Bei der Beachhandball-EM holten die erfolgsverwöhnten Frauen Bronze (Ende einer Mega-Serie mit allen Titeln seit 2021), die Männer erstmals Gold. Keine Frage: Im Beachhandball sind wir absolute Weltklasse. Aber warum sind ausgerechnet wir die Strand-Nation Nr. 1?
Bei der enorm schnellen Handball-Variante im Sand sind die deutschen Nationalteams absolute Weltspitze. Innerhalb einer Woche gewinnen die DHB-Teams drei Medaillen: Die Männer und die Jungs der U17 holen den Titel, die Frauen werden Dritte und die U17-Girls scheitern nur knapp an den Medaillen, werden Vierte.
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Was macht die Barfuß-Baller so stark?
Bundestrainer Marten Franke (29) zu SPORT BILD: „Einen großen Teil haben wir DHB-Präsident Andreas Michelmann zu verdanken. Als er 2015 gewählt wurde, hat er sich dafür eingesetzt, dass Beachhandball wieder mehr gefördert wird.“
Franke erklärt: „Acht Jahre lang gab es keine Nationalteams, sie wurden dann erst mit seiner Wahl wiederbelebt. Danach wurde auch die erste Deutsche Meisterschaft richtig anerkannt. Dazu hat mein Bundestrainer-Kollege Alexander Novakovic die Corona-Zeit genutzt, die Strukturen zu verbessern, hat regionale Stützpunkte bei den Frauen aufgebaut und dafür gesorgt, dass die Spielerinnen weiter Sporttreiben durften.“
Franke zählt die Gründe weiter auf.
Grund 1: „Wir haben tolle Strukturen geschaffen, weg vom Fun-Sport-Image zum Leistungssport. Fun-Sport darf es auch noch sein, aber wir haben mit Vorurteilen aufgeräumt, werden nicht mehr belächelt. Inzwischen ist Beachhandball auch richtiger Leistungssport, mit Vereinen, die dafür brennen, Nachwuchs ausbilden und die Entwicklung vorantreiben.“
Grund 2: „Wir machen inzwischen eine tolle Nachwuchsarbeit, haben ein Sichtungssystem für 15- bis 18-Jährige. Die dann auch schon große Turniere spielen, wo sie viel Erfahrung sammeln können. Ein Jahr vor der U16-EM fangen wir jetzt schon an, den Jahrgang 2010/11 zu sichten. Der Lohn für unsere Arbeit war jetzt der U17-EM-Titel bei den Jungs und viele von den Jahrgängen davor haben den Sprung zu den Männern bereits geschafft, wie ein Jannis Herr, der schon drei, vier Jahre durch alle Jugend-Auswahlteams ging.“
Grund 3: „Die Ausstattung an Beachplätzen ist gut in Deutschland, es gibt rund 500 Anlagen mit circa 700 Plätzen. Das ist schon eine ziemlich gute Grundlage, noch mehr Nachwuchs für Beachhandball zu begeistern. Nicht alle sind leistungssporttauglich, aber reichen schon für Breitensport. In Deutschland ist es noch so, der Nachwuchs kommt über die Hallenvereine in den Sand. Die Spanierinnen haben uns erzählt, dass bei ihnen viele Spielerinnen im Sand angefangen haben und jetzt den Weg in die Halle gehen, also andersherum.“

Nach fünf Titeln bei WM, EM und World-Games wurde es dieses Mal Platz 3 für die deutschen Frauen
Grund 4: „Die tollen Erfolge der Frauen, die seit 2021 alles abgeräumt haben und jetzt auch wieder eine Medaille mitbringen, sorgen dafür, dass wir auch die nötigen Fördergelder bekommen.“
Und was kann noch besser werden?
Franke: „Die Sichtbarkeit. In Paris waren wir schon Demo-Sportart und hoffen, dass Beachhandball bald olympisch wird. Denn ich bin überzeugt davon, wir können auch dem Hallenhandball helfen. Denn Beachhandball kannst du in allen Ländern spielen, wo ein Strand ist, es muss keine Halle gebaut werden. Damit werden beide Varianten populärer und haben eine Berechtigung im olympischen Programm, wenn sie überall auf der Welt gespielt werden können. Dazu müssen wir vom Beachvolleyball lernen, die Volleyballer veranstalten ihre großen Sand-Turniere in den Städten, sichtbar in der City.“


