Das 6:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen die Slowakei war eine Machtdemonstration, ein Fußball-Fest – aber noch kein Grund für überzogene Euphorie.
Ex-Nationalspieler und TV-Experte Lothar Matthäus (64) schreibt in seiner Sky-Kolumne: „Bei allem Respekt vor diesen Gegnern, Deutschland will sich mit den Besten messen, und das sind die anderen Gruppensieger wie England, Portugal oder Frankreich.“
Allerdings sieht der Rekordnationalspieler die DFB-Elf nach der geschafften WM-Quali auf einem guten Weg: „Wenn wir das abrufen, was wir in Leipzig gezeigt haben, sind wir auf Augenhöhe mit diesen Mannschaften.“
„Lass mal solche Sprüche weg“: Deutschlands Turnier-Stärke plötzlich weg?
Beim 6:0 gegen die Slowaken überzeugte das Team als Mannschaft, gerade die zuletzt in der Kritik stehenden Leroy Sané (29/Galatasaray) und Florian Wirtz (22/Liverpool) zeigten starke Leistungen, zudem Joshua Kimmich (30/Bayern), Nico Schlotterbeck (25/Dortmund) oder Serge Gnabry (30/Gnabry). Dass Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) bei der Vergabe der Kaderplätze für die WM eine große Auswahl hat, zeigten auch die Tore der eingewechselten Leipziger Ridle Baku (27) und Assan Ouédraogo (19).
Matthäus stellt klar: „Der Kader ist mit Blick auf die WM auch in der Breite sehr gut aufgestellt, Leistungsträger wie Jamal Musiala, Kai Havertz, Antonio Rüdiger und Marc-André ter Stegen arbeiten an ihrer Rückkehr. Das heißt aber nicht, dass sie auch gleich spielen werden.“
Der TV-Experte sagt weiter: „In der aktuellen Nationalmannschaft gibt es kaum einen, der nicht ersetzbar ist, niemand hat einen Freifahrtschein. Dadurch wird die Konzentration bis zur WM hochgehalten und jeder wird Gas geben, um den Trainer zu überzeugen.
Die Quali-Runde hatte in Nick Woltemade (4 Tore) und Serge Gnabry (3) ihre Gewinner. Inklusive des letzten Debütanten Assan Quedraogo, der mit einem Blitztor glänzte, setzte der Bundestrainer in sechs Partien 30 verschiedene Spieler ein. Torwart Oliver Baumann war der einzige, der von der ersten bis zur letzten Minute auf dem Platz stand.
Matthäus erwartet ein spannendes Personal-Puzzle im Hinblick auf die WM: „Spielt Musiala oder Gnabry? Spielt Havertz oder Woltemade? Das Schöne für Julian Nagelsmann ist, dass er im nächsten Jahr eine große Auswahl hat. Für einen Trainer ist es das Wunderbarste, wenn er Qualität für Qualität in die Mannschaft bringen kann.“

