Benka Barloschky (37) hat keine Angst anzuecken. Der Trainer der Veolia Towers Hamburg sagt, was er denkt und hat einen klaren Werte-Kanon. Der gebürtige Bremer isst kein Fleisch, gendert beim Sprechen und kommt mit dem Fahrrad zur Arbeit. Andererseits kassierte er wegen seiner emotionalen Ausbrüche schon mehrfach Strafen.

Vorm Nord-Süd-Gipfel am Sonntag gegen die Fit/One Würzburg Baskets (16.30 Uhr, WELT TV) in der Easycredit Basketball Bundesliga spricht der jüngste Chef-Trainer der Liga über seinen ersten Berufswunsch, die NBA und gesellschaftliche Verantwortung.

Ist Basketball-Trainer eigentlich Ihr Traumberuf?

Barloschky: „Ja! Weil ich dabei meine Leidenschaft für Leistungssport mit meiner Leidenschaft verknüpfen kann, Menschen zusammenzubringen.“

Hatten Sie einen Plan B?

„Ich hatte früher den Berufswunsch, Nachrichtensprecher zu werden. Dafür habe ich Jura studiert. Ich wollte zur Tagesschau. Ich hatte so ein ganz romantisches Bild davon. Meine Eltern haben jeden Tag um 20 Uhr geguckt und ich habe total zu den SprecherInnen aufgeschaut.“

Von 17 Chef-Trainern in der BBL sind außer Ihnen nur Denis Wucherer (51/Frankfurt Skyliners) und Anton Gavel (40/Bamberg Baskets) deutsch. Warum sind einheimische Trainer so selten?

„Teil der Wahrheit ist, dass es uns in Deutschland einfach extrem gut geht. Menschen haben viele Möglichkeiten, berufliche Wege einzuschlagen. Das führt dazu, dass die unsicheren, wie Basketball-Trainer, nicht so häufig eingeschlagen werden. Denn wenn du dir auf einem Blatt Papier pro und contra aufschreibst, entscheidest du dich normal nicht dafür, Trainer zu werden. Auf der anderen Seite sind deutsche Fußball-Trainer in der ganzen Welt extrem gefragt. Das Ausbildungs-Programm für sie ist auf einem unglaublich hohen Niveau. Ich möchte niemandem auf die Füße treten, aber ich glaube, da gibt es im Basketball Nachholbedarf.“

Foto: BILD

Es werden also nicht genug qualifizierte Trainer ausgebildet?

„Es gibt bestimmt ganz, ganz viele TrainerInnen mit Potenzial, die gut ausgebildet sind, denen ich das zu-trauen würde, ein Bundesliga-Team zu übernehmen. Aber der Konkurrenzkampf ist natürlich extrem hoch. Da muss man als BBL-Verein auch Mut haben, einen unerfahrenen deutschen Trainer einzustellen.“

Die Towers hatten das, als Sie 2023 das Team über-nahmen. Für was steht der Klub in seinem sechsten Erstliga-Jahr?

„Die Towers sind noch immer das, was sie für mich zum attraktivsten Standort der BBL macht: eine Kombination aus Sozialarbeit und Leistungssport. Das steckt noch immer im Kern – jungen Menschen über Sport die Möglichkeit zu geben zu lernen, wie man sich in Gruppen sozial verhält.“

Die BBL hat diese Saison erstmals Zahlen offengelegt. Was den Spieler-Etat an-geht, liegen die Veolia Towers auf Rang 14 – genau wie aktuell auch in der Tabelle …

„Es ist immer unser Anspruch, überzuperformen. So wie wir uns verstehen, wollen wir stets den Spagat hinbekommen, ein Entwicklungs-Team zu sein und gleichzeitig um Ergebnisse spielen, durch die wir uns in der oberen Hälfte der Tabelle wiederfinden. Dabei ist aber auch klar, dass wir nicht von uns erwarten dürfen, dort jedes Jahr zu landen.“

Wo soll es mit den Towers mittelfristig hingehen?

„Ich habe zum einen den Wunsch, dass sich unsere Talente wie Jared Grey, Leif Möller oder Mika Tangermann zu festen Rotationsspielern entwickeln, wir einen weiteren Spieler in die Euroleague bringen. Der andere Teil ist das größte Maß an Kontinuität zu erreichen, das wir uns leisten können. Einen Kern zusammenhalten. Und den mit ausländischen Spielern verstärken, die zu unserer Kultur und Identität passen. Es wäre meine Traum-Vorstellung, mit dieser Kombination eine Play-off-Serie mit den Towers zu spielen.“

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Deutschland ist Basketball-Weltmeister. Der DBB steht auf Platz drei der Weltrangliste. Die BBL hinkt dagegen im europäischen Vergleich hinterher. Woran liegt das?

„Am Geld. Wir haben einfach nicht die Mittel, dagegenzuhalten. Wir können nicht die Gehälter zahlen, wie beispielsweise Franzosen, Spanier, Italiener oder Griechen das können. Selbst bei den zweiten Li-gen fangen wir an, Schwierigkeiten zu haben. Und es kommen andere Märkte dazu – Asien, der College-Basketball in den USA. Wir werden deutsche Talente zumindest für einen gewissen Zeitraum verlieren. Das wird eine Lücke reißen. Dadurch wird die Liga älter werden.“

Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann auch mal Ausland zu arbeiten?

„Sehr gut sogar. Auch wenn es schwierig ist, eine Trainer-Karriere zu planen. Das hat alles viel mit Glück zu tun.“

Die meisten Spieler träumen von der NBA, Sie auch?

„Ich gucke auf das europäische Top-Niveau, schaue sehr viel Euroleague. Das ist für mich persönlich der Basketball in seiner schönsten Form. Die NBA ist mittlerweile eine Welt, die mir gar nicht so sehr zusagt. Da geht es so viel ums Individuum und so wenig ums Team. Das ist nicht das, was ich mit meinem Beruf verbinde.“

Sie sind in ihrem ersten Jahr als Chef-Trainer einige Mal durch emotionale Ausbrüche aufgefallen. Diese Saison wirken sie ruhiger. War das ein bewusster Entschluss?

„Ich bin noch immer ein extrem ehrgeiziger Mensch und kann emotional werden. Aber ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich die Kontrolle verliere. Es gab Situationen, wo ich mich hinterher selbst gesehen und gefragt habe: Möchtest du wirklich so rüberkommen?“

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Quelle: DYN Basketball

Setzten Sie die Emotionen in Auszeiten bewusst ein?

„Es geht immer darum, welchen Knopf ich jetzt drücken muss. Ich habe ganz kurz Zeit, muss die Stimmung der Mannschaft superschnell einschätzen. Bin ich extrem ruhig, weil sie verunsichert sind? Bin ich laut, weil ich das Gefühl habe, sie müssen wachgerüttelt werden? Ich versuche, für meine Mannschaft ein-zustehen, meine Mannschaft zu beschützen, meinen Spielern zu signalisieren, dass ich auf ihrer Seite bin und alles dafür tun werde, ihnen zum Erfolg zu verhelfen. Dass das dann auch anders wahrgenommen werden kann, das musste ich lernen. Denn auf der anderen Seite habe ich ja davon geredet, wie viel Wert wir auf ein soziales Miteinander legen. Ich habe mich entschieden, ich bin ein Mensch der Öffentlichkeit. Das bedeutet eine Verantwortung.“

Auch über den Sport hinaus?

„Ja, auch darüber hinaus. Basketball kann ein sehr schönes Vorbild sein für eine Gesellschaft. Das, was im Sport funktioniert ist, nicht auszugrenzen. Dass Herkunft, Alter, sexuelle Orientierung oder Religion egal sind. Wir sagen immer: Man kann gemeinsam unglaubliche Dinge schaffen, wenn es egal ist, wer hinterher die Lorbeeren erntet. Zusammen! Das würde ich mir auch für unsere Gesellschaft wünschen. Die Wahl, die jetzt ins Haus steht, ist unglaublich wichtig. Wir können sie nutzen, um Ausgrenzung und Rassismus einen Korb zu geben.“

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