Beinahe hätte es auch einen Spieler des SC Magdeburg erwischt, das erzählt SCM-Trainer Bennet Wiegert (43) im Interview mit SPORT BILD.
Der Star-Coach über die ersten Minuten nach dem Anschlag, nachdem er per Handy von dem Unglück erfahren hatte: „Ich habe sofort aufgelegt und in die WhatsApp-Gruppe der Mannschaft geschrieben, dass sich jeder sofort telefonisch bei mir melden soll. Ich möchte jeden Einzelnen einmal am Telefon haben. Als Erster hat sich Sergey Hernández gemeldet mit der Bitte, sofort Antonio Serradilla anzurufen.“
Der spanische Neuzugang des SCM, Antonio Serradilla war im Sommer aus dem norwegischen Elverum nach Magdeburg gewechselt, entging dem Todes-Raser nur um Zentimeter.
Wiegert: „Er war vor Ort, der Attentäter ist nur einen Meter an ihm vorbeigefahren. Dann habe ich Antonio angerufen, der nur geschrien und geweint hat. Ich wollte sofort zu ihm nach Hause fahren. Doch meine Frau hat mich aufgehalten und mich erinnert, dass ich hier erst mal gebraucht werde.“
Denn der Anschlag war quasi auch in Wiegerts Haus, beziehungsweise auf dem Handy seiner Tochter, schon angekommen und präsent. Der Trainer über seine 13-jährige Tochter Elba: „Sie hatte von Mitschülern die ersten Videos von der Amokfahrt bekommen, die ich dann sofort gelöscht habe.“
Star-Trainer Wiegert: Attentäter raste 1 Meter an Magdeburg-Spieler Antonio Serradilla vorbei
Schlimme Videos auf dem Handy seiner Tochter, ein Spieler beinahe verletzt, Chaos und Tod und in der Stadt! Dennoch wollte Wiegert zum nächsten Spiel am 22. Dezember gegen Eisenach zunächst antreten, worüber er sich mittlerweile ärgert.
Der SCM-Trainer: „Ich wollte mich von einem Anschlag nicht beeinträchtigen oder nötigen lassen, dem Verbrechen keine Kraft geben. Das war ein Fehler. Als ich am nächsten Morgen um 10 die Mannschaft in der Getec Arena versammelt hatte, war mir nach zehn Sekunden klar: Hier spielt keiner mehr!“
Die Bundesliga-Partie gegen Eisenach wurde verlegt. Nicht zuletzt Antonio Serradilla wäre wohl kaum in der Lage gewesen, sich in den Stunden nach seinem Beinahe-Unfall auf Handball zu konzentrieren.
* Beim Anschlag in Magdeburg starben insgesamt sechs Menschen, ein neunjähriger Junge sowie fünf Frauen im Alter von 45 bis 75 Jahren. Zudem gab es rund 300 Verletzte, 86 zum Teil schwer. Vier der fünf Toten kamen aus dem Großraum Magdeburg. Laut Polizei war Amok-Fahrer Taleb A. über einen nicht durch Sperren oder Poller geschützten Rettungsweg auf den Markt gelangt, auf dem er bereits das Tempo erhöht und erste Menschen verletzt habe.
Taleb A. wurde direkt nach dem Anschlag festgenommen und befindet sich seit Ende Januar aus medizinischen Gründen in der JVA Leipzig.

