Riesen-Jubel in Trier! Der Sensationsaufsteiger holt sich (zumindest über Nacht) die Tabellenführung der Easycredit Basketball Bundesliga vom FC Bayern zurück.
Die Vet-Concept Gladiators schlugen in einem Nerven-Krimi die Telekom Baskets Bonn nach Verlängerung mit 102:98 (45:44/89:89) und haben nach zehn Spieltagen nun schon acht Siege auf dem Konto. Zehn Siege reichen normalerweise für den Klassenerhalt.
Doch das war nicht die einzige gute Nachricht beim letzten Heimspiel des Jahres. Denn vor dem ersten Sprungball gegen das Team aus seiner alten Heimat ergriff Trier-Trainer Jacques Schneider (33) das Hallen-Mikrofon und verkündete über den Lärm der Bonner Fans hinweg: „Ich habe mich entschieden, meinen Vertrag mit den Gladiators frühzeitig zu verlängern.“
Schneider war 2023 an die Mosel gewechselt und hatte die Mannschaft zurück in die Bundesliga geführt. Nun bleibt er zwei weitere Jahre bis 2028!
Im Interview bei Dyn begründete der jüngste Trainer der BBL seinen Schritt: „Es ist ein Zeitpunkt, wo wir auch zeigen wollen, dass wir hier Kontinuität reinbringen wollen in den ganzen Verein, in unsere Mannschaft.“
Dann wurde es emotional: „Mein Traum war es immer, in der BBL Coach zu werden. Den habe ich mir erfüllt, an einem ganz besonderen Ort, der noch sehr viel Perspektive hat. Und ich glaube, Trier kann noch viel mehr. Es werden auch mal ein paar Tiefen kommen, das ist vorprogrammiert, dafür ist die BBL zu kompetitiv. Aber ich glaube, dass ich mich hier als Coach weiterentwickeln kann. Ich glaube, dass ich dem Programm und der Stadt noch viel geben kann und auch den Spielern, die wir im Kader haben. Und wenn ich als Erster vorweggehe und zeige: ‚Ey, ich bin hier committet‘, dann ist das, glaube ich, ein gutes Zeichen.“
Wie sehr die Mannschaft ihrem Übungsleiter folgt, zeigte sich auch in der engen Partie gegen den Nachbarn. Sechs Sekunden vor Ende der Verlängerung verwarf Bonns Topscorer Grayson Murphy (24 Punkte) den Dreier zum Ausgleich – im Gegenzug verwandelte „Gladiator“ Marten Linßen einen Freiwurf zum 102:98-Sieg. Bester Trierer war Jordan Roland mit 19 Punkten, 5 Rebounds und 5 Assists.
Schneider: „Derbys sind etwas ganz Besonderes, das haben unser Team und die Fans heute gezeigt. Wir hatten heute das richtige Mindset und haben im Spiel die richtigen Anpassungen gebracht. Gerade in der zweiten Halbzeit hatten wir defensiv besseren Zugriff und haben den Ball offensiv gut bewegt. Es war ein typisches Basketballspiel mit vielen Höhen und Tiefen, wir haben uns heute nicht aufgegeben und uns als Team mit dem Sieg belohnt.“
Am Sonntag folgte dann jedoch der erste große Dämpfer!
Die schöne Bescherung: Aufbauspieler Eli Brooks (27) verkündete völlig überraschend seinen Abschied! Der College-Kumpel von NBA-Star Franz Wagner (24) machte von einer Ausstiegsklausel in seinem Vertrag Gebrauch und wechselt zum spanischen EuroCup-Vertreter Baxi Manresa. Der Aufbauspieler war einer der Trierer Leistungsträger und hatte sich mit seinen starken Leistungen (15,3 Punkte, 4,8 Assists) auf die Zettel der Scouts gespielt.
Nach zwei Monaten! Ulm startet eine Sieges-Serie
Aufatmen bei Ratiopharm Ulm. Der Vizemeister schlägt Rasta Vechta im Weihnachtsspiel mit 77:75 (40:34) und gewinnt zum ersten Mal seit Anfang Oktober wieder zwei Spiele in Folge in der BBL!
Die Ulmer führten früh mit 14 Punkten (19:5), dann starteten die Gäste eine Aufholjagd und es wurde knapp. Nationalspieler Nelson Weidemann (15 Punkte) stellte anderthalb Minuten vor Schluss per Dreier zum 75:72 auf Sieg. Wichtigster Mann war der nachverpflichtete „Verteidigungsminister“ Justin Simon mit 14 Punkten, 10 Rebounds, 4 Assists und 3 Steals.
Pikant: Ulm hatte sich mit dessen Verpflichtung gegen ein Engagement von Veteran Tibor Pleiß (36) entschieden, der schon dort mittrainiert hatte. Der zweifache Euroleague-Sieger landete stattdessen in Vechta – und zeigte in seinem zweiten BBL-Spiel seit 13 Jahren ebenfalls eine starke Leistung (14 Punkte, 3 Rebounds, 1 Assist, 1 Block).
„Wichtig war, dass wir nicht nachgelassen haben“, fasste Ulms Trainer Ty Harrelson zusammen. „Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Es gab zwar einige Ballverluste, aber wir haben es besser geschafft, unsere Chancen zu nutzen. Wir machen kleine Fortschritte in die richtige Richtung.“
Vechta-Coach Christian Held: „Wir sind leider sehr schlecht ins Spiel gestartet und waren zu Beginn nicht wirklich präsent. Im weiteren Verlauf haben wir dann einen besseren Zugang zur Partie gefunden und vor allem in der zweiten Halbzeit einen deutlich besseren Job gemacht, mit mehr Intensität und Einsatz. Wenn man am Ende jedoch nicht einmal 50 Prozent seiner Freiwürfe trifft, wird es natürlich sehr schwer, ein solches Spiel zu gewinnen.“
Keiner beachtet ihn: Basketball-Kommentator will mitspielen
„Eigensinnig! Desaströs!“ Bamberg-Trainer wütet nach Sieg
Die MLP Academics Heidelberg kommen im Gegensatz zu den Ulmern nicht aus dem Keller. Bei den BMA365 Bamberg Baskets kassierte das Überraschungs-Team der Vorsaison ein 69:80 (32:48).
Die Gastgeber übernahmen im zweiten Viertel mit einem 23:8-Lauf die Kontrolle. Topscorer war Cobe Williams mit 18 Punkten, 5 Rebounds und 3 Assists.
Vier Wochen nach dem Pokal-Viertelfinale (72:66) gewann der neunmalige Meister damit das zweite Heimspiel der Saison gegen Heidelberg. Bambergs Trainer Anton Gavel redete sich trotz des Sieges in Rage: „Wir haben defensiv über drei Viertel ein sehr gutes Spiel gemacht. Auch in der Offensive war das okay. Dann aber haben wir dieses Gefühl im letzten Viertel mit unserem eigensinnigen und desaströsen Verhalten, vor allem in der Offensive, aber auch defensiv, total zerstört. Wir führen mit 27 Punkten und gewinnen am Ende mit 11. Wer weiß, wie uns das am Ende womöglich noch in den Hintern beißen kann …“
Heidelbergs Bester Mateo Seric (12 Punkte, 2 Rebounds): „Wir haben Bamberg zu früh ins Spiel kommen lassen, wir haben ihr Spiel angenommen, sie haben uns ihr Spiel aufgezwungen. Wir konnten dem Spiel nicht unseren Stempel aufdrücken. Sie haben früh Selbstvertrauen gehabt, schwierige Würfe getroffen, die wir nicht kontern konnten. Deswegen war es sehr schwer, unsere Reaktion kam dann zu spät. Am Ende war es noch eine gute Aufholjagd, aber es hat nicht gereicht.“


