Die schweren Vorwürfe gegen Ex-HSV-Sportvorstand Stefan Kuntz (63). Zehn Tage nach dem Aus des früheren Nationalspielers hat sich der HSV-Aufsichtsrat Montag zum ersten Mal öffentlich geäußert.
Dort heißt es in einer Stellungnahme: „Im Dezember 2025 sind an den Aufsichtsrat der HSV Fußball Management AG Vorwürfe eines schwerwiegenden Fehlverhaltens von Stefan Kuntz herangetragen worden. Der Aufsichtsrat hat gemäß seiner Verantwortung sofort nach Kenntnisnahme der Vorwürfe mit Unterstützung spezialisierter externer Anwälte die Aufklärung der Vorfälle eingeleitet. Nach sorgfältiger Prüfung und der Erkenntnis, dass die Vorwürfe glaubhaft sind, hat der Aufsichtsrat umgehend entschieden, eine schnellstmögliche Trennung von dem Vorstandsmitglied anzustreben.“
Zuvor hatte der Klub lange geschwiegen. Öffentlich wurde die Trennung zunächst mit familiären Gründen erklärt. Kuntz selbst hatte auf die schwere Erkrankung seines Vaters Günter (87) verwiesen und angekündigt, sich intensiver um ihn kümmern zu wollen. Aufsichtsrats-Chef Michael Papenfuß (71) am 2. Januar: „Wir entsprechen Stefans Wunsch einer vorzeitigen Vertragsauflösung und einer sofortigen Freistellung von seinen Aufgaben. Was die Gründe dafür betrifft, so respektieren wir Stefans Wunsch nach Privatsphäre vollumfänglich.“
Konflikt um Kuntz: HSV setzt jetzt ein deutliches Zeichen
In den vergangenen Tagen änderte sich die Lage. Auch durch die Enthüllungen von BILD. Der HSV-Aufsichtsrat schrieb Montag, er sehe sich, „angesichts des gestrigen Social-Media-Posts von Stefan Kuntz, der erfolgten Veröffentlichung auf BILD.de und der Vorwürfe, die laut BILD aus dem Umfeld von Stefan Kuntz erhoben worden sind“, zu einer Erklärung veranlasst.
Einschätzung zum Fall Kuntz: „Da ist man am Ende der Fahnenstange“
Auslöser war vor allem ein Instagram-Post von Kuntz am Sonntagabend. Darin schrieb der frühere HSV-Boss: „Mich erreichen zahlreiche Anfragen wegen der aktuellen Berichterstattung über meine Person. Erst einmal möchte ich sagen, dass mich die Vorwürfe hart treffen. Klar ist: Ich weise diese Vorwürfe entschieden zurück!“
Kuntz weiter: „Im Sinne meiner Familie und aller mir nahestehenden Personen habe ich meine Anwälte (Kanzlei Schertz Bergmann) darum gebeten, gegen diese FALSCHEN Vorwürfe und Vorverurteilungen vorzugehen.“
Der HSV widerspricht dieser Darstellung deutlich. In der Stellungnahme heißt es, Kuntz habe „insbesondere in Kenntnis der gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Trennung zum 31.12.2025 zugestimmt. Er war dabei anwaltlich vertreten. Die Gelegenheit zur Stellungnahme gegenüber dem Aufsichtsrat hat Herr Kuntz trotz mehrfacher Angebote explizit nicht genutzt. Vor dem dargestellten Hintergrund sind die Vorwürfe einer ‚Verleumdungskampagne‘ gegen Stefan Kuntz klar unzutreffend und irreführend.“
Intern sorgt vor allem die wechselnde Argumentation aus dem Umfeld von Kuntz für Irritationen. Zunächst stand der kranke Vater im Fokus, später war von einer angeblichen Verleumdungskampagne die Rede. Als mögliches Motiv wird Geld genannt: Durch den Aufhebungsvertrag soll der HSV einen Millionenbetrag eingespart haben. Hintergrund: Nach dem Aufstieg im vergangenen Sommer sollen sich die Konditionen von Kuntz’ Vertrag deutlich verbessert haben.
Kurios: Noch Anfang Dezember war auf beiden Seiten offenbar sogar über eine vorzeitige Vertragsverlängerung gesprochen worden – die Kuntz finanziell noch besser gestellt hätte.
„Irgendwie ein Thema“: HSV-Trainer äußert sich zum Fall Kuntz!
Vor der Partie Dienstag (20.30 Uhr, Sky) gegen Leverkusen äußerte sich auch Trainer Merlin Polzin (35) zum Fall Kuntz: „Natürlich haben wir darüber gesprochen, beziehungsweise ist es dann auch in der Mannschaft irgendwie ein Thema. Wir haben es jetzt nicht noch mal explizit angesprochen.“
Und weiter: „Es wird gar nicht schwer, sich auf die Spiele vorzubereiten. Wir wollen uns auf das fokussieren, was wir beeinflussen können. Alles andere ist nicht meine Aufgabe, und die Mannschaft nehme ich als sehr wach wahr, was das Spiel morgen angeht.“


