sind dabei in den internen Fokus der Kritik geraten.
Erstens: Paul Seguin (30/Vertrag bis 2026). Hinter vorgehaltener Hand wird dem Mittelfeldspieler vorgeworfen, sich vor schwierigen Situationen zu drücken. Bei zwei Spielen – in Nürnberg (1:3) und in Elversberg (4:1) – meldete er sich wenige Augenblicke vor Spielbeginn ab. Zuletzt klagte er über muskuläre Probleme. Schalke ließ MRT-Aufnahmen anordnen, die jedoch keine strukturellen Verletzungen aufwiesen – was intern für Verwunderung gesorgt haben soll. Zur Wahrheit gehört aber auch: Seguin plagten zudem Schmerzen im Fuß, sodass er dann ausfiel. Die Bosse sind sich dennoch einig, dass zukünftig robustere Spieler für S04 auflaufen sollen. Seguin soll den Klub im Sommer vorzeitig verlassen.
Zweitens: Amin Younes (31/Vertrag bis 2026). Als der Offensiv-Spieler nicht zum Einsatz kam, soll er aus seiner schlechten Laune in der Kabine keinen Hehl gemacht haben. Und wenn er spielte, Absprachen missachtet haben, um sich selbst in den Fokus zu rücken. Vor dem Spiel am 33. Spieltag in Düsseldorf (0:2) dachte sich das Team mit Interims-Trainer Jakob Fimpel (36) extra eine Kombination nach dem Anstoß aus und studierte diese im Vorfeld ein, um sich direkt zu Spielbeginn vor das Fortuna-Tor kombinieren zu können. Was tat Younes? Er schoss direkt nach dem Anstoß von der Mittellinie auf das Gehäuse. Eine Szene, die sinnbildlich für Schalke steht!

