Die eindringliche Warnung verpuffte im Chaos der Johan-Cruyff-Arena. „Noch ein Mal, und das Spiel ist beendet“, drohte Schiedsrichter Bas Nijhuis. Schon nach vier Minuten hatte er das Spiel zwischen Ajax Amsterdam und dem FC Groningen wegen massiver Pyrotechnik abbrechen müssen, die Ajax-Ultras in Gedenken an einen verstorbenen Hooligan zündeten. Nijhuis schickte die Spieler in die Kabinen, pfiff das Spiel erst nach mehr als 40 Minuten wieder an – und gleich wieder ab, denn das Pyro-Chaos ging weiter. Etliche Leuchtfackeln und Raketen waren auf dem Spielfeld gelandet und hatten es teilweise in Brand gesetzt. Das Spiel wird am Dienstag ohne Zuschauer wiederholt.

Es scheint nur eine Frage der Zeit, wann auch in der Bundesliga das erste Spiel wegen Pyro-Eskalation abgebrochen werden muss. Vor der Innenministerkonferenz diese Woche in Bremen fordert die Politik, dass der Drei-Stufen-Plan von DFB und DFL, der bei Rassismus-Vorfällen gilt, künftig auch bei Pyro angewandt wird.

Für toten Fan: Der Pyro-Skandal im Video

Quelle: Sportdigital, BILD

Würde bedeuten: In Stufe 1 unterbricht der Schiri das Spiel, per Stadion-Durchsage werden die Ultras aufgefordert, das Abbrennen von Pyro einzustellen.

Wird weiter gezündelt, gilt Stufe 2: Der Schiri unterbricht erneut, die Spieler verlassen den Platz. Nach einer längeren Pause wird das Spiel fortgesetzt.

Danach gilt Stufe 3: Der Schiri bricht das Spiel ab.

SPORT BILD erfuhr: Dieses Szenario konnte in den Verhandlungen mit der Politik – vorläufig – abgewendet werden, wie DFL-Geschäftsführer Marc Lenz und DFB-Präsident Bernd Neuendorf den 36 Profiklubs vorige Woche in einer Video-Schalte mitteilten. Ihr Argument zog offensichtlich: Manipulationen würden Tür und Tor geöffnet, wenn Ultras des in der Schlussphase zurückliegenden Klubs mit Pyro einen Spielabbruch provozieren würden, um so die drohende Niederlage am grünen Tisch des DFB in einen Sieg umzuwandeln.

Weitere Ergebnisse der Verhandlungen: Es gibt keinen von der Politik geforderten Automatismus bei Stadionverboten nach dem Gießkannen-Prinzip. Zwar wird die Terminologie verschärft, für die Klubs gilt künftig nicht mehr, dass Stadionverbote ausgesprochen werden „sollen“. Es gilt die Pflicht, dass diese auszusprechen „sind“. Aber nur individuell und bei detailliert und mit allen erforderlichen Fakten dargelegtem Verdacht einer Straftat. Und: Die geplante Einrichtung einer zentralen Stadionverbots-Kommission ist ebenso vom Tisch wie die Androhung personalisierter Tickets.

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