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„Meine Bayern“ heißt die Kolumne von SPORT BILD-Reporter-Legende Raimund Hinko, die sich mit dem deutschen Rekordmeister befasst. Hinko begleitet den FC Bayern seit Jahrzehnten.

Liebe Bayern- und Nationalelf-Sympathisanten,

für die hartnäckigen Fans unter Euch gilt sowieso der Spruch: „Was scheren mich Katz und Kind, Hauptsache der FC Bayern gewinnt.“

Nein, wollen wir nicht übertreiben. Klar ist doch, dass ihr mit den Deutschen fiebert, erst recht nach dem 7:1 gegen Curacao, dass ihr für Deutschland schreit, weil sowieso die Hälfte – mindestens – das Bayern-Trikot trägt. Weil mit Linksverteidiger Nathaniel Brown (Sportvorstand Max Eberl führte erfolgreiche Transfergespräche) praktisch schon ein sechster, mit Torwart Jonas Urbig, der als Trainingspartner mit zum Team gehört, ein siebter Bayernspieler dabei ist, mit U21-Kapitän Tom Bischof ein achter haarscharf an der Nominierung vorbeischrammte. Wo doch allein schon das Temperament von Kapitän Joshua Kimmich, dem lautesten Hymnensänger der WM, reicht, das ganze Team mitzureißen. Nur Harry Kane, den besten Strafstoßschützen der Welt, habe ich kurz vor der Halbzeit beim Elfer-Pfiff schmerzlich vermisst. Wo wir doch Kai Havertz von Arsenal haben, ebenfalls einen fast unfehlbaren Schützen, dessen schon so gut wie perfekter Transfer zu Bayern 2019 am heftigen Widerstand von Bayer Leverkusen scheiterte.

Witzig in dem Zusammenhang ist, dass mit Felix Nmecha und Nico Schlotterbeck zwei Dortmunder für das wichtige 1:0 und 2:1 sorgten. Auch die beiden standen zuletzt wochenlang mit Bayern in Verbindung, Sky-Experte Didi Hamann forderte Nmecha vehement, für den BILD-Kolumnisten Lothar Matthäus („Lothar legt los“) wird er ein Star der WM.

Marokkos Ismael Saibari traf gegen Brasilien

Foto: Getty Images

Brown, der auch noch ein herrliches Tor schoss und damit Begehrlichkeiten in England weckt, wird nicht der einzige WM-Teilnehmer sein, den Bayern kauft. In fast jeder Mannschaft steckt noch ein bisschen rotes Trikot drin. Wenn ich nur an Marokkos Ismael Saibari denke, der in seinem roten Marokko-Trikot dieses künstlerische 1:0 gegen Brasilien schoss. Was trägt er – noch – bei Feyenoord Rotterdam? Klar doch … rot! Mit dem Toreschießen kann er übrigens gern wieder aufhören. Zu viel Star macht zu viel Ablöse. Doch da wären dann noch viele andere, die Bayern geil finden. Wie den Belgier Charles De Ketelaere von Atalanta Bergamo, der wie Saibari dafür zuständig ist, dass die Kiste der Gegner voll wird. De Ketelaere – ein Belgier übrigens, wie Trainer Vincent Kompany. Von dort kommen fast immer Gute. Saibari ist übrigens in Belgien aufgewachsen.

Voll gut finde ich auch, wie sich Jamal Musiala immer mehr seiner Form nähert, die er vor seiner schweren Verletzung hatte, nicht nur beim Kunstschuss zum 4:1. Fast skandalös fand ich dagegen, dass sich seine Gegner wieder an ihm austoben können, sodass ihn Bundestrainer Julian Nagelsmann vorzeitig vom Platz nahm. Musiala sich immer wieder an die Wade langte, wo vor einem Jahr nach dem harten Einsteigen von Torwart Gianluigi Donnarumma, damals Arsenal, heute ManCity, der offene Bruch passierte. Der Bruch sitzt leider im Hinterkopf – unaustreibbar.

Jamal Musiala (r.) wurde von den Curacao-Spielern immer wieder hart angegangen

Foto: Federico Gambarini/dpa

Man kann nur hoffen, dass die Schiedsrichter Musiala radikal schützen, dass er nicht den bitteren Weg von Mehmet Scholl geht, der 2007 seine Karriere, zermürbt von den Tritten der Gegner, beenden musste. Seine Dribblings, seine Pässe hatten Bayern so gutgetan.

Übrigens: Von Manuel Neuer, dem Torwart-Gott, ist heute an dieser Stelle mal nicht die Rede. Wo er jetzt wochenlang alle Themen überlagert hat. Schön, dass er mit 40 sein Comeback für Deutschland feiern durfte. Für das Gegentor kann er nun wirklich nichts, nachdem Kimmich den Ball zum 1:1 abgefälscht hatte. Vor Neuer wächst scheinbar Großes heran. Ein 7:1 ist, egal gegen welchen Gegner, ein gutes Zeichen. Für Deutschland, für die Bayern.

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