SPORT BILD: Herr Selke, im Sommer wechselten Sie zu Basaksehir FK Istanbul. Wie gefällt Ihnen Ihr neues Leben in der Türkei?
Davie Selke (30):[–> Meine Familie und ich fühlen uns super wohl in Istanbul, es ist eine faszinierende und lebenswerte Stadt. Basaksehir ist ein sehr familiärer Klub, er wird sehr professionell geführt, die Verantwortlichen legen sehr viel Wert auf hohe Standards. Die Voraussetzungen für uns Spieler haben gehobenes Bundesliga-Niveau. Nur an die türkischen Schiedsrichter muss ich mich noch gewöhnen (lacht).
Was meinen Sie damit?
Meine Spielweise ist körperbetont, intensiv. Zuletzt, gegen Kasimpasa, sah ich deshalb Gelb-Rot und fehlte gegen Fenerbahçe Istanbul. In Deutschland wäre ich deswegen niemals vom Platz gestellt worden. Eine neue Erfahrung – von einigen, die ich bisher in der Türkei sammelte.
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Zum Beispiel?
Die Spielweise in der Süper Lig ist anders als in der Bundesliga. Es gibt während eines Spiels viel öfter einen Schlagabtausch, während in Deutschland die taktische Herangehensweise strukturierter ist. Dazu ist die Stimmung in den Stadien anders als in der Bundesliga, in einigen ein Stück weit noch emotionaler.
Bisher ist bekannt, dass Sie bei Basaksehir einen Zweijahresvertrag unterschrieben haben. Nach SPORT BILD-Info kann sich der Kontrakt aber bis 2028 verlängern, wenn Sie in der Saison 2026/27 eine gewisse Anzahl von Einsätzen erreichen. Stimmt das?
Ich würde es eher als Dreijahresvertrag bezeichnen. Ins Detail möchte ich aber nicht gehen.
Sie wurden vergangene Serie mit 22 Treffern Zweitliga-Torschützenkönig und haben einen großen Anteil am Aufstieg des Hamburger SV. Wieso wechselten Sie im Sommer 2025 in die Türkei?
Als feststand, dass es beim HSV für mich nicht mehr weitergeht, war klar: Es kommt nur ein Wechsel ins Ausland infrage. Ich hätte in Deutschland bleiben können, ich hatte Möglichkeiten aus der Bundesliga.
Aber?
Ich erlebte in Hamburg mit dem Aufstieg und den Feierlichkeiten emotional eine unglaubliche Zeit. Darum wäre ein Wechsel innerhalb Deutschlands zu dem Zeitpunkt dem HSV nicht gerecht geworden. Dazu wollten meine Frau und ich auch mal im Ausland unsere Erfahrungen sammeln. Spanien, Italien waren unter anderem Optionen – am Ende hat das Gesamtpaket von Basaksehir FK am besten gepasst. Schade nur, dass es im Sommer mit der Quali für die Conference League nicht geklappt hat.
Wie schwer war der Abschied aus Hamburg?
Natürlich war die Zeit im Sommer emotional sehr herausfordernd für mich. Aber mit etwas Abstand hat man das Thema verarbeitet. Mir ist nur wichtig, dass die Darstellung passt. Mein Plan war immer, dass der Weg für mich beim HSV weitergeht. Ich habe angesichts der sehr erfolgreichen Saison in den Vertragsgesprächen maximale Kooperation gezeigt, dass wir eine Lösung finden. Mehr Bereitschaft war meinerseits kaum möglich. Leider kamen wir dennoch nicht zu einem positiven Ergebnis.
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Wie bewerten Sie Ihre Zeit in Hamburg?
Als Fußballer hatte ich beim HSV meine schönste Zeit. Dabei war der Start für mich und für die HSV-Fans etwas speziell. Ich kam als Ex-Bremer, wir mussten uns erst ein wenig beschnuppern.
Doch dann haben Sie als Torjäger und Leader die Herzen der HSV-Fans für sich gewinnen können …
Ich wollte unbedingt meinen Teil dazu beitragen, dass der HSV endlich aufsteigt. Das haben wir geschafft, auch durch die unglaubliche Unterstützung der Anhänger. Darauf bin ich sehr stolz. Es war leider nur ein Jahr, aber die Zeit wird immer in meinem Herzen bleiben. Und ich hoffe und würde mich freuen, wenn die HSV-Fans das auch so empfinden.
Schafft der HSV den Klassenerhalt?
Davon bin ich überzeugt. Diese Wucht, die im Volkspark gemeinsam mit den Fans entsteht, ist ein unglaublicher Bonus. Das sah man zuletzt gegen Werder, gegen Stuttgart oder Dortmund. Das Trainer-Team um Merlin Polzin, Loic Favé und Richard Krohn macht einen guten Job. Dazu hat die Mannschaft mit den Last-Minute-Verpflichtungen (Fábio Vieira und Sambi Lokonga kamen vom FC Arsenal; d. Red.) an Qualität dazubekommen und die neue Spielweise adaptiert.
Könnte eine Bundesliga-Rückkehr für Sie nochmals ein Thema werden?
Natürlich. Es gab im vergangenen Sommer Themen – und es wird auch in Zukunft wieder Möglichkeiten geben, die mir eine Rückkehr ermöglichen könnten. Außerdem bin ich sehr stolz darauf und glücklich, in Deutschland für viele große und Traditionsvereine (Werder, Köln, HSV, Hertha und Leipzig) gespielt zu haben – und meine Karriere ist noch lange nicht vorbei.
In der Sie einige Trainer hatten. Wer hat Sie am meisten geprägt?
Steffen Baumgart, mit dem ich in Köln erstmals zusammengearbeitet habe – und ohne den ich 2024 nicht zum HSV gekommen wäre. Eine absolute Vertrauensperson für mich. Wir trafen uns zuletzt in Istanbul. Viktor Skripnik, der mir bei Werder 2013 die Chance bei den Profis gab. Pal Dardai bei Hertha, eine Vater-Figur für die Spieler. Dazu gehört auch Horst Hrubesch, zu dem ich im Juniorenbereich beim DFB eine ganz tolle Beziehung hatte.


