13 Jahre tingelte Tibor Pleiß (36) durch die große Basketball-Welt. Von der NBA über diverse Top-Teams in Europa. Jetzt ist der zweifache Euroleague-Sieger zurück in der Easycredit BBL.

Und wie! 4928 Tage nach seinem letzten Bundesliga-Spiel feierte der Ex-Nationalspieler mit Rasta Vechta einen Traum-Einstand. Der Kleinstadt-Klub schlug im ersten Spiel nach der Länderspielpause das Schlusslicht Veolia Towers Hamburg nach einem irren 2:35-Stunden-Marathon nach Verlängerung mit 97:95 (31:34/81:81).

Bitter für die Türme: Denn so nah am ersten Sieg waren sie diese Saison noch nie. Trotzdem kassierten sie am Ende saisonübergreifend die 23. Pleite in Serie.

Weil ein Mann das Spiel seines Lebens ablieferte: Tevon Brown (27)! Der Ami machte sage und schreibe 46 Punkte – und davon 43 (!) in der zweiten Hälfte. Persönlicher Rekord! Rasta-Rekord! Wahnsinn!

„Ich glaube, wir haben den Fans eine gute Show geboten“, sagte Pleiß im Dyn-Interview. „Aber ich glaube, man hätte es sich leichter machen können. Es macht Spaß. Es ist schön, wieder da zu sein. Es war einfach Freude, wieder den Ball in der Hand zu haben und Teil einer Mannschaft zu sein.“ Dann dankte er seinem Vater, der die letzten Wochen mit ihm in Köln trainiert hatte.

Das Nord-Derby stand im Zeichen der Neuzugänge. Denn die Towers hatten am Donnerstag ebenfalls noch mal personell nachgelegt und den nur 1,78 Meter „großen“ Ross Williams (25) als Top-Scorer des tschechischen Erstligisten Brno verpflichtet. Weil das Team nach der EuroCup-Klatsche am Freitag in Manresa/Spanien direkt nach Vechta gereist war, fuhr Williams im Auto hinterher. Und wurde von Trainer Benka Barloschky (37) nach einem halben Tag im Kreis der Mannschaft und ohne Training sofort reingeworfen.

Foto: BILD

Nach hektischem Beginn kamen die Hamburger mit Williams’ Einwechslung in der sechsten Minute besser ins Spiel, führten nach 20 Minuten verdient mit 34:31! Und das, obwohl sie bis dahin alle 15 (!) Dreierversuche neben den Korb warfen. Der wuselige Williams machte bis zur Pause 11 seiner 22 Punkte und biss sich in der Defensive wie ein Terrier an seinen größeren Gegnern fest.

Aber auch der Einstand des 40 Zentimeter größeren Pleiß war vielversprechend. Noch wichtiger als seine sieben Punkte war die defensive Präsenz und Ruhe, die der Routinier ausstrahlte. Nach seinen ersten gelungenen Aktionen konnte sich der Veteran das Grinsen nicht verkneifen. Dass sein Team zur Pause trotzdem hintenlag, hatte die Ursache im Fehlen von Spielgestalter Tommy Kuhse (27/Oberschenkel). Trainer Christian Held (37) bei Dyn: „Wir müssen mit ein bisschen mehr Energie und ein bisschen weniger Nachdenken spielen.“

Im dritten Viertel ging dabei Alonzo Verge (27) voran. Der Ami stellte sich provozierend ins Huddle der Gäste und zettelte damit eine Schubserei mit Osaro Rich (27) an. Auch der Rest der Mannschaft zog an – und setzte sich auf 51:44 ab (27.). Bislang waren die Hamburger in solchen Phasen regelmäßig auseinandergefallen.

Mitspieler besorgt: Basketball-Profi verletzt sich mitten im Spiel

Quelle: FIBA

Doch dieses Mal wehrten sie sich – und kamen durch zwei Dreier von Jared Grey (20) noch mal auf 54:54 ran. Aber Vechta hatte ja Brown, der mit zwei weiteren Dreiern konterte. So ging es mit einer 60:56-Führung in den Schlussabschnitt.

Da starteten die Towers mit zwei Ballverlusten. Nach nur 38 Sekunden musste Barloschky die erste Auszeit nehmen. Doch auch das konnte den Lauf nicht brechen. Denn Rekord-Brown traf wie im Rausch. Hinterher blieb er dennoch bescheiden: „Seit ich 14 war, habe ich nicht so viele Punkte gemacht. Es hat sich wirklich gut angefühlt. Und die Jungs haben einen guten Job dabei gemacht, mir den Ball zu geben. Lob an sie.“

Aber Hamburg zeigte große Moral, steckte nie auf – und erzwang mit der Schlusssirene durch Martin Breunig (33) zum ersten Mal in der Saison eine Verlängerung. Kapitän Benedikt Turudic (28) fast trotzig: „Man sieht, dass wir hart arbeiten, dass wir wollen, dass wir nicht aufgeben und dass der Sieg auf jeden Fall bald kommen wird.“

Die Towers reisen direkt weiter zum Auswärtsspiel am Dienstag bei Hapoel Jerusalem (19 Uhr, Magenta Sport). Sie sind damit das erste europäische Basketball-Team, das seit dem Terror-Überfall der Hamas wieder in Israel zu Gast ist.

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