Von den sportlichen Fähigkeiten Yann Aurel Bissecks (24) waren die Profis bei Inter Mailand schnell überzeugt. Ein Problem gab es aber: Wie sollten sie den deutschen Verteidiger rufen? Einen „Yann“ gab es schon, Torwart Yann Sommer (36). „Aurel“ konnten die wenigsten aussprechen. Da wurde aus ihm schlicht „Biss“. Ein passender Rufname für den zweikampfstarken Verteidiger, der beim Stadtbummel mit SPORT BILD durch Mailand von vielen Fans erkannt und angesprochen wird.

„Grande Bisseck“ heißt es dann meist: Nicht nur wegen seiner Körpergröße von 1,96 Metern, sondern weil er die Inter-­Fans schnell begeistern konnte. In der Dreierkette überzeugt er meist auf der rechten Position mit robuster Spielführung und energischen Läufen nach vorne. In der Serie A kassierte das Team von Simone Inzaghi (48) in 27 Spielen erst 25 Gegentore, in der gesamten Champions-League-Vorrunde gar nur einen Gegentreffer.

„Wir trainieren die Defensive sehr viel, der Trainer legt darauf ein großes Augenmerk. Das wissen auch die Mittelfeldspieler und Stürmer, die mit nach hinten arbeiten müssen“, sagt Bisseck: „Das führt dazu, dass jeder eine Menge Stolz in sich trägt, das eigene Tor zu verteidigen. Ein Gegentor ist wie eine Beleidigung – und dagegen wehren wir uns! Ein 1:0 ist für uns daher ein wunderbares Ergebnis.“

Zuletzt lieferte er beim 2:0 im Pokal gegen Lazio wieder eine souveräne Vorstellung ab, stand 90 Minuten auf dem Platz. „Ich war lange, lange nicht auf dem Radar“, erklärt der Mann, der u. a. über Guimarães in Portugal und Aarhus in Dänemark bei Inter landete. „Nun habe ich mich hochgearbeitet. Wichtig ist, dass die Menschen in meinem Umkreis, meine Trainer wissen, was ich leiste. Wie sehr das medial ein Echo findet, ist zweitrangig.“

Bei Bundestrainer Julian Nagelsmann (37) steht er schon länger auf dem Zettel. Nach dem ersten Telefonat über fünfeinhalb Minuten folgten jedoch noch keine weiteren Gespräche. „Seit dem Anruf von Julian Nagelsmann gab es keinen persönlichen Kontakt mehr. Aber schon darüber habe ich mich mega gefreut, das ist ein großes Zeichen des Respekts für mich“, sagt Bisseck: „Meine Hoffnung ist, dass Julian Nagelsmann und sein Team etwas in mir sehen: Dass ich mit meinen Stärken der Nation weiterhelfen kann.“

Im März könnte für ihn ein Traum in Erfüllung gehen: Da die normal gesetzten Nationalspieler Antonio Rüdiger (32/Muskelverletzung) und Robin Koch (28/Schulterverletzung) zuletzt ausfielen, könnten seine Chancen auf eine Nominierung steigen. Dann stehen schließlich die beiden Nations-League-Viertelfinalspiele gegen Italien an (20. und 23. März).

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Quelle: BILD

„Die Theorie ist die eine Sache, die Praxis die andere“, meint Bisseck: „Mein Anspruch und Ziel für die Zukunft ist, dass ich eine wichtige Option für die Nationalmannschaft sein kann, auch wenn alle fit sind. Aber ob das nun kurz- oder erst mittelfristig der Fall sein wird – ich bleibe geduldig.“

Wäre der gebürtige Kölner dabei, könnte sich für ihn der Kreis schließen. Das Hinspiel findet schließlich im San Siro, Inters Heim-Stadion, statt.

Mit 30 Mio. Euro Marktwert bei transfermarkt.de ist Bisseck aktuell der wertvollste deutsche Spieler, der noch nie in die A-Nationalmannschaft berufen wurde. „Die Zahl liest sich auf jeden Fall gut. Aber die Frage ist, wie sehr es mir weiterhilft, meine Ziele zu erreichen“, meint Bisseck: „Am Ende geht’s darum, was ich auf dem Platz abliefere. Aber ich gebe zu: Als Profi weißt du deinen Marktwert natürlich immer!“

In der Champions League ist Inter potenzieller Gegner von Bayern und Leverkusen im Viertelfinale. Zunächst geht es für Lautaro Martínez (27), Hakan Çalhanoglu (31), Bisseck & Co. im Achtelfinale gegen Feyenoord. Das Hinspiel in Rotterdam gewann Inter mit 2:0.

„Wir machen kein Geheimnis daraus: Wir sind ein sehr starkes Team, können es mit jeder Mannschaft aufnehmen. Wir haben defensiv wie offensiv sehr viele Qualitäten“, sagt Bisseck. „Wir wollen und können bis zum Ende dabei sein. Die Leistungsdichte unter den sieben, acht besten Teams Europas im Moment ist aber sehr eng beieinander.“

Wie sieht seine eigene Zukunft aus? Bisseck unterschrieb im vergangenen November vorzeitig bis 2029, speziell Premier-­League-Klubs haben ein Auge auf ihn geworfen. „Wenn ich nicht zu 100 Prozent überzeugt wäre, dass ich für lange Zeit hier spielen will, dann hätte ich nicht verlängert“, meint er: „Wenn man objektiv auf die Landschaft des Fußballs schaut, glaube ich nicht, dass es viele Orte gibt, um besser Fußball zu spielen. Sportlich genauso wie in Bezug auf das Leben hier in Mailand.“ Sein Fazit: „Ich bin jetzt an einer Haltestelle, an der man sehr gerne Zeit verbringt.“

„Grande Bisseck“ hat noch einiges vor …

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