SPORT BILD: Mister Green, aktuell überträgt Prime Video jeweils ein Top-Spiel der Champions League am Dienstag, darf sich dort die jeweils beste Begegnung aussuchen. Alle anderen Partien gibt es bei DAZN. Ende 2025 werden die Rechte ab 2027/28 ausgeschrieben. Wie groß ist das Interesse, sich dann ein größeres Stück vom Kuchen zu sichern?
Alex Green: Das werde ich oft gefragt. Dazu möchte ich zunächst sagen: Wir lieben das Paket, das wir haben, zeigen das Top-Spiel, und dankenswerterweise kamen zuletzt ein bis zwei deutsche Teams meist sehr weit. Das bietet schon viel Wert für unsere Prime-Mitglieder. Man bekommt tolle Spiele zum Gesamtangebot neben Versand und Musik dazu, die es sonst nur im Pay-TV geben würde. Ich würde natürlich liebend gern noch mehr Gegenwert anbieten, aber es ist schwierig. Es gibt Grenzen für das, was wir innerhalb des Preis-Leistung-Verhältnisses in Deutschland anbieten können.
Gala in Paris: Wow-Auftritte beim Ballon d’Or
Hat Prime Video aber weiterhin Interesse an einem ähnlichen Paket wie bisher?
Wir sind sehr zufrieden mit diesem Paket. Ein erheblicher Teil unserer Prime-Mitglieder schaut zu. Wir haben das Paket ja nach der ersten Rechteperiode bereits einmal verlängert. Das zeigt ziemlich gut, wie unser Interesse für die Zukunft aussehen wird. Die Champions League ist unser Anker des Sportangebots in Deutschland. Die Zugriffszahlen wachsen von Jahr zu Jahr. Es ist herausragend.
In Großbritannien hat sich Prime Video einen Teil der Bundesliga-Rechte seit dieser Saison gesichert. Für 2,49 Pfund pro Spiel (2,88 Euro) kann man alle Sonntagspartien abrufen. Wie genau hat sich Prime die Bundesliga-Rechte in Deutschland angeschaut – oder waren Sie mit der Champions League bereits gut versorgt?
Wir schauen uns natürlich immer die Top-Level-Rechte in großen Märkten wie Deutschland und Großbritannien an. Die Realität ist aber: Wir mögen unser Investment in die Champions League. Wie dort gilt auch hier: Es ist schwierig, noch mehr Fußball in unser Angebot zu einem bestimmten Preis zu stecken.

Sportchef für Europa beim Prime Video: Alex Green
Würde Prime Video in Deutschland eine eigene Sport-Plattform im Stile von DAZN starten?
Wir haben in der Vergangenheit eigene Plattformen ausprobiert, zum Beispiel in Frankreich mit der Ligue 1, wo es ein zusätzliches Abo gab. Offen gesagt: Das ist nicht unser Kerngeschäft. Prime ist breiter aufgestellt. Die Menschen abonnieren es nicht nur wegen des Sports. Da sind wir anders als alle anderen auf dem Markt. Wir haben weltweit Hunderte Millionen Mitglieder bei Prime. Wir haben Anbieter wie DAZN auf unserer Plattform. Man kann diese sehr einfach über uns abonnieren und schauen.
Prime Video zeigt erstmals die NBA in Deutschland, als Teil eines globalen 17-Milliarden-Euro-Vertrags mit der Basketball-Liga. Wie wird das Angebot aussehen?
Insgesamt planen wir mit 86 Spielen der regulären Saison. Darunter wird auch exklusiv die Partie in Berlin (Orlando gegen Memphis; d. Red.) sein. Dazu wird es die Play-offs mit den kompletten NBA Finals bei uns geben. Es ist ein Elfjahresvertrag mit der NBA. Das ist groß und komplex. Wir decken die gesamte Welt ab.

Basketball-Legende Dirk Nowitzki ist NBA-Experte für Prime Video
In den USA gehört Legende Dirk Nowitzki zum Prime-Team für die NBA. Wird man ihn in Deutschland hören können?
Wir bieten neben einem deutschen Kommentar auch den englischen Original-Kommentar an, bei dem Nowitzki eingesetzt wird. Wir haben noch nicht die KI, die ihn gleichzeitig auf Deutsch kommentieren lässt (lacht). Ob er Gastauftritte im deutschen Prime-Video-Bereich haben wird, werden wir sehen.
Die USA sind der Top-Markt von Prime Video. Wie bedeutsam ist Deutschland?
Es ist ein absoluter Kernmarkt für Prime Video. Wir gehören dort regelmäßig seit langer Zeit zu den Top-Streaming-Plattformen. Darauf sind wir sehr stolz. Alles fing damit an, dass wir 2017 den Eurosport Player, auf dem damals ein Bundesliga-Spiel lief, auf unserer Plattform hatten. Das war das erste Mal, dass wir weltweit Sport angeboten haben. Daraus haben wir viel gelernt. Seither haben wir unser eigenes Modell entwickelt, wie wir Sport bei Prime Video einbauen und kauften selbst Rechte. Wir sind im zweiten Jahr unseres Wimbledon-Vertrags. Da war das Wachstum vom ersten zum zweiten Jahr bemerkenswert. Wir sehen eine starke Zukunft.
Prime Video bietet viele Dokumentationen, zuletzt auch zu Thomas Müller und Jan Ullrich. Sind weitere geplant, oder konzentriert man sich mehr auf die Live-Übertragungen?
Die Dokumentationen sind ein sehr wichtiger Teil. Wir sind sehr wählerisch, über wen wir etwas machen. Es müssen schon die größten Fußball-Klubs und die Superstars sein.

