Handball-Beben 2.0 in der Daikin HBL!

Der HSV Hamburg, der beim TBV Lemgo Lippe (29:41) unter die Räder kam, muss erneut nachsitzen – die Lizenz für die Saison 2025/2026 wackelt. Ein erneuter Image-Schaden!

Foto: BILD

Handball-Bundesligist HSV Hamburg muss, um in der kommenden Saison am Spielbetrieb teilnehmen zu dürfen, eine Bedingung erfüllen. Andernfalls gibt es keine Lizenz.

Der HSV Hamburg erhält diese von der Dakin Handball-Bundesliga (HBL) nur unter dem Vorbehalt, dass „bis spätestens zum 05.05.2025 (12.00 Uhr) eine Bedingung erfüllt ist. Die Bedingung sieht vor, dass bis zu diesem Zeitpunkt gegenüber der Lizenzierungskommission nachgewiesen wird, dass eine aktuell noch bestehende Liquiditätslücke geschlossen ist“.

Die Hamburger sind, wie bereits im Vorjahr, der einzige Klub, der eine solche Bedingung leisten muss. Vor einem Jahr gab’s die Lizenz erst nach dem Weg übers Schiedsgericht. Der HSV musste eine Liquiditätslücke (4,1 Mio. Euro) schließen. Die von der HBL geforderte Sicherheitsleistung ging aber 66 Minuten zu spät auf dem Konto ein. Die HBL-Bosse zogen die Spielerlaubnis wieder zurück.

Handball: HSV Hamburg zittert auch dieses Jahr wieder um die Lizenz

In der Folgezeit entwickelte sich ein Lizenz-Drama. Der Finanz-Krimi wurde zum Rechtstreit, in dessen Folge auch ein Mitbewerber (Bergischer HC) gegen die Lizenzerteilung an den geklagte hatte. Die Folgen sind bekannt. Investor Philipp J. Müller zahlte nach dem Urteil des Schiedsgerichts weitere drei Millionen Euro als Sicherheit, der BHC scheiterte mit seinem Einspruch und stieg sportlich ab.

Jetzt also Lizenz-Drama 2.0.

Die Pressemitteilung der HBL traf die Hamburger Bosse nicht unvermittelt, sie war nach SPORT BILD-Informationen im Vorfeld abgesprochen worden. Die HSV-Bosse unterrichteten ihre Sponsoren und Partner. Nach SPORT BILD-Informationen holte die Führungsriege um HSV-Geschäftsführer Christian Hüneburg die Geschäftsstellen-Mitarbeiter und Handball-Profis am Dienstagvormittag im Volkspark zusammen, um sie über die anstehenden Pressemitteilung zu informieren und sie gleichzeitig zu beruhigen.

Christian Hüneburg ist seit Oktober 2024 Geschäftsführer beim HSV Hamburg

Christian Hüneburg ist seit Oktober 2024 Geschäftsführer beim HSV Hamburg

Foto: Michael Schwartz/dpa

„Wir hatten dieses Jahr einen sehr guten Informationsaustausch, der ständig stattgefunden hat zwischen der Geschäftsführung und Jogi (Sportdirektor Johannes Bitter, d.Red.) und mir“, erklärt Kapitän Niklas Weller (31), selbst Jurist. „Ich glaube, das wurde kommunikativ gut gelöst und niemand hatte das Gefühl von uns Spielern, dass er da im Dunkeln gelassen wurde.“

Trainer Torsten Jansen (48) nach der Pleite in Lemgo: „Ich bin zuversichtlich, weil ich den Personen vertraue, die täglich mit uns arbeiten, dass sie das hinbekommen.“

Die HSV-Bosse sprechen von einer Situation, die „weniger dramatisch“ sei als die vor zölf Monaten. Hüneburg: „Eine wesentlich kleinere Summe als in der letzten Saison und wir sind heute in einer anderen Lage als letztes Jahr.“

Nach SPORT BILD-Informationen soll die „kleine Summe“ rund 2 Millionen Euro betragen, die bis zum 5. Mai (12 Uhr) auf dem Konto hinterlegt werden muss.

Hüneburg: erklärt: „Wir müssen einen Betrag als Risikoabsicherung nachweisen, falls wir unsere Planzahlen nicht erreichen. Wir gehen in unseren Planungen von einer positiven, aber in unseren Augen realistischen wirtschaftlichen Entwicklung aus und haben mit einigen neuen Ideen und Ansätzen schon gute Fortschritte gemacht, die bereits spür- und messbare Effekte haben. Es liegt jetzt an uns, der Liga in der nächsten Saison zu zeigen, dass wir unsere Planungen und Ziele erreichen und auf diesem Wege weiteres Vertrauen aufbauen.“

Die HBL ist bis dato noch zu 100 Prozent überzeugt. Ein Grund: Nach SPORT BILD-Informationen hätte bis zum 31. März ein Zahlungseingang in Höhe von 500.000 Euro vorliegen müssen. Dieser war Bestandteil des Lizenzantrages für die laufende Spielzeit. Marc D. Evermann (53) sollte diese Zahlung bis zum 31. März leisten. Der Unternehmer, der im Vorjahr sein Platz als HSV-Präsident räumen musste, nahm Abstand von der Zahlung.

HBL-Kommentator ist fassungslos: Handball-Stars müssen zu dritt spielen

Füchse Berlin gegen HSV: Handball-Stars müssen zu dritt spielen

Quelle: BLD / Dyn

Nun müssen also Spieler, Trainer, Mitarbeiter und Fans wieder zittern. Gut zwei Wochen verbleiben, um die Liquiditätslücke zu schließen.

„Wir sind seit längerem in Gesprächen mit potenziellen weiteren Unterstützern, um den Verein breiter aufzustellen“, erklärt HSV-Aufsichtsrat und Inverstor Philipp J. Müller. Er hofft neue Partner zu finden. „Das ist ein fortwährender Prozess, über den wir die Finanzierung für die kommende Saison in den nächsten Tagen sicherstellen werden. Das wird uns gelingen, auch mit meiner Hilfe. Unsere Restrukturierung läuft nach Plan und mein persönliches Commitment zum HSV ist klar. Aber es ist unser aller Wunsch, zukünftig unabhängiger vom Engagement Einzelner zu sein.“

Das sollte schnell passieren und nicht wieder auf den letzten Drücker 66 Minuten nach Ablauf der Frist. Andernfalls werden Vertrauensverlust und Image-Schaden noch größer.

ttn-36