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Hier ist Dopen nicht nur möglich. Es ist ausdrücklich erwünscht. Die Enhanced Games verschieben die Grenzen des Erlaubten – und spalten die Sportwelt. An diesem Wochenende (24. Mai) steigen die Enhanced Games in Las Vegas. Ein Wettkampf, bei dem verbotene Substanzen nicht nur geduldet, sondern Teil des Konzepts sind. 42 Athletinnen und Athleten aus aller Welt sind dabei. Auch zwei Deutsche. Was Sie wissen müssen.

Wer steckt dahinter?

Die Idee stammt von Aron D’Souza. Der australische Jurist, Mitte der 1980er Jahre geboren, studierte Rechtswissenschaften in Oxford und gründete neben den Enhanced Games auch ein KI-Tribunal zur Überprüfung von Medienbehauptungen. Sein Antrieb: Er hält das globale Anti-Doping-System für verlogen. 99 Prozent der Sportler griffen ohnehin zu verbotenen Mitteln, behauptet er. Sein Ziel formuliert er ohne Umschweife: Er wolle „eine neue Supermenschheit schaffen“.

Operativ verantwortet Maximilian Martin das Projekt. Der in München geborene Ex-Investmentbanker, der in Deutschland und den USA studierte, hat eigenes Geld investiert. Gegenüber „Forbes“ sagte er: „Ich habe schnell bemerkt, dass Enhanced für mich die aufregendste Firma ist, die ich je gesehen habe.“

Welche Substanzen sind erlaubt?

Gegenüber dem „Deutschen Ärzteblatt“ haben die Veranstalter offengelegt, was den Teilnehmern verabreicht wird: Testosteron-Präparate, anabole Steroide, Erythropoetin, Meldonium, Adderall und Modafinil – alles unter medizinischer Aufsicht. Geleitet wird die Studie Berichten zufolge vom Sheikh Shakhbout Medical Center in Abu Dhabi. Dort bereiteten sich die Athleten auch vor.

Wer selbst Interesse hat: Im Online-Shop der Enhanced Games sind Testosteron und das Wachstumshormon Sermorelin für jeweils sechs Monate bestellbar. Das ist kein Randaspekt, sondern Teil des Geschäftsmodells: D’Souza erklärte dem Schweizer „Tagesanzeiger“, man sei anders als das IOC nicht auf Ticketverkäufe oder Medienrechte angewiesen. Medikamentenentwicklung und -verkauf gehören zum Konzept.

Welche Sportarten stehen auf dem Programm?

Drei Disziplinen: Schwimmen, Leichtathletik, Gewichtheben – letzteres mit einer zusätzlichen Strongman-Kategorie. Im Pool geht es über 50 und 100 Meter in Freistil und Schmetterling. Die Leichtathleten laufen 100 Meter sowie 100 und 110 Meter Hürden. Im Gewichtheben sollen in drei Kategorien Lasten bewältigt werden, die bislang kein Mensch gehoben hat.

Wie viel Geld gibt es zu verdienen?

Gesamtprämie: 25 Millionen US-Dollar. Der Sieger eines Events kassiert 250.000 Dollar. Wer im 100-Meter-Sprint oder über 50 Meter Freistil unter den offiziellen Weltrekorden bleibt, erhält zusätzlich eine Million Dollar.

Wer sind die deutschen Starter?

Der deutsche 100-Meter-Sprinter Michael Bryan (33) wird an den Start gehen. Gegenüber SPORT BILD machte er im Vorfeld kein Hehl daraus, wieso er dort antritt: „Ich bekomme viel mehr Geld als das, was im traditionellen Sport gezahlt wird.“ Und: „Die finanzielle Regelung ist professionell und respektiert den Wert, den die Athleten der Unterhaltungsindustrie bringen. Hier werden wir Athleten als Partner behandelt.“ Dazu ist Marius Kusch, früherer Europameister im Schwimmen, dabei.

Was sagen die Verbände?

Die World Anti-Doping Agency (WADA) hat die geplanten Enhanced Games scharf verurteilt. Das umstrittene Event, bei dem Doping erlaubt sein soll, sei eine Gefahr für junge Menschen weltweit. Die Befürchtung: Das Event könnte Doping unter jungen Athleten fördern.

Dazu stellt der DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund) klar: „Wir lehnen die Enhanced Games ab.“ Wer teilnehme, positioniere sich wissentlich außerhalb der Sportgemeinschaft – und verstoße gegen deutsches Recht.

Lars Mortsiefer von der Nationalen Anti-Doping-Agentur Deutschland fasst zusammen: „Ein Wettbewerb, der gezielt auf den Einsatz von Dopingmitteln setzt, ist ethisch und moralisch absolut verwerflich.“

Was sagen die Veranstalter zu der Kritik?

Ihr Gegenargument: Jugendliche informierten sich über leistungssteigernde Substanzen längst bei unqualifizierten Accounts auf TikTok. Eine offene, transparente Debatte schütze sie besser als das bisherige System. Die Macher fordern außerdem, dass Menschen sicher von Longevity-Medizin profitieren könnten. Die Alternative sei der Graumarkt oder Doping in dunklen Umkleidekabinen.

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