Er kam als Topstar aus der NBA nach München, doch nach fünf Spielen in der BBL und elf in der Euroleague ist er schon wieder weg: Spencer Dinwiddie (32). Familiäre Gründe zwangen ihn zur Rückkehr in die USA, wie die Bayern-Basketballer offiziell mitteilten. Allerdings verzichtete der BBL-Meister darauf, auf Dinwiddie zu warten – und löste den Vertrag auf. Als Ersatz holte man den Nordmazedonier Nenad Dimitrijevic (27).
In der BBL kam Dinwiddie auf einen Schnitt von 13 Punkten und 3,6 Assists pro Spiel, in der Euroleague auf 11,7 Punkte und 2,9 Assists. Das sind gute Statistiken, aber keine überragenden. Zum Vergleich: Carsen Edwards (27) machte vergangene Saison für Bayern in der Euroleague im Schnitt 20,4 Punkte.
Spencer Dinwiddie und Bayern Basketball – am Ende ein großes Missverständnis
„Ich fand seine Leistungen ganz in Ordnung, besonders für einen Spieler, der ewig lange in der NBA gespielt hat und sich an ein neues System gewöhnen musste“, sagt Dyn-Experte und Rekordnationalspieler Patrick Femerling (50). „Aber ich weiß nicht, ob er der richtige Mann für die Rolle war, die Bayern besetzen wollte. Die Strippen ziehen und alle Entscheidungen treffen, diese Rolle war für ihn ungewohnt. Er war in der NBA ein super Teamspieler, der auch scoren konnte, aber vor allem die Sachen gemacht hat, die die Superstars nicht gemacht haben.“
Ex-Trainer Gordon Herbert (66), der kurz vor Weihnachten gehen musste, setzte Dinwiddie im Wechsel auf den Positionen Point Guard und Shooting Guard ein – auch das spiegelte Dinwiddies unklare Rolle wider. „In Europa ist Basketball noch mal einen Tick tougher und schmuddelig. Und hier geht es in jedem Spiel um alles, anders als in der regulären Saison in der NBA. Das war für ihn ungewohnt“, sagt Femerling. Die Folge war, dass sich Dinwiddie zu unnötigen Fouls hinreißen ließ und mit den Schiedsrichtern diskutierte. Als Trainer-Urgestein Svetislav Pešić (76) bei den Bayern übernahm, gab er Dinwiddie gegen Hapoel Tel Aviv (72:82) nur neun Minuten Einsatzzeit. Zwischendurch erklärte Pesic seinem Starspieler gestenreich, was er von ihm erwartet. Zu einem weiteren Dinwiddie-Spiel im Bayern-Trikot kam es nicht.
Aus der Eistonne!: Kult-Interview von BBL-Glamour-Paar
Seit Dinwiddie und Weltmeister-Trainer Herbert weg sind, läuft es für Bayern. Nach dem 72:82 gegen Tel Aviv gab es in der Euroleague Siege gegen Maccabi Tel Aviv (95:71) und Baskonia (96:89). In der BBL feierte man fünf klare Siege in Frankfurt (97:69), gegen Trier (94:83), in Rostock (85:67) und Braunschweig (91:62) sowie gegen Bonn (66:63). Unangefochten thront der Liga-Krösus an der Tabellenspitze. In der Euroleague liegt Bayern mit sieben Siegen und 14 Niederlagen auf Platz 17. Femerling: „Ich bin mir sicher, dass Sveti auch da noch etwas herauskitzelt.“


