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Die Vereinsfarben passen derzeit zum Klub. Mal ist die BVB-Welt gelb wie die Sonne, mal ist sie schwarz wie ein Starkregen-Tag. Soll heißen: Mal überzeugt die Mannschaft, dann enttäuscht sie wieder. Die Verantwortlichen machen keinen Hehl daraus, dass auch aus ihrer Sicht einige Dinge verbessert werden müssen. Worum es dabei genau geht, erklärt SPORT BILD in sieben provokanten Thesen.

Der Kovac-Fußball passt nicht zum BVB!

In 53 Prozent der Liga-Spiele in dieser Saison blieb der BVB ohne Gegentor – zusammen mit PSG der Bestwert in Europas Top-Ligen. Aber: Viele Auftritte, wie zum Beispiel das 3:2 gegen St. Pauli oder das 0:2 in der Champions League gegen Tottenham, waren spielerische Magerkost. Die Verantwortlichen, die seit Monaten vor allem auf die guten Ergebnisse in der Liga verweisen, haben diese Problematik auch erkannt – und intern klar angesprochen. Mit Trainer Niko Kovac (54) gibt es einen regen Austausch über diese Spielweise. Die Wünsche der Vereinsführung: Der BVB soll mehr Tore schießen, attraktiver spielen – und Spiele klarer gewinnen. Kovac hat ihnen in all diesen Punkten zugestimmt. Der Kroate wird nun auch da­ran gemessen, ob er diese Forderungen umsetzen kann. Vor allem mit Sport-Geschäftsführer Lars Ricken (49) und Klub-Berater Matthias Sammer (58) hat er zwei prominente Fürsprecher, die diesen Weg ohne Zweifel mit ihm gehen wollen. Die Zahlen in der Liga sprechen in beeindruckender Weise für ihn: Kovac, seit 33 Liga-Spielen im Amt, hat in der Zeit 70 Punkte eingefahren. Ein sensationeller Schnitt, der ohne die Bayern fast immer für die Meisterschaft reichen würde.

Trainer Niko Kovac (54)

Foto: Soeren Stache/dpa

Das Verkaufsmodell des BVB ist kaputt!

Die Borussia verkaufte in den vergangenen Jahren vor allem Flügelspieler für viel Geld, im vergangenen Sommer Jamie Gittens (21) für rund 65 Mio. Euro zu Chelsea. Im Sommer wird das nur schwer möglich sein, weil der BVB quasi keine Flügelspieler mehr hat. Es war der klare Wunsch von Kovac, auf ein System zu setzen, in dem es die klassischen „Winger“, wie sie auf Neudeutsch heißen, nicht mehr gibt. Diese Entscheidungen hatte er zuvor gemeinsam mit der Mannschaft getroffen. Die Bosse akzeptierten diese Entscheidung. Auch aus dem Grund, weil zwei neue Flügelspieler, die es im vergangenen Sommer gebraucht hätte, sehr viel Geld gekostet hätten. Eine Entscheidung für immer? Keinesfalls. Gegen Ende der Saison soll es intern eine Diskussion darüber geben, ob man dem BVB-Spiel wieder Flügel verleiht.

Viele Spieler sind zu satt!

Wenn in der Bundesliga jedes Spiel nach 45 Minuten beendet wäre, der BVB stünde vor dem Gewinn der Meisterschaft. In dieser Wertung ist die Borussia Spitzenreiter – vier Punkte vor dem FC Bayern. Doch zu häufig bricht das Team im zweiten Durchgang ein. Hinzu kommt: Zu viele vermeintliche Leistungsträger unterliegen zu starken Leistungsschwankungen, dazu gehört in der Rückrunde auch zweifelsfrei Karim Adeyemi (24/Vertrag bis 2027). Der BVB bleibt dennoch bei seiner Haltung: Der Vertrag mit dem Offensiv-Spieler soll verlängert werden. Nach SPORT BILD-Infos hat der Nationalspieler ein konkretes Angebot vorliegen. Darin haben die Bosse noch auf eine Ausstiegsklausel verzichtet, die sich das Management des Spielers aber wünscht. Unterschreibt Adeyemi nur mit einer Exit-Option, sind die Bosse bereit einzulenken.

Karim Adeyemi (24)

Karim Adeyemi (24)

Foto: UEFA via Getty Images

Die Qualität reicht auf einigen Positionen nicht aus!

In vielen Spielen stoßen einige Spieler immer wieder an ihre Grenzen, vor allem in der Champions League. Auch Werte aus der Liga zeigen, dass der BVB nicht auf jeder Position meisterlich aufgestellt ist. Beispiele: Daniel Svensson (23), der auch wegen mangelnder Alternativen fast dauerhaft als linker „Schienenspieler“ zum Einsatz kommt, ist Dortmunds stärkster Sprinter, doch das Resultat ist ausbaufähig. Von seinen 28 Flanken wurde keine einzige verwertet. Bislang gelang ihm nur eine Torvorlage. Jobe Bellingham (20): Er war bislang erst an zwei Toren und zehn Torschüssen beteiligt. Ähnlich bei Carney Chukwuemeka (22): Er erzielte zwei Treffer, lieferte aber lediglich acht Torschuss-Vorlagen. Oder Maximilian Beier (23), der beim 3:0-Sieg bei Union Berlin zwar sein sechstes Saisontor erzielte, mit 39 Prozent jedoch eine ganz schwache Zweikampfquote und dadurch zu wenig Einfluss auf das Spiel hat.

Das Jugend-Versprechen wurde nicht eingehalten!

Beim Liga-Primus FC Bayern feierten in dieser Saison bereits fünf Talente ihr Debüt: Lennart Karl (17), Wisdom Mike (17), Cassiano Kiala (17), David Santos Daiber (19) und Felipe Chávez (18). Beim BVB war es mit Filippo Mané (20) nur ein Nachwuchsspieler – der zwischenzeitlich zurück zur U23 (Regionalliga) abgeschoben wurde. Dabei haben die Dortmunder einige Juwele auf Lager: Samuele Inácio (17), Torschützenkönig und bester Spieler der U17-EM, Mathis Albert (16), der für die U19 in dieser Saison elf Tore und neun Torvorlagen in 20 Spielen lieferte, Mussa Kaba (17), der von halb Europa gejagt wird, Enzo Duarte (17), der schon luxemburgischer A-Nationalspieler ist, oder auch Luca Reggiani (18), Kapitän der italienischen U18-Auswahl.

Doch Kovac’ Devise ist klar: Er stellt die auf, die den Erfolg im einzelnen Spiel am wahrscheinlichsten machen. Nicht die, die ihren Marktwert steigern können. Es gilt einzig und allein das Leistungsprinzip. Da war es wenig hilfreich, dass der Trainer mit zwei Talenten schlechte Erfahrungen machte: Cole Campbell (19), der u.a. durch zur Schau getragene teure Autos, Uhren und Taschen in Ungnade gefallen war und der mittlerweile an Hoffenheim verliehen ist, und Julien Duranville (19), der mehrfach zu spät am Trainingsgelände erschien und bei Terminen mit Physiotherapeuten unentschuldigt fehlte. Auch er ist mittlerweile verliehen (FC Basel). Die Devise der Bosse ist jedoch klar: Die Talente müssen mehr Spielzeit bekommen. Das haben sie Kovac auch in dieser Form mitgeteilt.

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Quelle: BILD

Die Mannschaft ist überbezahlt!

Rund 200 Millionen Euro gibt der BVB jährlich für den Lizenzbereich aus. Gehälter, die deutlich über fünf Millionen liegen, gehören beim BVB zur Normalität. Was zur Folge hat, dass die Kosten für den Kader ohne Transferüberschüsse kaum gedeckt werden können. Nimmt der BVB in einem Jahr keine hohen Millionensummen für Abgänge ein, entsteht automatisch ein strukturelles Defizit von rund zwanzig Millionen. Daher sind die Bosse quasi gezwungen, auch im kommenden Sommer einen Leistungsträger zu Geld zu machen, um selbst ein ordentliches Transfer-Budget zu haben. Ein Kandidat wäre etwa Felix Nmecha (25), auf den u.a. Man United und Tottenham schielen.

Beim BVB reden zu viele Bosse mit!

Es ist eine lange Schleife, die bei Transfers eingehalten werden muss: Scouting-Abteilung, Sportdirektor Sebastian Kehl (45), Sport-Geschäftsführer Ricken, Trainer Kovac, Berater Sammer. Hinzu kommen weitere Mitarbeiter wie die zwei persönlichen Assistenten von Kehl oder Dortmunds Verhandlungs-Experte Simon Rödder (31), der im Sommer von Ricken eingestellt wurde. Rödder war unter anderem in die Verhandlungen mit Chelsea involviert, als es um die Leihe von Aarón Anselmino (20) ging. Er reiste sogar eigens nach London, um vor Ort den Vertrag auszuhandeln. Dass Anselmino dank Rückhol-Klausel zuletzt vorzeitig zu Chelsea zurückkehren musste, wird in Teilen des Klubs als fatale Fehleinschätzung in den Verhandlungen angesehen. Der Spieler dürfte es ähnlich sehen. Der Argentinier weinte bei seiner Verabschiedung am Montag.

Die BVB-Bosse Sebastian Kehl und Lars Ricken (r.)

Die BVB-Bosse Sebastian Kehl und Lars Ricken (r.)

Foto: picture alliance / Rene Traut Fotografie

So ist es zu erklären, dass viele verheißungsvolle Transfers scheiterten, weil eine Person ihr Veto einlegte. Mit Dean Huijsen (20) etwa verhandelte Kehl 2024 konkret über einen Wechsel, wurde dann von Ricken und dem damaligen Kaderplaner Sven Mislintat (53) überstimmt. Heute ist der Innenverteidiger Stammspieler bei Real Madrid. Sein Marktwert ist seit 2024 von zehn auf 70 Millionen gestiegen.

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