Der FC Bayern Basketball holt sich die Tabellenführung in der BBL zurück, bezwingt Spitzenreiter Ratiopharm Ulm in einer engen Partie mit 70:62.
Gleich zu Beginn wird’s super-kurios. Bayern hat zum Start MVP-Kandidat Carsen Edwards auf der Platte. Nach drei Sekunden muss die Partie unterbrochen werden, weil die Uhr nicht angesprungen ist. Bayerns Weltmeister-Trainer Gordon Herbert nutzt die Unterbrechung – und nimmt tatsächlich Edwards vom Feld, schickt stattdessen Andreas Obst ins Spiel.
Eine Auswechslung nach drei Sekunden? Da ist sogar Dyn-Kommentator Michael Körner als ausgewiesener Basketball-Fachmann baff: „Ein Wechsel nach drei Sekunden? Komischerweise ist Edwards jetzt auf der Bank und Obst ist dafür drin. Das ist wahrscheinlich die kürzeste Einsatzzeit in der BBL-Historie.“ Gut möglich, dass Trainer-Fuchs Herbert die schnelle Pause nutzte, um auf die Ulmer Startaufstellung zu reagieren.
Es ist ein Stotter-Start, der sinnbildlich für das ist, was im Topspiel danach kommt. Denn: Von Top hat das Spiel lange Zeit herzlich wenig …
FC Bayern gewinnt gegen Ratiopharm Ulm Topspiel in der Easycredit BBL
Beide Mannschaften kriegen im ersten Viertel fast gar nichts auf die Kette, nach den ersten zehn Minuten führt Spitzenreiter Ulm mit gerade 11:10 im BMW Park. Tiefpunkt auf Ulmer Seite: Supertalent Ben Saraf (18) unterläuft ein Schrittfehler im Stehen …
Auch die Schiedsrichter passen sich in einer Szene an: Nach knapp über drei Minuten stürmt Jallow zum Korb — und befördert Lucic krachend zu Boden! Ein Referee zeigt Flopping, also eine Basketball-Schwalbe, an, ein Referee entscheidet auf Offensiv-Foul.
Und jetzt? Am Ende wird auf Offensiv-Foul entschieden. Schiedsrichterin Anne Panther muss Gäste-Trainer Harrelson beruhigen, auch Jallow motzt rum. Körner: „Das war jetzt nicht eindeutig geschiedst, Lucic flog da doch sehr, sehr weit.“
Zur Pause führt Ulm mit 30:28, vor allem, weil die Bayern-Stars von draußen überhaupt nichts treffen. Noch tief im vierten Viertel stehen Edwards, Obst und Johannes Voigtmann – allesamt ordentliche bis überragende Distanzschüssen – zusammen bei keinem einzigen getroffenen Dreier.
Dabei hatte Niels Giffey vor dem Spiel bei Dyn gefordert: „Wir brauchen Euroleague-Mentalität.“ Doch das Star-Ensemble zeigt vorrangig das BBL-Gesicht aus den sechs Niederlagen, die in der Bundesliga schon zu Buche stehen.
Münchens Glück: Auch der Gegner hat nicht seinen besten Tag. Absoluter Lichtblick ist allerdings Nelson Weidemann, der erst im Sommer vom FCB nach Ulm gewechselt war und mit vielen starken Aktionen zeigt, dass er vielleicht ein wenig mehr als zehn Minuten im Schnitt verdient gehabt hätte.
Streich unter Kollegen: Fiese Überraschung im Auto für Neuzugang
Kommentator Körner bringt’s zum Start der zweiten Hälfte auf den Punkt: „Wer zuerst aufwacht, gewinnt.“ Problem: Beide Teams schlafwandeln weiter durch die Partie, vor allem von der Dreierlinie. Während sich die Bayern aber nach und nach Punkte erarbeiten, sind die Ulmer in der Crunchtime eisekalt unterwegs.
5:34 Minuten vor Schluss führt der Tabellenführer 56:55, dann zieht Obst ein Foul für drei Freiwürfe gegen Karim Jallow. Der Weltmeister verwandelt alle drei Punkte zur Bayern-Führung, Ulm schafft nur noch sechs Punkte bis zur Schlusssirene, vergibt die große Chance auf den Auswärtssieg bei den Bayern, die wieder die Tabellenspitze übernehmen.
Die Topscorer des Spiels: Voigtmann und Edwards für Bayern mit gerade mal zehn Zählern, Weidemann für Ulm mit 15 Punkten.


