TTS-Player überspringenContinue reading article

Die Handball-Bundesliga macht Pause, auch der beste Spieler der Welt. Keine Spiele, kein Titelkampf, kein Terminstress: Nach einer langen Saison mit Pokalsieg, Vizemeistertitel und bitter verlorenem Champions-League-Finale (34:37 gegen Barcelona) genießt Füchse-Star Mathias Gidsel (27) trotzdem die Sommerpause. Zeit zum Durchatmen. Im Interview spricht der Welthandballer der Füchse Berlin über Glück, Familienpläne, sein Leben nach der Karriere – und warum er trotz aller Erfolge einfach nur als normaler Mathias gesehen werden möchte.

SPORT BILD: Herr Gidsel, sind Sie gerade glücklich?

GIDSEL: Ja, sehr.

Woran merken Sie das?

Wenn wir verloren haben und ich nicht so frustriert und sauer bin, zeigt es mir, dass mein Leben in einer guten Balance ist. Du merkst, du kannst auch ein schönes Leben außerhalb des Sports haben.

Wie lange wollen Sie noch Handball spielen?

Ich hoffe, noch mindestens sechs bis sieben Jahre auf Profiniveau.

Haben Sie Angst vor der Zeit danach?

Nein, kein bisschen. Die Zukunft wird auch cool.

Wie sieht ihre Lebensplanung aus?

Ich habe mit meiner Freundin Katrine die gleichen Träume wie andere junge Menschen. Wir wollen uns irgendwann unsere eigene kleine Familie hier in Berlin aufbauen, nicht nur mit unserem Hund Hermann, sondern auch mit Kindern. Aber wir sind erst 27, genießen jetzt noch unser Abenteuer. Wir wollen später gern Kinder haben, die auch noch sehen, was ihr Vater und ihre Mutter so machen, und die auch verstehen, dass ich mal ein guter Handballer war.

SPORT BILD-Reporterin Ulrike Krieger mit Mathias Gidsel im Gespräch bei einem Puma-Werbedreh zwischen seinen Erinnerungsstücken

Foto: Ulrike Krieger

Können Sie ohne Sport leben?

Ich glaube nicht, er bedeutet schon alles für mich.

Was wollen Sie mal hinterlassen?

Ich möchte nicht als Superstar oder Übermensch in Erinnerung bleiben, sondern als netter, bodenständiger Mensch gesehen werden.

Was ist der Privatperson Mathias Gidsel wichtig im Leben?

Wir alle, wie keiner! Das sagt alles über mich. Ich bin genauso wie alle anderen. Ich bin gut im Handball, aber die Leute, die mir begegnen, sind auch gut in dem, was sie tun, in ihren Berufen. Das macht weder sie noch mich zu etwas Besserem. Ich will, dass die Menschen sehen, dass Superstars auch ganz normal sind, mit normalen Problemen.

Welthandballer Gidsel ganz privat : „Ich habe keine Angst vor der Zeit nach dem Handball“

Die da sind?

Kinder fragen mich oft nach Superkräften. Aber ich habe keine Superkräfte. Ich versuche ihnen zu erklären: Wenn sie mentale oder andere Probleme haben nach einem Spiel, in der Schule oder im Alltag, dann hat dieses Problem auch ein Mathias Gidsel schon gehabt. Das macht es für die Kids vielleicht etwas einfacher, wenn du das von deinem Idol hörst. Das ist mir wichtig im Leben.

In welcher Situation ist der Welthandballer Gidsel auch mal der normale Mensch Mathias?

Ich bin immer Mathias. Außer, wenn ich in der Halle bin. Dann bin ich voll der Handballer. Aber schon nach dem Spiel, wenn ich Autogramme gebe, bin ich wieder der ganz normale Mathias. Da habe ich eigentlich ein gutes Gefühl und eine gute Balance zwischen dem Profisportler und der Privatperson.

Foto: BILD

Ist es Ihnen wichtig, der Beste zu sein?

Ich finde, es ist wichtig, bewusst der Beste zu werden. Dann schauen dir viele Leute dabei zu, wie du das machst. Mir ist dann auch sehr bewusst, was ich plötzlich für eine Verantwortung habe, nicht nur für mein Team, sondern auch für mein Auftreten und meine Haltung vor den Schiedsrichtern und vor allem für die Kinder, die zugucken. Das soll keine Selbstdarstellung, kein Gehabe wie bei einigen Fußballern sein. Ich will zeigen: So kannst du auch sein – ein Profi und ein ganz normaler Mensch. Du kannst echt hart Handball spielen, trotzdem freundlich zu deinem Gegner sein. Eben ein guter Typ auf dem Spielfeld. Ich wollte meine Karriere immer auf meine eigene Art gestalten. Ich wollte nicht einer von vielen sein.

Im Handball sind Sie der Beste. Was können Sie nicht so gut?

Wäsche waschen, kochen und Kuchen backen. Meine Freundin sagt, auch die Wohnung sauber machen könnte ich besser erledigen. Man kann jeden Tag irgendetwas lernen. Das macht mir auch Spaß.

Mathias Gidsel mit seiner Freundin Katrine, zusammen leben sie in Berlin

Foto: privat

Wofür nehmen Sie sich Zeit im Alltag?

Für meine Freunde. Und ich verbringe auch viel Zeit mit meinem Hund Hermann. Den interessieren meine Medaillen und Erfolge nicht. Er mag, wenn ich mit ihm rausgehe. Wenn er mit einem Tennisball spielen kann, ist sein Leben perfekt.

Was würden Sie dem jungen Mathias heute sagen oder raten?

Mach alles nochmal so und akzeptiere, du bist nicht der Beste in allen Sachen. Und wenn mal etwas zu schwierig ist, rufe Hilfe und glaube nicht, du kannst alles allein.

Was war Ihr Traumberuf als Kind?

Handwerker. Ich war gern in der Natur und hätte mir vorstellen können, Häuser zu bauen oder zu renovieren.

Mathias Gidsel (27) mit seinem geliebten Hund Hermann, einem Havaneser

Foto: privat

Was war der beste Handball-Moment in Ihrer Karriere?

Olympia-Gold in Paris.

Was ist das Beste für Sie am Handball?

Es ist eine der coolsten Sportarten der Welt. Ich kann an vielen Orten auf der Welt spielen. Es ist einfach großartig. Wir haben die Möglichkeit, uns auszudrücken, etwas zu sagen, aber gleichzeitig bringen wir auch viele Menschen zusammen, die den Sport ausüben oder ihn beim Zusehen genießen können. Es ist einfach etwas Besonderes, diese Sportart ausüben zu können und ein Teil davon zu sein. Und Handball ist nicht so langweilig wie Fußball, es geht auf keinen Fall 0:0 aus. Das passiert nicht.

Mathias Gidsel als Knirps bei seinen Handball-Anfängen in Dänemark

Foto: privat

Sie haben gerade einen lebenslangen Ausrüster-Vertrag unterzeichnet. Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor?

Mit diesem Puma-Vertrag habe ich auch ja gesagt, ein Teil der Handballwelt zu werden nach meiner Karriere. Wie das dann genau aussieht, weiß ich noch nicht. Ich kann mir aber vorstellen, mit Puma zusammen den Handball weiterzuentwickeln, diesen Sport noch bekannter zu machen. Wir wollen, dass Handball nicht nur ein geiler Sport in Europa, Deutschland und Dänemark ist, sondern in der ganzen Welt.

ttn-36

Get Audible 30-Day Free Trial

As an Amazon Associate, we earn from qualifying purchases.