Der 800-Gramm-Speer soll in einem Winkel zwischen 33 und 34 Grad abgefeuert werden. Wenn der Wurf gut war, „spüre ich das sofort. Ich reiße dann auch schon die Arme nach oben“, sagt Weber. In Zürich flog der Speer am 28. August auf 91,51 Meter – Weltjahresbestleistung und persönlicher Rekord. Das macht Weber zu Deutschlands größter Gold-Hoffnung bei der WM in Tokio. Sein Finale ist am 18. September.
Mbappé exklusiv in BILD: Diese Bundesliga-Klubs wollten mich!
Weber ist ein Modellathlet: 1,91 Meter groß, Bizepsumfang 44 Zentimeter. „Aktuell bin ich 97, 98 Kilogramm schwer, so stark wie noch nie“, sagt der Europameister von 2022. Seine Armspannweite bietet mit 198,2 Zentimetern ideale Hebel zum Wegschleudern des Speers. „Meine Stärke ist eine lange Wurfbewegung mit einer schnellen und beweglichen Schulter.“ Seine Schultern sind 44,1 Zentimeter breit, der Brustkorb 31,5.
Fast wäre aus Weber ein Handballer geworden, wie Bruder Patrick (33), der sogar in der Bundesliga spielte. Doch 2012 erlitt Julian einen Trümmerbruch im Daumen. „Ich machte einen Unterarmwurf und krachte mit dem Daumen blöd gegen einen Gegenspieler“, erzählt Weber. „Der Ball ging zwar rein, aber mein Daumen stand nach innen ab.“ Danach konzentrierte er sich aufs Speerwerfen, hält das Gerät immer noch mit einem Zangengriff aus Zeige- und Mittelfinger, um den Daumen nicht zu belasten.

Julian Weber hat eine Bestleistung von 91,51 Meter. Das ist dieses Jahr Weltspitze.
Bei den Würfen nimmt Weber 27 bis 28 Meter Anlauf – das entspricht zwölf Speerlängen. Sein Markenzeichen: Er trippelt mit erhobenem Speer vor dem Loslaufen auf der Stelle. „Da bereite ich mich mental vor, finde diesen Rhythmus der Schritte. Es ist für mich sehr wichtig, in dieses Gefühl reinzukommen.“ Er ist sehr gelenkig, kann sogar Spagat, denn die Belastungen auf die Gelenke beim Wurf sind groß. Das linke Stemmbein muss rund eine Tonne aushalten. Am Fuß trägt er Werferschuhe Größe 45,5.
Bei der WM ist sein Ziel klar: „Ich will eine Medaille.“ Es wäre seine erste, er war 2022 und 2023 je Vierter. Sein Selbstvertrauen ist diesmal groß, weil er sogar bei den 90-Meter-Würfen merkte: „Vieles stimmte, aber selbst die waren technisch noch nicht einmal perfekt. Das gibt mir das gute Gefühl: Ich kann noch weiter werfen. Es muss sich vor allem leicht und gut anfühlen.“

