Kaiserslauterns Erfolgstrainer über Legende Walter, Vorgänger Funkel, Ex-Bundestrainer Löw und den Aufstieg.

SPORT BILD: Herr Anfang, wenn Sie auf den Betzenberg fahren, am Elf-Freunde-Kreisel vorbei Richtung Fritz-Walter-Stadion, und wissen: Gleich warten knapp 50 000 Zuschauer auf Sie und Ihr Team – was geht Ihnen da durch den Kopf?

Markus Anfang (50): [–>Pure, positive Emotionen. Ich weiß natürlich, wie die Stimmung sein kann und was du dort bewirken kannst. Das können richtige Fußballfeste werden.

Was macht den Betze aus?

Manche Dinge kannst du nur fühlen. Deswegen ist es schwierig, das mit Worten zu transportieren. Wie in Köln. Du kannst Kölsch trinken, Kölsch reden, Kölsch singen – Kölsch fühlen. Das ist hier genauso.

Sie sind gebürtiger Kölner. Haben Sie sich schon an die Weinregion Pfalz gewöhnt?

Ich trinke gerne Wein. Aber in meinem Büro gibt es auch mal ein Kölsch. Wir haben bei uns einen Kühlschrank, da trinken wir nach einem erfolgreichen Spiel auch schon mal ein Reissdorf …

Rote Riesen! Die Lautern-Profis feiern den 1:0-Treffer gegen Karlsruhe (Endstand 3:1)

Foto: Uwe Anspach/dpa

Sie gelten als nahbar, sind häufig in der Stadt und kommen immer wieder mit Fans ins Gespräch.

Ist doch egal, ob du in einer Bäckerei arbeitest, am Band stehst oder Trainer bist. Nur weil ich einen anderen Job habe, heißt es ja nicht, dass ich ein besserer Mensch bin. Also bewege ich mich auch ganz normal durch die Stadt. Und wenn die Leute mit mir reden wollen, dann können sie das gerne machen. Dafür bin ich auch dankbar. Ich finde das gut und wichtig, den Leuten außerhalb des Stadions zu begegnen.

Mit welchen Themen kommen die Fans auf Sie zu?

Es gibt immer mal Empfehlungen (lacht). In der Regel kommt rüber, dass die Leute sich wahnsinnig mit dem Verein identifizieren. Sie sprechen dich immer auf den FCK an und dass sie erfolgreich sein wollen.

Zwischen 2002 und 2004 waren Sie hier als Spieler aktiv. Damals haben Sie in Alsenborn gewohnt, in der Parallelstraße von Klub-Legende Fritz Walter.

Er ist leider in dem Sommer gestorben. Bei meinem ersten Heimspiel gab es eine große Choreo. Wir haben mit Trauerflor gespielt.

Walter mit dem WM-Pokal 1954

Walter mit dem WM-Pokal 1954

Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Fritz Walter hat eine goldene Ära geprägt. Was kann das heutige Kaiserslautern von damals lernen?

Im Vergleich dazu sind wir ganz kleine Lichter. Ich denke, dass die Spieler damals viel weniger Möglichkeiten hatten als wir heute und trotzdem das Maximum rausgeholt haben. Sie waren sehr demütig. Fritz Walter auch, trotz der großen Erfolge. Das finde ich beeindruckend.

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Quelle: Snapchat: boniface_jr24

Apropos Demut. Ihr Vorgänger Friedhelm Funkel meinte zu uns, dass Sie ruhig mal vom Aufstieg träumen dürften.

Ich rufe ihn mal an (lacht).

Träumen Sie denn?

Ich bin Realist. Wir können ambitioniert sein, aber das hat nichts mit Träumen zu tun. Du kannst dir alles erarbeiten. Ich glaube, in der Liga können wir jeden schlagen. Und da sind wir wieder bei Fritz Walter: demütig sein! Arbeiten!

Noch mal zurück zu Funkel. Sie haben ihn zuletzt im Oktober bei einem Benefizspiel getroffen. Was haben Sie da mit ihm besprochen?

Also ich muss ja jetzt mal ehrlich sagen: Als ich im Sommer in den Urlaub geflogen bin, habe ich auf dem Weg zum Hotel – kurz nach der Landung – Friedhelm angerufen. Denn ich habe Thomas (Hengen; d. Red.) und Enis (Hajri; Technischer Direktor) gesagt: Bevor ich unterschreibe, will ich einmal mit ihm sprechen. Und ich habe lange mit Friedhelm geredet! Bestimmt 45 Minuten. Vom Flughafen bis ins Hotel.

Friedhelm Funkel rettete Lautern vergangene Saison vor dem Abschied

Friedhelm Funkel rettete Lautern vergangene Saison vor dem Abschied

Foto: picture alliance/dpa/Revierfoto

Und worum ging es?

Friedhelm kennt die Region als Spieler und als Trainer. Dann kann er dir natürlich wertvolle Informationen geben. Und wenn man sich dann wieder trifft, wie bei dem Benefizspiel, dann redest du natürlich über das eine oder andere wie: Wieso spielt der Spieler jetzt mehr, wieso der jetzt weniger? Oder: „Ja siehste, habe dir doch gesagt, dass das ein Spieler ist, den du immer bringen kannst.“ Ich wollte ihn eh noch mal anrufen …

Wie ist eigentlich Ihr Verhältnis zu Joachim Löw? Er war zwischen 2001 und 2002 Ihr Trainer beim FC Tirol.

Er war unheimlich menschlich, jetzt immer noch. Als er Nationaltrainer war, konntest du ihn jederzeit anschreiben, er hat immer geantwortet. Demütig! Ich habe ihn jetzt vor Kurzem noch mal bei der Bundesliga-Trainertagung getroffen.

★★★

Anfang holt sein Handy raus und zeigt den Chatverlauf einer WhatsApp-Gruppe. Zu sehen: ein Foto von ihm und Löw – Arm in Arm.

★★★

Wir haben eine FC-Tirol-Gruppe mit dem Team von damals. Als ich bei der Tagung war, habe ich das Foto mit Jogi reingestellt. Und danach ging es los: Alle haben es gefeiert!

Ex-Bundestrainer Joachim Löw wurde 2014 mit Deutschland Weltmeister

Ex-Bundestrainer Joachim Löw wurde 2014 mit Deutschland Weltmeister

Foto: Swen Pförtner/dpa

Aber Löw ist nicht in der Gruppe?

Nee. Aber wir rufen ihn trotzdem an, wenn irgendwas ist. Bei der Bundesliga-Trainertagung hat er auch gesagt, dass ich mich jederzeit gerne bei ihm melden kann.

Als Sie ihn getroffen haben, gibt er Ihnen dann schon mal einen Rat für Ihren neuen Job mit?

Der kann mir nichts raten. Ich habe meinen eigenen Kopf, ich bin stur (lacht). Außer jetzt zum Beispiel bei Friedhelm, weil er die Mannschaft kennt.

Welche Schlagzeile wollen Sie am Ende der Saison lesen?

Die beste Schlagzeile ist die, in der ich nicht vorkomme. Dafür aber die Spieler und der Verein.

Und was ist mit „Anfang erfüllt seinen Traum von der 1. Liga“?

Wenn das irgendwann der Fall sein sollte, dann können Sie das gerne als letzten Satz machen …

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