Franck Ribéry (41): Er ist Linksfuß, kein Rechtsfuß wie ich – das ist schon mal ein Unterschied. Aber er ist Offensivspieler, kommt wie ich über links und rechts. Seïf will immer Tore schießen. Da ist er wie der Papa, das ist schön. Am wichtigsten ist: Er ist ein guter Junge, hat einen guten Charakter. Seïf hat es nicht einfach, weil sein Name „Ribéry“ ist. Alle schauen genauer auf ihn als auf andere Spieler. Seïf hat Spaß am Fußball, aber er weiß, dass Erfolg nur von harter Arbeit kommt. Und vom Respekt für die Mitspieler und Gegner!
Der FC Bayern spielt in Ihrem Leben weiter eine große Rolle, Ihr Lebensmittelpunkt ist München. Nun stehen in der Champions League Duelle gegen Inter Mailand an. Wer ist für Sie der Favorit?
Es gibt keinen Favoriten. Beide sind gut drauf. Das erste Spiel zuhause wird für Bayern sehr wichtig, denn im San Siro zu gewinnen und überhaupt ein Tor zu schießen, ist schwierig. Inter macht es seit ein paar Jahren sehr gut, hat eine super Struktur in der Mannschaft. Simone Inzaghi ist ein guter Trainer, aber auch Vincent Kompany genießt das volle Vertrauen seiner Mannschaft. Nun muss Bayern fit und bereit für diesen einen Moment sein.
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Genau in diesem Moment fallen mit Alphonso Davies, Dayot Upamecano und Hiroki Ito drei wichtige Abwehrspieler aus.
Die Verletzung von Phonzy hat mich traurig gemacht. Ich weiß noch, wie er als kleiner Junge zu uns Profis kam. Er war unerfahren, musste lernen. Aber Phonzy hat viel an sich gearbeitet. Er ist für die Bayern sehr wichtig, auch wegen seiner Aktionen in der Offensive. Upa ist für mich der Boss in der Abwehr. Er gibt der Defensive Energie, ist ein „Abwehr-Kapitän“. Diese Spieler zu ersetzen, wird schwer. Dazu kommt Manu …
Manuel Neuer läuft Gefahr, die Spiele ebenfalls zu verpassen. Was bedeutet das?
Manu ist Manu. Er hat eine unglaubliche Präsenz. Wenn du mit ihm in ein Spiel gehst, bist du viel gelassener. Weil du weißt: Mit ihm kann hinten erst mal nichts passieren.
Sie haben selbst eine Historie mit Inter Mailand: 2010 verpassten Sie das Finale der Königsklasse in Madrid gegen Inter wegen einer Rot-Sperre. Wie denken Sie an diesen Tag zurück?
Das war das schlimmste Spiel meiner Karriere. Wir hatten zuvor das Halbfinale gegen Lyon, das Hinspiel zu Hause in der Allianz Arena. Ich habe ein Foul gemacht, das hart war. Ich wollte meinen Gegner Lisandro López nicht verletzen, habe ihm aber einen harten Schlag gegeben. Er hat danach weitergespielt. Die Rote Karte war ein Schock. Ich dachte danach direkt, dass ich nicht im Finale spielen kann. Wir haben alles probiert, mit der Hilfe von Karl-Heinz Rummenigge noch in Lausanne verhandelt. Aber am Ende hat es nicht geklappt. Ich bin dann mit nach Madrid gereist, war im Stadion, beim Warmmachen auf dem Platz, wollte mit meiner Präsenz der Mannschaft helfen. Die Niederlage war eine schlimme Erfahrung. Ich war sauer, in erster Linie auf mich selbst.
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Bis heute stehen Sie für Mentalität, selbst beim Franz-Beckenbauer-Cup brannten Sie darauf, zu spielen, und am Ende zu gewinnen. Hat die heutige Bayern-Mannschaft diesen Hunger?
Eine Mannschaft braucht vier, fünf Leader, denen die anderen folgen. Als Bayern-Spieler musst du wissen, dass nur das Gewinnen zählt. Und wenn du gewonnen hast am Samstag, dann kannst du dich ein paar Stunden freuen – und dann musst du die Mentalität haben, dich auf die nächste Aufgabe am Dienstag, Mittwoch vorzubereiten. Bayern-Spieler brauchen diesen Hunger. Entscheidend ist, dass alle verstehen: Wenn du das Bayern-Trikot überziehst, ist das eine Ehre – und der Anfang einer großen Verantwortung, nicht das Ziel.
Was genau bedeutet das für junge Spieler, wenn sie zu Bayern kommen?
Wenn du bei Bayern unterschreibst, dann bist du nicht am Ziel – dann geht es erst richtig los! Diese Mentalität müssen alle Spieler haben. Das hat Spieler wie Arjen Robben, Rafinha, David Alaba, Dante, Schweini oder Philipp Lahm ausgezeichnet.
Michael Olise wird als einer Ihrer Nachfolger gefeiert. Hat er das Bayern-Gen?
Das kann ich heute noch nicht sagen, denn er ist noch nicht einmal ein Jahr im Verein. Olise ist noch jung, er ist zum ersten Mal in einem großen Verein. Ich bin ehrlich: Ich kannte Olise nicht, bevor er zu Bayern kam. Bis jetzt macht er es sehr gut, auch bei der Nationalelf. Ich habe ihn nun entdeckt, es macht mir Spaß, ihm zuzusehen. Aber Olise muss die Leistungen bestätigen, wenn er einer der besten Spieler der Welt werden will: Nicht nur ein Jahr, sondern drei Jahre, vier, fünf! Auch hier geht es um Mentalität.
Muss Olise Deutsch lernen, um richtig anzukommen?
Ja, unbedingt. Olise muss Deutsch lernen, um den Verein zu verstehen. Das ist auch ein Zeichen des Respekts. Ich kann ihm nur raten: Er soll es probieren, Dinge sagen, auch wenn die Worte mal falsch sind. Ansonsten ist man zu oft in sich gekehrt, nicht offen. Ich habe ihn einmal an der Säbener Straße getroffen: Ich fühle, dass er lernen und Erfolg haben will.
Thomas Müller soll keinen neuen Vertrag bekommen. Was denken Sie über diese Entscheidung?
Ich persönlich hoffe, dass er noch ein Jahr beim FC Bayern bleiben kann. Ich kann mich erinnern, dass ich meinen letzten Vertrag erst sehr spät unterschrieben habe, im Mai 2018. Das war die gleiche Situation. Thomas ist für die Kabine sehr wichtig, hat einen großen Einfluss. Er ist wichtig, egal, ob er 90 Minuten oder fünf Minuten spielt. Thomas hat so viel gemacht für den Verein, für die Stadt München. Wenn er noch ein Jahr spielen möchte, dann sollte der Verein ihm diesen Kontrakt geben.
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Müllers Nachfolger auf dem Feld ist Jamal Musiala. Kann er Bayern im Finale dahoam zum Titel schießen?
Musiala gefällt mir sehr gut. Und er ist ein netter Junge, der auf dem Boden bleibt. Musiala will immer arbeiten, er kann in jedem Spiel den Unterschied machen.
Wer gefällt Ihnen besser: Florian Wirtz oder Musiala?
Beide sind außergewöhnlich, haben aber einen unterschiedlichen Stil. Deutschland kann glücklich sein, diese Ausnahme-Talente zu haben. Wann gab es das zuletzt in Deutschland?
Sollte Bayern Wirtz holen?
Wenn es irgendeine Möglichkeit gibt, MUSS Bayern Wirtz holen. Musiala und Wirtz können in einer Mannschaft sehr gut zusammenspielen. Sie sind gleich, weil sie beide ein unheimliches Talent haben. Aber sie sind in ihrer Art zu spielen nicht gleich. Gute Fußballer verstehen sich immer auf dem Feld. Vielleicht müsste der FC Bayern ein bisschen das System anpassen, weg von den klassischen Flügelstürmern. Ich würde mit einer echte Nummer 9 spielen und dahinter auf den Halbpositionen mit Wirtz und Musiala, etwas weiter innen: Dann bleibt die Außenbahn immer noch für offensivstarke Außenverteidiger. Das könnte sehr gut funktionieren.



