So kann man sich irren: Noch vor zweieinhalb Wochen beteuerte Arne Slot (47), er habe „jeden Grund zu glauben“, dass er auch in der neuen Saison Trainer des FC Liverpool sein werde. Seit Samstag ist er den Job los – nur ein Jahr nach der berauschenden Premieren-Saison inklusive Meisterfeier vier Spieltage vor Schluss.
Liverpool: Slot scheiterte auch an Bundesliga-Sprüchen
Dabei stolperte Slot nicht nur über Tabellen-Platz fünf, der nur dank Englands 1. Rang im Uefa-Ranking für die Champions-League-Teilnahme reicht. Nicht nur über die 24 Punkte weniger als in der Meistersaison, die insgesamt 20 (!) Pflichtspiel-Niederlagen oder das jeweils frühe Aus mit Zu-null-Pleiten in Ligapokal, FA Cup und Champions League.
Sondern darüber, dass die „Reds“ in der zweiten Spielzeit unter Slot ihre Identität verloren. Klub-Legende Steven Gerrard (46) drückte es so aus: „Über den Großteil der Saison haben wir nicht wie Liverpool ausgesehen.“ Auch wenn die US-Klubbesitzer „FSG“ in ihrem Feuer-Statement zweimal betonten, wie schwer ihnen die Trennung falle: Die Probleme erkannten auch sie. „Für den weiteren Weg des Teams muss ein Richtungswechsel her“, hieß es in der Mitteilung.
Ein Slot-Problem war sein Umgang mit seinen Stars. Während er zu Saisonbeginn noch für das sensible Auftreten nach dem Unfalltod von Stürmerstar Diogo Jota († 28) gelobt wurde, vergriff er sich an anderer Stelle im Ton. Sachliche Kritik vermischte sich nach Informationen von SPORT BILD mit Überheblichkeit und persönlichen Spitzen. Beispiel: Sommer-Zugänge piekste er mit Fragen in der Art von „Hast du die Premier League gewonnen?“ Gegenüber Spielern mit Bundesliga-Vergangenheit fielen in der Analyse sinngemäß Sätze wie: „So kannst du in Deutschland spielen“.
Zur Einordnung: Allein 2025 kamen Florian Wirtz (23), Jeremie Frimpong (25/beide Leverkusen) und Hugo Ekitiké (23/Frankfurt) für zusammen mehr als 250 Mio. Euro Ablöse aus der Bundesliga. Auch die Teamkollegen Konaté, Szoboszlai, Gravenberch oder Endo kamen einst direkt aus Deutschland, Rekordeinkauf Isak spielte für Dortmund. Bei ihnen kamen Slots Worte verständlicherweise nicht gut an.
Unter anderem Florian Wirtz (23, l./vorher Leverkusen) und Hugo Ekitiké (23/Frankfurt) aus der Bundesliga
Während es sportlich bergab ging (u. a. neun von zwölf Spielen im Herbst verloren), festigte sich in der Kabine das Urteil, dass Slots Meisterschaft 2025 vor allem dank der Arbeit von Vorgänger Jürgen Klopp (58/zuvor neun Saisons im Amt) gelang. Jahrelange Leistungsträger wie Mo Salah (33) oder Virgil van Dijk (34) merkten, wie Slot die Ideen ausgingen. Nach vorne wurde Liverpool berechenbar, in der Abwehr immer anfälliger. 53 Liga-Gegentore kassierte der stolze Klub seit den 1990ern nicht mehr. Viele fielen zu einfach nach langen Bällen oder Standards, gleich sieben in der Nachspielzeit.
Die zwischenzeitliche Rückkehr zur Fünferkette glich einer Bankrott-Erklärung. Beim 1:1 gegen Chelsea Anfang Mai brachen auch die Fans mit dem Coach und buhten mehrmals während der Partie. Der im Krach mit Slot scheidende Superstar Salah sagte zu seinem Abschied, dass Liverpool zurück zum „Heavy-Metal-Fußball“ der Klopp-Ära müsse.
Für den steht wiederum Andoni Iraola (43). Der Spanier wurde mit Liga-Konkurrent Bournemouth sensationell Liga-Sechster, lässt seinen Vertrag aber in der Sommerpause auslaufen. Sein direktes Spiel nach vorne und die intensive Mann-gegen-Mann-Verteidigung könnten Liverpool wieder sein altes Gesicht geben.
Gutes Omen: Sportdirektor Richard Hughes (46) lotste ihn auf seiner vorherigen Station bereits nach Bournemouth. Für ihn und Fußball-CEO Michael Edwards (46) geht es jetzt auch um die eigene Zukunft. Beide traten 2024 ihr Amt an, um nach dem Ende von Klopp, der als Trainer ungekannte Transfermacht hatte, dem Klub das Ruder in der Kaderplanung zurückzugeben. Denn wie Slot wird auch sein Nachfolger bei Transfer-Entscheidungen zwar zurate gezogen, aber nicht das letzte Wort haben.
Genau diese Vorgabe ist auch der Grund, warum Klub-Legende Xabi Alonso (44) den Posten gar nicht haben wollte und inzwischen bei Chelsea unterschrieb. In London bekommt er eine Art Transfer-Alleinherrschaft, die ihm bei Ex-Klub Real Madrid fehlte. Dort scheiterte er unter anderem daran, dass er die gewünschten Zugänge in Mittelfeld und Angriff nicht bekam.
Bedeutet für Liverpool: Schafft es der Neue nicht, den Superstar-Kader wieder auf Top-Niveau zu bringen, stehen auch Hughes und Edwards im Fokus. Bei beiden läuft der Vertrag am Ende der kommenden Saison aus. An Hughes gibt es großes Interesse von Top-Klubs aus Saudi-Arabien.

