Die uralte Floskel, dass Geld keine Tore schießt, ist im Fußball schon lange widerlegt. In der Bundesliga ist der FC Bayern das Maß aller Dinge – auch, weil die Top-Verdiener wie Harry Kane (32) und Jamal Musiala (23) über 20 Millionen Euro pro Jahr verdienen sollen. Gehälter, die kein anderer Verein in Deutschland zahlen kann. Doch wie sieht es im Basketball aus? Wirft Geld auch Körbe? Was verdienen die Stars in der Easycredit Basketball-Bundesliga? Mit welchen Tricks lotsen die Klubs Spieler zu sich? SPORT BILD liefert Antworten im großen Gehaltsreport BBL.
Natürlich liegen auch in der BBL die Bayern vorne. Das sind sogar ganz offizielle Informationen. Denn als einzige große Profiliga hierzulande neben der DFL, legen die Basketballer Gesamtetats und Personalkosten offen. Der FCB führt beide Tabellen mit weitem Abstand an: 48,2 Millionen Euro und 18,03 Mio. Personalkosten sind eine eigene Liga. Alba Berlin folgt auf Rang 2 mit 11,4 Mio. Etat und 4,69 Mio. an Gehältern. Mit Ratiopharm Ulm, den EWE Baskets Oldenburg und den Telekom Baskets Bonn geben noch drei Klubs mehr als drei Millionen jährlich für Personal aus, alle anderen Vereine liegen teils deutlich unter dieser Marke.
Kein Wunder also, dass der FC Bayern gerade als haushoher Favorit durch die Play-offs marschiert. Umso bemerkenswerter aber, dass die BMA365 Bamberg Baskets der größte Widersacher zu sein scheinen. Der Sensations-Pokalsieger hat in dieser Saison mit 1,46 Mio. die geringsten Personalkosten.
Bayerns Andreas Obst ist Top-Verdiener: Der große Gehaltsreport der Basketball-Bundesliga
Klar, dass auch der Top-Verdiener der Liga bei den Bayern spielt. Andreas Obst (29) verlängerte im März bis 2029, soll dabei mit deutlich über einer Million Euro netto zum Spitzenverdiener aufgestiegen sein. Der Welt- und Europameister wird als das Gesicht der FCB-Basketballer aufgebaut, verdrängte in der Gehalts-Tabelle Vladimir Lucic (36) und DBB-Kollege Johannes Voigtmann (33) auf Platz zwei, die rund eine Million im Jahr verdienen sollen. Im krassen Gegensatz dazu stehen die Löhne bei Play-off-Widersacher Bamberg. Dort kommen nur die besten Spieler wie Top-Scorer Ibi Watson (28) überhaupt auf Netto-Jahresgehälter von knapp über 100 000 Euro, der Rest der Mannschaft liegt zwischen 40 000 und 80 000 Euro.
Auch deshalb droht der Pokalsieger nach der Saison auseinanderzubrechen. Finanzstärkere Konkurrenten aus dem Aus- und Inland locken die Shootingstars mit besser dotierten Verträgen. Watson steht vor einem Wechsel zu Ratiopharm Ulm, soll dort für zwei Jahre rund 330 000 Euro netto kassieren.
Begehrt sind besonders die deutschen Spieler, da in der BBL die 6+6-Regel gilt: In einem 12-Mann-Kader müssen mindestens sechs Deutsche stehen. Seit die US-Colleges junge Talente mit teils millionenschweren NIL-Deals (Vermarktung der Persönlichkeitsrechte; d.Red.) locken, ist der Markt an deutschen Profis noch heißer umkämpft. Auch hier schlägt die Konkurrenz in Bamberg zu: Oldenburg stattet Zach Ensminger (25) mit einem Zweijahresvertrag aus, verdoppelt ungefähr sein Gehalt auf rund 110 000 Euro pro Jahr. Auch Moritz Krimmers (25) Vertrag über zwei Jahre in Trier soll dem Power Forward 200 000 Euro netto bringen.
Im Gegensatz zum Fußball, wo meist über Brutto-Gehälter gesprochen wird, werden in der BBL die Gehälter netto miteinander verglichen. Vor allem die US-amerikanischen Spieler wollen von Vereinen und Beratern wissen, was am Ende auf ihrem Konto landet. Grundsätzlich zahlen alle Klubs Netto-Gehälter, die Wohnung des Spielers und stellen ein Auto zur Verfügung. Von Luxus-Schlitten, wie Fußballer sie fahren, können die meisten Basketballer aber nur träumen. Die meisten Vereine haben Deals mit örtlichen Autohäusern.
Um die Gehälter aufzubessern, wird zu vielen Tricks gegriffen, die der steuerliche Rahmen legal hergibt
Bei den Frankfurt Skyliners fahren die Spieler Opel, bei Rasta Vechta Skoda. In der Regel bekommen Singles kleinere Modelle, Familienväter größere Wagen. In Frankfurt geht es vom Kleinwagen Corsa (ab 22 890 Euro UVP) bis zum SUV Grandland (ab 37 990 Euro UVP). Tankkarten gibt es dazu. Wohnungen liegen oft im Bereich bis 1500 Euro Nettomonatsmiete. Die Vereine bieten oft möblierte Appartements mit Standard-Ausstattung, zum Beispiel von Ikea, und WLAN an. Manche Spieler bekommen sogar zwei Wohnungen angeboten – die zweite ist für die Eltern.
Für Spieler aus den USA werden im Normalfall auch zwei Round-Trips, also Hin- und Rückflüge in die Heimat, vertraglich geregelt. Einmal, um während der Saison die Familie besuchen zu können; einmal, um wieder nach Hause zu kommen. Die allermeisten Spieler unterschreiben für eine Saison. Bedeutet auch: Einjahresverträge sind genau genommen Kontrakte über neun oder zehn Monate, zum Beispiel von Anfang/Mitte August bis kurz nach Saisonende. Spieler, die in Deutschland bleiben, melden sich dann in den Monaten ohne Vertrag arbeitssuchend.
Liga-Chef Stefan Holz
Um die Gehälter aufzubessern, wird zu vielen Tricks gegriffen, die der steuerliche Rahmen legal hergibt. Vergünstigtes Essen, Team-Kleidung (vor allem Anzüge) oder die Nutzung von Fitnessstudios oder sogar Golfplätzen sind ebenso keine Seltenheit wie Nebenjobs für die Profis, die dann in ihrer Freizeit noch AGs und Jugendtrainings im Verein leiten. Ein BBL-Verein hat regelmäßig im Vertrag, dass die Kosten für den Führerschein übernommen werden.
BBL-Klubs müssen kreativ sein, weil die ausländische Konkurrenz strukturelle Vorteile hat, Spitzensportlern dort oft mehr Netto vom Brutto bleibt. „Das ist ein Wettbewerbsnachteil. Wir können nicht mit Spanien, Türkei und Griechenland konkurrieren“, sagt Albas Sportdirektor Himar Ojeda. Allein die Gesamtbeiträge für die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft belaufen sich ligaweit auf 9,4 Mio. Euro und sind im europäischen Vergleich sehr hoch. BBL-Chef Stefan Holz (58): „Das ist nach wie vor untragbar und für unsere Klubs ein massiver strategischer Wettbewerbsnachteil. Wir werden gemeinsam mit den anderen deutschen Profiligen weiter fordern, dass dieses unsägliche Thema grundlegend reformiert wird.“
Ein BBL-Profi forderte in den Vertragsverhandlungen einen Fütterungsdienst für sein Aquarium
Das führt dazu, dass es in der BBL auch Profis gibt, die für gerade mal 2000 Euro netto im Monat auflaufen. Klar, dass solche Spieler besonders anfällig für Angebote sind. Malik Parsons (26) kam 2024 als Nobody aus Dänemark nach Frankfurt, spielte für gerade mal rund 40 000 Euro Jahressalär. Er wurde zum Top-Scorer, Maccabi Tel Aviv wollte ihn holen, bot 250 000 Euro Gehalt. Parsons musste in Frankfurt bleiben, wirkte aber im Anschluss, als hätte er mit den Skyliners abgeschlossen. Er wechselte in die Türkei, kam zurück in die BBL und sorgt jetzt mit Rasta Vechta für Furore. Dass er das Angebot aus Israel gerne angenommen hätte, ist für jeden verständlich.
Mit 250 000 Jahresgehalt liegt man in der Spitzengruppe der BBL, wenn man die Bayern ausklammert. Martin Hermannsson (31), Spielmacher bei Alba Berlin und einer der wenigen verbliebenen Euroleague-Spieler, soll in dieser Gehaltsregion liegen und damit Spitzenverdiener der Berliner sein.
Immer wieder erfüllen Vereine auch kuriose Wünsche, um Spieler zur Unterschrift zu bewegen. Damit Profis – besonders Spieler aus dem Ausland – sorglos in einer neuen Stadt leben können, gibt es Klubs, die „Boten-Dienste“ anbieten. Da werden dann regelmäßig Briefkästen bei den Spielern geleert, damit zum Beispiel keine Rechnungen oder Strafzettel unbezahlt bleiben. Ein Spieler, der alleinerziehender Vater war, ließ sich die Kinderbetreuung vertraglich zusichern.
Kein Witz: Auch Tiere sind oftmals Bestandteile der Verhandlungen. Hunde- oder Katzensitter sind keine Seltenheit, stehen oftmals aber nicht im Vertrag, sondern werden vom Verein als Dienst für die Spieler angeboten. Ein Profi hat in den Vertragsverhandlungen gefordert, dass er einen Fütterungsdienst für sein Aquarium mit besonderen Fischen bekommt – hat geklappt.
Spencer Reaves (l.) vom Syntainics MBC hatte ganz spezielle Vertragsforderungen
Spencer Reaves (30) soll nach seiner Top-Saison 2024/25 beim Syntainics MBC über seinen Berater eine ganze Liste mit Forderungen an interessierte Vereine gegeben haben. Darauf soll u. a. ein Golf-Kurs für 1000 Euro gestanden haben. Am Ende unterschrieb er wieder beim MBC. Der klarste Weg, an zusätzliches Geld zu kommen, ist und bleibt sportlicher Erfolg: Jeder Spieler bekommt pro Play-off-Runde rund 1000 bis 2000 Euro zusätzlich. In den Verträgen sind übrigens nicht nur Sonderwünsche geregelt, es gibt von Vereinsseite auch Verbotsklauseln. Laut BBL-Standardkontrakt dürfen die Spieler keine Risikosportarten wie Ski alpin, Snowboard, MMA-Fighting und Boxen betreiben.

