Was für ein WM-Auftakt für den Iran! Die Mannschaft, die sich als erstes Team sportlich für die Fußball-WM qualifiziert hatte, holt beim 2:2 gegen Neuseeland einen Punkt – in einem Spiel, das weit mehr war als nur Fußball.
Denn bis kurz vor Turnierbeginn war sogar unklar, ob der Iran überhaupt teilnehmen kann. Der Grund: der Krieg zwischen dem Iran und Gastgeber USA, der Ende Februar begann und erst vor Kurzem mit einem „Deal“ zwischen beiden Ländern beendet wurde.
Die Folgen sind bis heute spürbar. Das Team Melli darf die US-Grenze nur zu seinen Spielen überqueren, das Mannschaftsquartier wurde deshalb kurzfristig nach Mexiko verlegt. Mehr als ein Dutzend iranischer Funktionäre darf nicht in die USA einreisen, auch das Ticket-Kontingent für Fans aus dem Iran wurde gestrichen. Trainer Amir Ghalenoei betont: „Wir sind hier, um Fußball zu spielen. Wir sind keine politischen Figuren.“
Auf dem Platz erwischt Neuseeland den besseren Start. Nach einer starken Kombination über Premier-League-Stürmer Chris Wood von Nottingham Forest und Sarpreet Singh trifft Elijah Just bereits in der 7. Minute zum 1:0.
2:2 gegen Neuseeland: Iran-Party bei „Heimspiel“ in L.A.
Der Iran antwortet. Mehdi Taremi von Olympiakos Piräus knallt den Ball in der 23. Minute aus 17 Metern an den Pfosten. Neun Minuten später fällt der verdiente Ausgleich: Ramin Rezaeian schiebt den Ball aus vier Metern mit dem Außenrist zum 1:1 ins Netz.
Kurz vor der Pause jubelt der Iran erneut. Ali Nemati trifft in der Nachspielzeit, doch der Treffer wird wegen einer klaren Abseitsstellung aberkannt.
Auch nach dem Seitenwechsel bleibt das Spiel turbulent. Wieder sind Singh und Wood beteiligt, wieder vollendet Elijah Just. Der Angreifer vom schottischen FC Motherwell lupft den Ball in der 55. Minute sehenswert zum 2:1 für Neuseeland ins Tor.
Fast im Gegenzug fällt beinahe das 2:2. Saman Ghoddos kommt aus kurzer Distanz zum Abschluss, scheitert aber an Torwart Max Crocombe.
In der 64. Minute ist es dann so weit. Mohammad Mohebi köpft aus sieben Metern zum Ausgleich ein und feiert seinen Treffer mit einem auffälligen Pistolero-Jubel.
WM-Sensation ändert alles: Wird der Spanien-Schreck jetzt Millionär?
Für den Iran fühlt sich die Partie fast wie ein Heimspiel an. In Los Angeles lebt die größte iranische Gemeinde außerhalb der Heimat. Während der Hymne sind vereinzelt Pfiffe zu hören, die Spieler singen diesmal aber mit. Von den Rängen gibt es bei fast jedem iranischen Angriff laute Reaktionen, immer wieder schallen Iran-Sprechchöre durch das SoFi Stadium, das mit Baukosten von fast fünf Milliarden Dollar als teuerste Arena der Welt gilt.
Noch eine Kuriosität am Rande: Nicht nur Iran und Neuseeland trennten sich unentschieden. Auch Belgien und Ägypten spielten in Gruppe G 1:1. Damit endeten alle WM-Partien am Montag und in der Nacht zu Dienstag deutscher Zeit ohne Sieger. Auch Spanien gegen Kap Verde und Saudi-Arabien gegen Uruguay endeten mit einem Remis.

