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Das deutsche Bob-Team räumte bei den Winterspielen in Cortina d‘Ampezzo (Italien) drei Goldmedaillen ab. Hier erzählen die sechs Gold-Fahrer, wie sie den Olympia-Sieg geschafft haben: Es gab die Titel im Vierer und Zweier der Männer sowie dem Zweier der Frauen.

Thorsten Margis (36), Vierer-Bob: „Mein fünftes Olympia-Gold. Unglaublich!“

„Nach drei Wochen Zuschauen war ich heiß auf dieses Viererrennen. Der erste Lauf war bereits unglaublich wichtig. Da zeigten wir allen, wo der Hase langläuft. Was wir da am Start und in der Bahn hingelegt haben, war der absolute Wahnsinn. Die 39 Hundertstelsekunden Vorsprung waren die Grundlage für unseren Weg zum Olympiasieg. Einfach geil! Für mich ist es das fünfte Gold der Karriere. Alle waren unglaublich! Wir standen immer unter Druck, waren stets Favorit. Es immer wieder zu schaffen ist unfassbar. Diesmal war das Besondere: Um Weihnachten hatte ich plötzlich einen Bandscheibenvorfall. Mein Bein war taub. Da dachte ich: Das war es! Aber mit den Physios haben wir das gerettet. Für mich ist es jetzt vorbei. Besser kann man nicht aufhören. Was für ein absurder Traum.“

Laura Nolte (27), Zweierbob: „Dieses Gold war nervlich schwieriger als 2022“

„Die Anspannung war vor dem vierten Lauf sehr hoch, weil wir wussten, dass unser Vorsprung durch die schwierigen ersten Kurven ganz schnell weg sein kann. Dieses Gold war dadurch nervlich schwieriger als das vor vier Jahren in Peking, weil damals die Kurven eins und zwei nicht so kompliziert waren. Unsere Startzeiten waren aber so gut, dass ich mich einfach sicher in der Bahn fühlen konnte.

Nach dem knappen Monobob-Silber hatte mich Debbie im Ziel empfangen und mir gesagt, dass sie stolz auf mich sei. Seit 2018 fahre ich mit ihr. Da hat sich so eine tiefe Freundschaft entwickelt. Es ist total schön, in solchen emotionalen Momenten direkt eine Teampartnerin und Freundin dabeizuhaben. Die Enttäuschung nahm ich als Ansporn für unser Zweierrennen. Mit Debbie läuft es am Start einfach immer. Ich vertraue ihr immer und sie mir. Daher sind wir zusammen oft auch unschlagbar.

Ob ich bei Olympia 2030 noch starte, warten wir einmal ab. Ursprünglich wollten wir nach 2026 aufhören. Das haben wir uns anders überlegt, weil es uns so viel Spaß macht.“

Laura Nolte (r.) und Deborah Levi wurden nach ihrem Gold im deutschen Haus gefeiert

Foto: picture alliance/picture alliance/Team D

Deborah Levi (28), Zweierbob: „Erleichtert, als ich die Eins aufleuchten sah“

„Bereits im dritten Lauf hat Laura die Kurven eins und zwei so gut getroffen. Da wusste ich, dass das Ding eigentlich durch ist. Im vierten Lauf klappte es dann wieder. So hatte ich auf dem Weg ins Ziel bereits ein gutes Gefühl. Als ich dann die Eins aufleuchten sah, war ich erleichtert! Unser Mechaniker Marco hat vor dem vierten Lauf noch gesagt: ,Versuche es einfach zu genießen.‘ Das habe ich auch getan.

2022 erlitt ich einen Knorpelschaden im linken Knie. Dank meines tollen Umfelds dachte ich aber nie ans Karriereende. Sie sagten mir immer: Wir schaffen das! Es war aber eine harte Zeit zurückzukommen. Ich bin so dankbar und gehe achtsamer durchs Leben, weil ich weiß, dass ich es genießen darf und es ein Privileg ist, den Sport ausüben zu dürfen – das auch noch gemeinsam mit einer so guten Freundin wie Laura.

Ich möchte noch weitermachen, bin fit und habe super viel Spaß mit Laura. Es ist aber im Gespräch, ob ich parallel ein Referendariat anfange, ich studiere auf Grundschullehramt.“

Johannes Lochner (35), Zweier- und Vierer-Bob: „Das schönste Karriereende, das ich mir vorstellen kann“

„Ich stand beim Rennen am Start und dachte nur: Geil, ich darf hier noch einmal runterfahren! Wir waren im Zweier in allen vier Läufen die Schnellsten. Insgeheim wusste ich, dass ich es hier in Cortina draufhabe, und mit Georg im Schlitten gewinnt man einfach. Unser Selbstbewusstsein hat uns beflügelt.

Als ich beim Zweier über die Ziellinie fuhr, habe ich es nicht glauben können, dass ich Olympiasieger bin. Ich sah die Zeit, die auch wieder gut war, aber es hat etwas gedauert, bis ich realisiert habe: Krass, jetzt habe ich diese Goldmedaille. Im Vierer war ich mir dann nach dem ersten Lauf sicher, dass wir gewinnen. Die Führung bauten wir bis zum Ende aus. Der letzte Lauf meines Bob-Lebens war dann zum Genießen und für die Ewigkeit.

Ich hatte harte Lehrjahre, musste oft mit zweiten Plätzen leben. Aber irgendwann habe ich die Kurve gekriegt. Früher scheiterte es noch an der Athletik am Start. Das klappt jetzt. Im Kopf war tief verankert, dass wir mit Gold heimfahren würden. Es funktionierte wie ein Automatismus.

Natürlich ist der Abschied vom Bobsport traurig, aber da ich schon so lange wusste, dass es meine letzten Rennen sein werden, bin ich gut darauf vorbereitet gewesen. So konnte ich die letzten Olympischen Spiele, meinen Last Dance, richtig genießen. Cortina ist ein Wohlfühlort! Es ist das schönste Karriereende, das ich mir vorstellen kann.“

Party-Alarm!: Sooo wild feiern die Gold-Girls

Quelle: BILD/ Instagram @teamdeutschland

Georg Fleischhauer (37), Zweier- und Vierer-Bob: „Gold ist meiner Mutter gewidmet“

„Die Goldmedaillen sind meiner Mutter Irene gewidmet. Ich hätte mir schon gewünscht, dass sie diesen Moment miterlebt hätte. Sie war indirekt mit dabei und hat hoffentlich gesehen, dass ich geschafft habe, wovon ich immer geträumt habe. Ich hatte ein Bild von ihr im Rennanzug dabei. Mein Papa und meine Stiefmama waren an der Bahn und fieberten mit. Hansi ([–>Lochner; d. Red.[–>) und seine Frau Hannah haben mich auch herzlich in die Familie aufgenommen. Das war wunderschön, weil alle wie eine Riesenfamilie bei diesen Rennen waren. Das spornte mich noch mehr an. Daher sagte ich mir: Ich will den Ausschlag geben, dass Hansi nicht immer der Zweite ist, sondern gewinnt. Mit Trainer Kevin Kuske habe ich meine Athletik perfekt in die Bobbahn gebracht. Er ist der Architekt hinter dem Projekt, der uns die Pläne erstellt, durch die wir so stark wurden.

Für mich waren es die ersten Olympischen Spiele. Früher war ich Hürdenläufer, da war mein Traum, einfach nur bei Olympia dabei zu sein. Jetzt bin ich sogar Olympiasieger. Wahnsinn! Ich mache noch weiter, schaue aber von Jahr zu Jahr. Bei wem ich dann im Bob sitze, werden wir sehen.“

Jörn Wenzel (21), Vierer-Bob: „Jetzt probiere ich es als Pilot“

„Ich habe drei super erfahrene Athleten in meinem Team, dadurch war ich gar nicht so aufgeregt, wie ich es bei meinen ersten Olympischen Spielen gedacht hätte. Ich bin dankbar, dass mich die Jungs auf diese Reise mitgenommen haben und dass sie mir vertraut haben. Im ersten Lauf habe ich hinten im Bob gespürt, dass wir vor der Kurve zwei keine Bande gekriegt haben und super durchgekommen sind. Da merkt man: Geil, das passt! Nach der Neun tänzelte das Heck leicht, aber wir brechen nicht aus. Dass wir Gold geholt haben, ist unglaublich. Ich werde mich jetzt als Pilot versuchen, teste in Oberhof und Altenberg, wie es an den Lenkseilen funktioniert.“

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