Noch keine zwei Wochen ist das Olympia-Feuer erloschen – doch die Schlagzeilen rund um den Eiskanal in Cortina reißen nicht ab. Die umstrittene Bobbahn befindet sich offenbar in einem desaströsen Zustand. Wie unter anderem die italienische Regionalzeitung „Corriere delle Alpi“ berichtet, haben Experten kurz nach der Abschlusszeremonie eine gründliche Überprüfung der Anlage vorgenommen. Das Ergebnis wurde in einem 45-seitigen Schadensbericht festgehalten: Die Schäden summieren sich auf mehr als eine Million Euro.
Demnach wurde die Anlage in einem Zustand „fast völliger Verwahrlosung“ vorgefunden, wie die Zeitung „Il Nord Est“ berichtete. Von wenigen Ausnahmen abgesehen sei das Sliding Centre „ohne jegliche Reinigung, Aufräumarbeiten oder Instandsetzung“ zurückgelassen worden.
Besonders brisant: Die meisten Räume der Anlage, darunter auch der Kontrollraum im Zielbereich, sollen nicht abgeschlossen gewesen sein – obwohl sich darin Technik im Wert von Hunderttausenden Euro befand.
Großer Wirbel um Olympia-Eiskanal
Das Dokument zählt eine lange Liste an Schäden auf: beschädigte Messinstrumente, in Mitleidenschaft gezogene Isolierungen und Installationskanäle, verbogene Rohre. Dazu kommen gelockerte oder fehlende Schrauben an den Bahnbordwänden, kaputte Schutzgeländer und Tore sowie frei hängende und durchtrennte Kabel. Auch Schalttafeln und elektrische Verteilerdosen wurden beschädigt.
Die Folge: Die für den 10. bis 12. März geplanten italienischen Meisterschaften im Bob, Skeleton und Rodeln können in Cortina nicht stattfinden. Bürgermeister Gianluca Lorenzi zeigte sich enttäuscht: „Die italienischen Meisterschaften auszurichten, wäre fantastisch gewesen, vor allem im Hinblick auf die Kontinuität: Wir hätten unseren anhaltenden Erfolg eindrucksvoll unter Beweis stellen können. Doch heute müssen wir die Anlage erst einmal wieder voll funktionsfähig machen.“
Für den Eiskanal ist es nicht die erste Negativschlagzeile. Schon vor den Spielen hatte das Projekt wegen explodierender Kosten und einer verspäteten Fertigstellung für Wirbel gesorgt.
Die am Freitag startenden Paralympics sind davon nicht betroffen. Schlitten-Wettbewerbe stehen im paralympischen Programm ohnehin nicht auf dem Plan.
