Bei der Biathlon-WM in Lenzerheide (Schweiz) genießt Franziska Preuß (30) ein großes Privileg: Als Einzige im deutschen Team schläft sie in einem Einzelzimmer. „Es tut mir gut, wenn ich die Tür zumachen kann, allein bin und nicht reden muss. So regeneriere ich besser“, sagt sie. Und es mindert das Risiko, sich einen Erkältungsvirus einzufangen.

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Preuß ist da extrem vorsichtig. Auch ihrer Familie und ihrem Freund Simon Schempp (36) begegnet sie nur mit Mundschutz. Der Biathlon-Weltmeister von 2017 ist diese Woche zu Besuch in der Schweiz. Er hofft auf weitere Erfolge seiner Freundin. Preuß gewann WM-Gold in der Verfolgung, zuvor Silber im Sprint und Bronze mit der Mixed-Staffel. Ihr letzte WM-Einzelmedaille hatte sie vor zehn Jahren gewonnen, Silber im Massenstart. In der Folge wurde sie immer wieder durch Krankheiten zurückgeworfen.

Durch ihre Erfolge und Platz 1 im Gesamtweltcup hat sich Preuß Privilegien im deutschen Team erarbeitet. Das war auch schon in der Saisonvorbereitung so. Da ging die Bayerin eigene Wege. Während die Teamkolleginnen im Juni zum Höhentraining in Livigno (Italien) waren, trainierte Preuß zehn Tage auf der WM-Anlage in Lenzerheide. Einziger Begleiter war ihr Vater Georg, der früher selbst ein erfolgreicher Bergläufer war. Papa Preuß hatte seine Tochter überhaupt erst zum Biathlon gebracht, indem er ihr zum 15. Geburtstag einen Gutschein für einen Schnupperkurs im Camp von Team-Olympiasieger Fritz Fischer (68) in Ruhpolding schenkte.

„Ich war noch nicht so oft in Lenzerheide, daher waren die Tage dort echt gut für mich“, sagt Preuß. „Ich habe den Anlauf zum Schießstand und das Schießen trainiert und mir viele Notizen gemacht.“ Das Team vermisste sie in der Zeit nicht. „Ich bin schon so viele Jahre dabei“, sagt sie. „Für mich ist es keine große Motivation, mit der Mannschaft irgendwo auf einen Lehrgang zu fahren, wo alles vorbereitet und organisiert ist. Manchmal muss man die Verantwortung selbst übernehmen. Dann steht man auch ganz anders dahinter. Das habe ich kompromisslos gemacht – und es hat gut funktioniert.“

Auch in Antholz (Italien) trainierte Preuß im Oktober allein. Den Ort wählte sie bewusst: Dort finden 2026 die olympischen Biathlon-Wettkämpfe statt. Danach plant Preuß ihr Karriereende.

Doch zunächst genießt sie die WM-Tage in Lenzerheide. Schon vor dem Gewinn ihrer WM-Medaillen setzte sie sich nicht zu sehr unter Druck: „Ich habe oft genug bei Weltcups oder der WM daheim vor dem Fernseher gesessen. Jetzt genieße ich es einfach, gesund und fit zu sein. Alles andere blende ich aus. Und als ich im Sprint Silber gewonnen hatte, wurde der Rucksack noch leichter.“

Besonders wichtig ist Preuß die Frauen-Staffel am Samstag (22. Februar, 12.05 Uhr). „Eine Staffel ist immer etwas Besonderes, weil man sich im Erfolgsfall gemeinsam freuen kann. Das ist noch mal eine ganz andere Freude. So war es auch bei der Mixed-Staffel“, sagt Preuß. „Als Schlussläuferin mit der Deutschland-Fahne ins Ziel zu laufen, und die anderen drei Mädels warten auf einen, das ist ein unbeschreiblich schöner Moment.“

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