Der Artikel „Klose: Ich spiele bei der WM“ ist am 3. März 2005 bei SPORT BILD erschienen.

Den Anruf vor zwei Wochen hatte Miroslav Klose (31) schon erwartet. Am Apparat war Joachim Löw (50). Der Bundestrainer klingelt öfter mal bei seinem Torjäger durch. Löw zählt Klose zu seinen Leistungsträgern. „Wir haben gemeinsam meine letzten beiden Bayern-Spiele analysiert und über meine Gefühlslage gesprochen“, sagt Klose zu SPORT BILD. „Ich weiß, woran ich in der Nationalelf bin.“

Dass er in der Nationalmannschaft gesetzt ist, sagte Löw ihm nicht. Muss er auch nicht. „Ich habe immer unter Jogi Löw gespielt und gehe davon aus, dass ich auch gegen Argentinien und bei der WM spielen werde“, sagt Klose.

Selbstbewusste Worte, die in der Nationalelf von Zahlen gestützt werden: Sieben Treffer machte Klose in der WM-Qualifikation, er schoss Deutschland fast im Alleingang nach Südafrika. Beim wichtigen 3:3 in Finnland machte die Nummer drei der ewigen DFB-Torjägerliste (48 Tore) alle Treffer, beim entscheidenden Spiel in Russland verwertete er seine einzige Chance zum 1: 0-Sieg. Auch bei der EM 2008 war er an vier von zehn deutschen Toren beteiligt.

Garantien fordert Klose deshalb aber nicht. „Ich will auf dem Platz beweisen, dass ich zu Recht meinen Stammplatz habe.“ Beim FC Bayern bekam zuletzt DFB-Kollege Mario Gomez (24) den Vorzug. Wie Klose bei Löw gesetzt ist, so hat Gomez bei Louis van Gaal (58) die Nase vorn. Klose suchte kürzlich die Aussprache mit dem Bayern-Trainer.

„Es hat ein Gespräch gegeben“, sagt Klose. „Es hat sich für mich bis zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht viel geändert, aber ich werde weiter Gas geben.“ Gomez spielt, Klose wird eingewechselt. Die Joker-Rolle liegt ihm nicht. In dieser Bundesliga-Saison hat er erst einen Treffer und zwei Vorlagen auf dem Konto.

Die Frage, warum es beim DFB für ihn läuft und bei Bayern nicht, ist für ihn schnell beantwortet. „Ich bin grundsätzlich ein Winner-Typ. Wenn ich auf dem Platz stehe, will ich das zeigen“, sagt Klose. „Bei der Nationalelf hatte ich dazu immer die Gelegenheit, bei Bayern eben zuletzt weniger.“

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Quelle: BILD

Für den Bundestrainer kommt Kloses Reservisten-Rolle im Klub nicht ungelegen. Löw baut darauf, dass sein Top-Stürmer zumindest ausgeruht zur WM kommt (siehe Interview Seite 22). Klose selbst sieht das freilich anders: „Ich würde mir trotzdem mehr Spielpraxis bei Bayern wünschen.“

Er baut darauf, dass er in den englischen Wochen, die für Bayern bis zum Saison-Finale anstehen, öfter zum Einsatz kommt. Aber Klose hat auch einen Plan B. Bei der WM-Vorbereitung will er vor allem im ersten Trainingslager auf Sizilien Zusatzschichten schieben. „Während viele nach der langen Saison regenerieren, werde ich dann bereits an meinen Stärken und Schwächen arbeiten“, sagt Klose. „Das werde ich mit den Fitness-Trainern demnächst koordinieren.“

Am Mittwoch dieser Woche wird Klose auf jeden Fall in München zum Einsatz kommen – mit der Nationalelf beim Härtetest gegen Argentinien. Gegen die Südamerikaner erzielte er seinen bislang letzten WM-Treffer. Im Viertelfinale 2006 brachte er Deutschland mit seinem 1:1 in die Verlängerung, der Halbfinal-Einzug gelang schließlich im Elfmeterschießen.

Den Test in München nimmt Klose sehr ernst: „Wir wollen vor der WM noch mal zeigen, dass wir auch gegen die großen Mannschaften gewinnen können“, sagt der Torjäger. Auch er weiß, dass der WM-Triumph über Argentinien der letzte gegen eine der großen Fußball-Nationen im Ernstfall war. Im EM-Finale gegen Spanien setzte es eine verdiente Niederlage (0:1). Geht der Test gegen Argentinien in die Hose, ist es für den 93-maligen Nationalspieler aber kein Beinbruch. „Vor der WM 2006 haben wir noch 1: 4 in Italien verloren“, sagt Klose. „Danach haben wir aber ein starkes Turnier gespielt.“

Er gewann mit fünf Treffern als bester Torschütze den goldenen Schuh. In Südafrika will der Bayer nun endlich den goldenen Pokal. „Mich muss niemand antreiben“, sagt er. „Ich bin bei Weltmeisterschaften bereits Zweiter und Dritter geworden und ehrgeizig genug, dass ich 2010 noch mehr will.“

Das Spielsystem, das der Bundestrainer entworfen hat, gefällt ihm. „Lukas Podolski links hängend, Bastian Schweinsteiger rechts und in der Mitte Mesut Özil“, so umreißt Klose das Mittelfeld. Gerade auf Özil, den virtuosen Passgeber, hält Klose große Stücke: „Diesen Spielertyp hatten wir in den letzten Jahren nicht.“ Als einzige Spitze möchte er von den Zuckerpässen profitieren.

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