Als Fifa-Legende war Franck Ribéry (42) während der Klub-WM in den USA vor Ort. Bis zum Ausscheiden des FC Bayern im Viertelfinale gegen PSG (0:2) sah er jedes Spiel seines Ex-Klubs live im Stadion. So litt der Franzose mit, als sich Jamal Musiala (22) in Atlanta bei einem Zweikampf mit Torwart Gianluigi Donnarumma (26) das Wadenbein brach.

Im Gespräch mit SPORT BILD macht Ribéry Musiala Mut: „Er wird sein früheres Niveau wieder erreichen und sogar noch stärker zurückkommen, denn diese Verletzung wird ihn mental weiterbringen. Er muss einfach geduldig sein und sich gut behandeln lassen. Verletzungen gehören nun einmal zum Fußball; natürlich wird es harte Momente geben, in denen er seine Mitspieler spielen sieht und ihnen nicht helfen kann, das wird ihn frustrieren.“

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Ribéry kennt das nur zu gut. 2015 fiel er wegen einer Sprunggelenksverletzung 264 Tage aus. 2008 riss er sich die Syndesmose. Immer wieder kam er zurück und zeigte nicht nur körperliche, sondern auch mentale Widerstandskraft: „Es hat mich noch stärker gemacht, und vor allem habe ich es danach umso mehr geschätzt, wieder auf dem Platz zu stehen.“

Ribéry ist bestens informiert, was bei Bayern passiert. Über Stuttgarts Nick Woltemade (23) sagt er: „Ich habe ihn mit der Nationalelf gegen Portugal gesehen: Was er zeigt, ist vielversprechend. Er ist trotz seiner Größe ein technisch starker Stürmer, ein wertvoller Spielertyp für Deutschland. Sein Profil ist atypisch.“ Und: „Er kommt aus einer sehr guten U21-EM. Wenn der FC Bayern ihn holen könnte, wäre das nur positiv. Der Klub hat schließlich immer ehrgeizige Spieler angezogen, weil der Klub höchste Ansprüche stellt.“

Der Bedarf nach einem weiteren Spieler für das Zentrum ist nach der Musiala-Verletzung groß. Mit Woltemade und Musiala, die beide bevorzugt zentral agieren, würde sich die Frage nach der taktischen Ausrichtung stellen: Seit Ribéry und Arjen Robben (41) zu Bayern kamen, wurde – damals unter Trainer Louis van Gaal (73) – das System mit zwei echten Flügelstürmern etabliert.

„Jahrelang hat der FC Bayern im 4-2-3-1 gespielt. Ich habe viele Jahre zusammen mit Arjen gespielt, dann kamen Kingsley Coman, Serge Gnabry oder auch Douglas Costa – allesamt Flügelspieler von höchster Qualität“, erinnert sich Ribéry und nennt eine Hürde: „Dass alle unsere Nachfolger ständig mit uns verglichen werden, macht es ihnen natürlich schwerer: Sie sind großartige Spieler, man muss ihnen die Chance geben, ihre eigene Geschichte beim Klub zu schreiben. Auch wir sind nur deshalb zu großen Spielern geworden, weil es eine starke Mannschaft gab. Genau das ist entscheidend – die kollektive Stärke, die man ausstrahlt.“

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Dabei warnt Ribéry davor, Gnabry und Coman abzuschreiben: „Beim Champions-League-Sieg 2020 waren Kingsley und Serge auf ihrem höchsten Niveau. Sie müssen dort anknüpfen, um beim FC Bayern den Unterschied auszumachen. Sie haben Qualität und Potenzial, auch wenn die Konkurrenz hart ist. Das sind große Spieler, schnell, stark im Eins-gegen-eins.“

Trotzdem sieht sich Bayern nach einem neuen Linksaußen um. Top-Kandidat ist aktuell Luis Díaz (28) vom FC Liverpool. Ribéry: „Ein Top-Spieler, der bei Liverpool sehr viel Gutes zeigt. Verletzungen haben ihn etwas gebremst, aber er scheint einen starken Charakter zu haben.“ Ribéry weiter: „Heute gibt es sehr viele sehr gute Spieler. Manchmal denke ich mir: ,Wow, was ist denn hier los?‘“ Daher sei auf Top-Niveau nicht allein die Qualität des Einzelnen ausschlaggebend: „Was den Unterschied ausmachen kann, ist die mentale Stärke jedes Einzelnen und der Wille, immer ein besserer, kompletter Spieler zu werden – an seinen Schwächen zu arbeiten und seine Stärken weiterzuentwickeln.“

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