Lieber Luis Diaz,
nein, ich will mich an dieser Stelle nicht entschuldigen. Ich bleibe dabei, was ich zuletzt jede Woche geschrieben habe: Du warst einfach zu teuer.
70 Millionen Euro Ablösesumme an den FC Liverpool!
Du kannst zwar nichts dafür, dass der Transfermarkt immer verrückter wird. Doch SIEBZIG Millionen, das kann man drehen und wenden, wie man will. Es sei denn, Du gewinnst im nächsten Jahr den Ballon d’Or…
10 Spiele, 10 Siege: Bayern gönnen sich ihr Belohnungs-Bier
Und damit wären wir auf der anderen Seite: Woche für Woche wird das Eis, auf dem ich mich bewege, dünner. Denn Du triffst, in Frankfurt zuletzt sogar zweimal. Und mit jedem Tor steigt Dein Marktwert. Was war da deine Frau Mama stolz auf ihren Sohn, den sie am Sonntag mit ihrer Schwiegertochter auf die Wiesn (das Münchner Oktoberfest) begleitete. Nicht allein die Fans, die Leute insgesamt und vor allem die Kollegen begegnen Dir mit Respekt, mit Freundlichkeit. Obwohl Du kein Deutsch lernst, lieber Englisch, damit Du Dich mit allen in der Mannschaft verständigen kannst. Auch das muss man nicht verstehen, auch wenn Du nicht verschlossen bist. Und fast immer mit einem Lächeln antwortest.
Es ist schon unheimlich, was Du da geleistet hast. Ich bin ein alter Knochen, habe seit den Sechzigern schon so viele sogenannte Stareinkäufe beim FC Bayern scheitern sehen (vor allem auf der linken Seite), dass ich damit locker ein Buch vollschreiben könnte. Doch Du bist gekommen und hast mit einer Coolness Tore geschossen, dass man Max Eberl, dem Verantwortlichen für den Kader, nur gratulieren kann. 41 Tore hast Du in zweieinhalb Jahren für Liverpool erzielt. Das kannst Du locker auch in München schaffen, obwohl Du schon kritisiert wurdest, dass Du zu viele Torchancen vergibst (auch von mir). Allein die Tatsache, dass Du da stehst oder dahin läufst, wo es brennt, spricht für Dich. Ich will jetzt nicht sagen, in Dir steckt etwas von Gerd Müller. Oder doch?
Für den FC Bayern ist es wie ein Sechser im Lotto, dass sie jetzt einen Sturm haben mit dem Publikumsliebling Michael Olise (23), der mit dem Ball verheiratet scheint. Mit Harry Kane (32), der sich in München fußballerisch unglaublich gesteigert hat, eine unheimliche Form offenbart. Und jetzt mit Dir, lieber Luis Diaz (28). Da können die Verantwortlichen nur beten, dass dieses Trio den Verlockungen anderer Klubs widersteht. Da ist ja nicht nur die Premier League mit ihren unmoralisch hohen Geldern. Jeder Fußballer fühlt sich geehrt, wenn Real Madrid anklopft oder der FC Barcelona. Wer sportliche Ambitionen hat und nicht unfassbar reich werden will in Saudi Arabien, für den sind auch die beiden Mailänder Klubs, Neapel oder Juventus Turin verlockend. Doch der wirtschaftlich wie sportlich wohl geführte FC Bayern hat sie in seinem Jubiläumsjahr (beachte das SPORT BILD-Buch „125 Jahre Bayern München“) unter Trainer Vincent Kompany wohl alle überholt.
Ich glaube nicht, dass Kompany Angst haben muss vor der traditionellen Herbstkrise der Bayern, über die sogar die Koryphäen Dettmar Cramer 1977, Jupp Heynckes 1991 und Carlo Ancelotti 2017 gestolpert sind. Es ist sogar ein Vorteil, dass der Kader nicht vollgespickt ist mit komplizierten, launischen Diven (siehe Musterprofis wie Konrad Laimer), dass junge Spieler wie Tom Bischof oder Lennart Karl in die Mannschaft drängen. Und wenn die Mannschaft im Winter durch Verletzungen geschwächt wird, sind Jamal Musiala und Alphonso Davies hoffentlich wieder genesen. Auch wenn sie momentan nicht schwer vermisst werden – der Ruf nach ihnen kann schnell wieder laut werden. Nicht kann, er wird natürlich wieder laut.
Babbel über Hoeneß: „Bloßstellung eines Max Eberls“
Ab sofort werde ich – vielleicht jede Woche – daran erinnern, dass eine Vertragsverlängerung hohe Priorität haben sollte. Und zwar die von Manuel Neuer. Der Kapitän wird am 27. März 2026 ein Vierziger. Ein neuer Vierjahresvertrag ist durchaus zu verantworten. Neuer, meist wenig beschäftigt, hielt auch in Frankfurt wieder zwei wohl Unhaltbare. Er hat als Kapitän eine unglaubliche Ausstrahlung. Und er gibt der Mannschaft als letzter Mann, den man immer anspielen kann, unbezahlbare Sicherheit, innere Ruhe. Wenn man dran denkt, dass Italiens Torwart-Gott Gianluigi Buffon, heute Sportchef der italienischen Nationalmannschaft, vor zwei Jahren erst mit 45 seine Laufbahn bei Parma beendete, dann ist Neuer mit 44 im Tor kein Hirngespinst.
Wie heißt es so schön in Anlehnung an den römischen Staatsmann Cato den Älteren, 200 vor Christus? Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Vertrag mit Neuer verlängert werden muss!


