Nach jedem Sieg wird Henrik Haukeland (30) zum Artisten. Der Torhüter der Straubing Tigers setzt seinen Schläger auf die Nase und balanciert diesen mehrere Sekunden lang, während er über das Eis gleitet. Die Fans feiern ihn dafür mit lang anhaltenden Gesängen. Der Beifall gehört dem Norweger meistens allein, denn während er seine Ehrenrunde läuft, sind die Mitspieler längst in der Kabine.

Derzeit zeigt Haukeland seine Showeinlage sehr oft. Denn mit den Straubing Tigers führt er sensationell die DEL-Tabelle an. Mit 45 Punkten nach 19 Spielen liegen die Niederbayern acht Punkte vor dem Zweiten Ingolstadt.

Eishockey-Star überrascht: Lustiger Müller-Moment mit Draisaitl

Quelle: BILD

„Als ich noch in Norwegen gespielt habe, wollten die Fans, dass der Torwart nach dem Spiel etwas zeigt. Mein damaliger Torwarttrainer hat mir den Trick mit dem Balancieren beigebracht. So hat das Ganze angefangen“, sagt Haukeland.

Dreimal spielte Haukeland in dieser Saison schon zu null (ein sogenannter „Shutout“) – das ist Liga-Bestwert. Der norwegische Nationaltorhüter ist der große Rückhalt des Überraschungsteams, dessen Etat von sechs Millionen Euro nur DEL-Mittelmaß ist. Klubs wie Mannheim, München und Berlin haben das Doppelte zur Verfügung. „Wir sind das kleine gallische Dorf, das die Großen ärgert“, sagt Manager Jason Dunham (55).

„Wir haben nicht das meiste Geld, sind dafür aber eine Familie, in der sich jeder reinschmeißt und für den anderen kämpft“, sagt Co-Kapitän Marcel Brandt (33), mit zehn Treffern torgefährlichster Verteidiger der DEL. „Wir haben Spieler im Team, die woanders mehr Geld verdienen könnten, aber trotzdem lieber bei uns spielen, weil wir so eine tolle Gemeinschaft sind und viel Spaß haben.“

Der Spaß fing schon in der Vorbereitung in Südtirol an. Da mussten die jungen Neuzugänge im Kleid, mit einer Musikbox in der Hand durch ein Restaurant tanzen und dabei singen. Nach jedem Sieg legt der Kabinen-DJ Stefan Loibl (29) den Schlager „Bella Napoli“ (Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys) auf, und die Spieler schunkeln dazu.

Die Tigers von Trainer Craig Woodcroft (55) spielen aggressiv und offensiv. „Bei uns gibt es die Sieben-Sekunden-Regel“, sagt Brandt. „Länger soll die Scheibe nicht bei uns in der Verteidigungszone sein. Dann geht es ab nach vorne.“ Vor allem zu Hause in der hitzigen Halle am Pulverturm (5600 Plätze) sind die Tigers eine Macht. „Wir legen ab der ersten Sekunde los wie die Feuerwehr“, sagt Brand.

Brand ist sich sicher: „Mit dieser Mannschaft ist viel drin – mindestens das Halbfinale.“

ttn-36