Riesentalent Johann Grünloh über einige ganz spezielle Zuschauer bei der Partie seines Klubs Rasta Vechta in der Easycredit Basketball-Bundesliga zuletzt gegen ratiopharm Ulm. Direkt gegenüber der Vechtaer Bank saßen in Reihe eins gleich sieben Vertreter, sogenannte Scouts, von NBA-Teams!
Nico Mathieu (Portland Trailblazers), Marius Flachenecker (Memphis Grizzlies), Stefano Lupattelli (Golden State Warriors), Rafael Juc (Denver Nuggets), Jakub Kudlacek (Charlotte Hornets), Jordan Sensi (Atlanta Hawks) und John Treloar (Atlanta Hawks) hatten Platz genommen, um Grünloh spielen zu sehen. Da kann man schnell mal ein zittriges Händchen beim Wurf bekommen.
Das Gute! Deutschlands größtes Center-Talent (2,12 Meter) kennt die Situation. Letzte Saison zum Spiel bei Alba Berlin waren die Scouts das erste Mal wegen Grünloh gekommen. In der Folge dann auch regelmäßig ins 33.000 Einwohner große Vechta zu den Spielen von Rasta, wo Johann seit 2019 aktiv ist.
Grünloh: „Ich habe mich eigentlich gut daran gewöhnt, versuche, nicht zu viel darüber nachzudenken. Man wusste vorher, bei dem Spiel gegen Ulm mit ihren Top-Talenten, dass da einiges zusammen kommen wird.“ Denn die Ulmer, neben Vechta und Braunschweig aktuell Deutschlands heißeste Talentschmiede, brachten mit Spielmacher Ben Saraf (18) und Power Forward Noa Essengue (18) gleich zwei Spieler mit, die auf dem Radar der NBA-Teams hochfliegen.
Auf dem Weg Richtung NBA: Ulms Spielmacher Ben Saraf
Um genau zu sein, waren es sechs Scouts, sogenannte „International Scouts“, die dauerhaft in Europa tätig sind. Dazu kam John Treloar (Director of Player Personnel) von den Atlanta Hawks, sozusagen der Kaderplaner des Ex-Klubs von Dennis Schröder (2013 – 2018), der eigens aus den USA angereist war.
Johann Grünloh: Hier scouten sechs NBA-Teams das Super-Talent von Rasta Vechta
Gerrit Kersten-Thiele (44), Sportdirektor von Rasta zu SPORT BILD: „Ein, zweimal im Jahr kommen auch Entscheidungsträger aus den USA nach Europa und machen sich hier ein Bild von den Spielern. Mittlerweile ist es schon so, dass sich regelmäßig hier Leute ankündigen, um sich Johann anzusehen, um seine Entwicklung zu verfolgen und auch Informationen auszutauschen.“
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Wenn die NBA nach Vechta kommt, führt der Weg über den Sportdirektor. Kersten-Thiele ist in Kontakt mit den Scouts, dabei ein viel gefragter Mann. „Es wird direkt nach Johann gefragt, wie er arbeitet, wie er trainiert, wie er sich entwickelt. Die kommen auch bei uns ins Training und schauen sich das an. Auch da sind die Türen für NBA Scouts offen“, erzählt Kersten-Thiele.
Schon im vergangenen Sommer lockten die USA. College-Teams buhlten um Johann, der dort ein Vielfaches seines Bundesliga-Gehalts hätte verdienen können. Doch er blieb, weiß, was er an und in Vechta und dem gewohnten Umfeld hat. Rekord-Nationalspieler und Dyn-Experte Patrick Femerling (50): „Johann ist ein super interessanter Spieler. Das ist natürlich eine Bestätigung seiner Leistung, dass ihn so viele Leute anschauen.“

Grünloh sagt über seine Spielzeit bisher: „Zwischendurch ist meine Saison manchmal ein wenig durchwachsen, aber ich glaube, doch relativ positiv. Die Dreier fallen gut, ich blocke die Würfe weg. Momentan glaube ich 1,8 Blocks im Schnitt, da bin ich sehr zufrieden mit. Ich könnte gerade offensiv noch mehr Rebounds einsammeln.“
Im Schnitt erzielt Johann 8 Punkte, 5 Rebounds und eben 1,8 Blocks pro Bundesliga-Spiel und drückt mittlerweile auch öfter aus der Distanz ab: Letzte Saison warf er ganze sechs Dreier, traf davon zwei, wobei auch keine Spielsysteme dafür vorgesehen waren. Diese Spielzeit versenkte er 20 Versuche bei 53 Versuchen (knapp 38 Prozent) – ein sehr guter Wert und wichtig für die NBA.
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Auch von Center-Riesen, dazu so agilen wie Johann, wird im modernen Basketball eine passable Dreier-Quote erwartet. Femerling: „Grünloh erinnert mich ein bisschen an Ivica Zubac von den L.A. Clippers. Wenn er vielseitiger werden kann, seinen Dreier noch besser etablieren kann, ist das natürlich ein zusätzliches Plus.“Kersten-Thiele erwartet die Meldung von Grünloh für den kommenden NBA Draft: „Er wird sich noch anmelden als ‚early entry‘.“
‘Early entry‘ (Auf Deutsch: vorzeitiger Eintritt) bedeutet, dass Johann die Möglichkeit hat, seine Anmeldung wieder zu streichen, sollte ihm die Perspektive nicht passen. Der Center zu SPORT BILD über die bevorstehende Entscheidung zum Draft: „Es steht noch nicht ganz fest, ist aber wahrscheinlich. Da kommt es jetzt ganz darauf an, wie sich die nächsten Wochen entwickeln.“

Bis zum 15. Juni hat Grünloh dann Zeit, seine Zukunftschancen in der NBA auszuloten und gegebenenfalls seinen Namen doch wieder von der Draft-Liste zurückzuziehen. Wovon hängt das ab? Grünloh: „Da zählt auf jeden Fall erst mal das Feedback der Agentur, die reden mit den ganzen Teams. Ich hoffe natürlich auf positives Feedback. Dann kommt es darauf an, welchen Plan das Team mit dir hat.“
Würde Grünloh erst in der zweiten Rundes des Drafts gewählt, wäre ihm ein NBA-Vertrag beziehungsweise ein Kaderplatz nicht zwingend garantiert. Sollte es so kommen, bliebe die Option College oder noch eine Saison in der BBL. Was die Fans in und um Vechta angeht, wäre ein weiteres Jahr Bundesliga natürlich der Traum. Und dann käme auch weiterhin die NBA-Prominenz nach Niedersachsen.



