Realitäts-Check für die Veolia Towers. Nach fünf Pflichtspielsiegen in Serie wurden Hamburgs Basketballer im EuroCup wieder eingenordet. In ihrem vorletzten internationalen Spiel waren die Türme chancenlos und verloren gegen Play-off-Kandidat Cedevita Olimpija Ljubljana mit 74:88 (32:50).
„Für uns ging es in den letzten Wochen immer darum, unseren besten Basketball zu erreichen“, sagte Trainer Benka Barloschky (38). „Heute haben wir es nicht geschafft. Unsere offensive Qualität war nicht gut genug, defensiv war es in Ordnung.“
Für die Türme geht es im zweithöchsten europäischen Wettbewerb als Schlusslicht in Gruppe A sportlich um nichts mehr. Ganz anders beim 17-maligen slowenischen Meister! Ljubljana kämpft noch um Platz zwei und den direkten Einzug ins Viertelfinale. Von daher nahmen sie die Partie extrem ernst.
Ljubljana verteidigte stark, bestimmte das Tempo und dominierte unter den Brettern (35:24) Rebounds). In der 3. Minute gingen sie zum ersten Mal in Führung und bauten diese im Stile einer Top-Mannschaft vor 1105 Fans kontinuierlich aus. Daran konnte auch die Tatsache nichts ändern, dass der ehemalige Kapitän der Telekom Baskets Bonn, Thomas Kennedy (25), im zweiten Viertel umknickte und nicht mehr aufs Spielfeld zurückkehrte.
Auch nach der Pause schafften es die Towers nicht, das Ruder herumzureißen – so sehr sie sich auch reinhängten. Die Gäste waren schlicht eine Klasse besser. Barloschky: „Die Jungs sind so hungrig gewesen und haben sich so viel vorgenommen, dass sie dann mit diesem hohen Rückstand nicht so richtig gut umgehen konnten. Ich bin froh, dass wir in der zweiten Halbzeit die richtige Reaktion gezeigt haben, hart gespielt haben, verteidigt haben und im Spiel geblieben sind. Dass wir nicht in alte Muster verfallen sind und uns aufgegeben haben. Das wäre schade gewesen.“
Towers-Serie reißt im EuroCup gegen Ljubljana: Internet-Riese googelt sich den Trainer Barloschky
Darum gab’s hinterher sogar Applaus für die Türme. Topscorer war Ross Williams (25) mit 20 Punkten. Für Ljubljana traf Matthew Hurt (25) mit 15 Zählern am besten.
Doch klar ist, dass der Rückschlag gegen ein europäisches Spitzenteam die Türme nicht ins Wanken bringen wird. Zu Saisonbeginn hatten die Hamburger 19 (!) Pflichtspiele in Serie verloren. Trotzdem blieben Geschäftsführer Marvin Willoughby (48) und Coach Barloschky ruhig – und führten das Team mit kontinuierlicher Arbeit aus dem Tief.
Das hat sich sogar bis zum Internet-Riesen Google herumgesprochen!
Der US-Konzern lud Barloschky darum als Speaker in seine Hamburger Deutschland-Zentrale ein. Der studierte Jurist sprach dort vor Mitarbeitern über den Umgang mit Krisen. Seine Antwort: „Für mich geht es immer um Beziehungen. Wir investieren jeden Tag in sie. Wir pflegen sie. Wir nehmen sie nicht für selbstverständlich. In schweren Zeiten erlauben dir kugelsichere Beziehungen, an der Leistung zu arbeiten. Sie werden dir erlauben, brutal ehrlich darüber zu sein, was getan werden muss. Sie erlauben dir, die harten Gespräche zu führen. Diejenigen, die unbequem sind, die aber daher mit großer Wahrscheinlichkeit auch genau die sind, die du am nötigsten brauchst.“
Barloschkys Fazit: „Beziehungen sind das Fundament einer Leistungs-Kultur.“
Das bedeutet aber nicht, dass es immer nur harmonisch zugeht. Barloschky: „Wir haben in den letzten zwei Trainings eine sehr angespannte Situation gehabt. Wir haben auch echt ein paar Konflikte gehabt. Was ich aber zu diesem Zeitpunkt gut finde und mag. Weil es zeigt, dass es den Spielern etwas bedeutet und nicht egal ist. Da geht es um Performance und darum, dass alle gewinnen wollen. Ich will gar nicht im Training so eine Stimmung haben, dass sich alle immer gerne haben. Nur Friede, Freude, Eierkuchen – das ist auch nicht gut.“
Auf dieser Basis soll in der Easycredit BBL am Sonntag im nächsten Abstiegs-Endspiel gegen Schlusslicht Löwen Braunschweig (16.30 Uhr, WELT.TV) der nächste Sieg eingefahren werden.

