Warm eingepackt in eine dicke Winterjacke und mit Handschuhen stand Brasiliens neues Wunderkind Estêvão nach dem Super-Sieg seines FC Chelsea über den FC Barcelona am Mikrofon bei Prime Video. Dazu das breiteste Lächeln, das man sich nur vorstellen kann.
Kein Wunder. Denn der erst 18 Jahre alte Offensivstar erwischte einen Sahne-Abend beim 3:0-Erfolg gegen Barça. Er selbst erzielte das zwischenzeitliche 2:0, nachdem er zwei Barça-Verteidiger schwindelig gedribbelt und eiskalt und unhaltbar unter der Latte eingenetzt hatte. Bezeichnend: Barça-Verteidiger Alejandro Balde blieb nach dem Zauber-Tor noch einen Augenblick auf dem Rasen liegen, bedient, nach dem, was ihm gerade widerfahren war.
„Mir fehlen wirklich die Worte, um zu erklären, wie ich mich gerade fühle. Es war wirklich die perfekte Nacht“, erklärte Estêvão strahlend bis über beide Ohren: „Es war ein besonderes Tor für mich. Es ging alles sehr schnell, ich habe mich irgendwie durchgeschlängelt. Ich hoffe, es werden noch viele weitere Tore folgen. Es war der beste Moment meiner Karriere.“
Das Duell in der Champions League zwischen Chelsea und Barça war auch gleichzeitig das Duell der beiden Super-Talente Estêvão und Lamine Yamal (18). Diese Runde ging eindeutig an den Brasilianer. Yamal gelang an diesem Abend keine nennenswerte Aktion. Und so titelte auch die englische Zeitung „Daily Mail“: „Estêvão gewinnt den Kampf der Wunderkinder gegen Yamal“
Bitter: Von den Chelsea-Fans wurde der Spanier, der Zweiter bei der Ballon-d’Or-Wahl wurde, sogar verspottet, als „besch*** Version“ von Estêvão verhöhnt. Ihren neuen Superstar feierten die „Blues“-Anhänger hingegen mit seinem neuen Spitznamen: „Steveo, Steveo“ hallte es immer wieder durch das Stadion an der Stamford Bridge.
Estêvão ist der neue Star am Himmel Brasiliens und über dem Londoner Stadtteil Chelsea. Er ist seit Wochen in Weltklasse-Form, hat großen Anteil am Aufschwung der brasilianischen Nationalmannschaft und bei Chelsea. In den Geschichtsbüchern hat er sich längst schon verewigt. Als jüngster Brasilianer aller Zeiten erzielte er in der Premier League einen Siegtreffer – im Alter von 18 Jahren und 163 Tagen. Es war gleichzeitig sein erster Treffer überhaupt in England – und das ausgerechnet gegen den Meister FC Liverpool. Einstand nach Maß.
Auch auf den Spuren von Brasilien-Legende Pelé wandelt er schon. Er ist nach dem Idol der zweitjüngste Brasilianer, der für sein Land fünf Tore geschossen hat. Pelé gelang das sogar schon im Alter von 17 Jahren. Sein Potenzial wurde schon früh erkannt. So bekam er schon mit zehn Jahren einen Ausrüster-Vertrag mit Nike. Das war vor ihm noch keinem Brasilianer gelungen.
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Zum Vorbild hat sich Estêvão aber nicht Pelé genommen, sondern ausgerechnet Superstar Lionel Messi (38) vom Erzrivalen Argentinien. Daher hat er schon in jungen Jahren den Spitznamen „Messinho“ verpasst bekommen. Doch besonders gemocht hat er diesen nicht. Schon mit 16 Jahren erklärte er im Interview mit „Mundo Deportivo“: „Ich bevorzuge es, Estevão Willian genannt zu werden, weil das mein Name ist. Und diesen will ich groß machen.“
Und das tut er beeindruckend. Schon in der brasilianischen Liga hatte Estevão sämtliche nationale Rekorde von Topstars wie Neymar, Vinícius Jr. oder Endrick übertroffen. So war er der erste Série-A-Akteur unter 18 Jahren, dem 20 Torbeteiligungen in einer Saison gelangen.
Neymar (33), dem in seiner besten Saison 16 Scorerpunkte gelungen waren, gratulierte Estevão dazu: „Herzlichen Glückwunsch zum Durchbrechen der Schallmauer. Mögest du weiterhin glänzen und alle mit deinem Fußball begeistern“, schrieb der Superstar auf Instagram damals.
Die internationalen Top-Klubs standen schnell Schlange, wollten sich das neue brasilianische Wunderkind sichern. Den Zuschlag erhielt am Ende Chelsea – auch wenn Estevão schon früh von einem anderen Klub träumte. „Eines Tages bei Barça im Camp Nou zu spielen“, das wäre sein Wunsch, erklärte er mit 16. Jetzt trat er zumindest schon mal gegen seinen Traum-Klub an. Und eine bessere Bewerbung konnte er gar nicht abgeben. Bei Barça hat er spätestens jetzt Eindruck hinterlassen.
Damals konnten sich die Spanier ihn schlichtweg nicht leisten. Chelsea zahlte eine Ablöse von 45 Mio. Euro. Diese kann aber noch auf 60 Mio. Euro steigen. Dann wäre Estevão hinter Neymar (88 Mio. Euro zu Barça) der zweitteuerste Transfer der brasilianischen Liga. Und sein Preis geht hoch. Sein Marktwert ist mittlerweile bei 60 Millionen Euro. Tendenz: steigend!
Estevão gehört die Zukunft. Schon jetzt wird er als Nachfolger von Neymar gefeiert. Seinen Platz bei der WM hat er wohl schon sicher. Nationaltrainer Carlo Ancelotti (66) erklärte zuletzt: „Estêvão bleibt auf dem rechten Flügel gesetzt, er hat unglaubliches Talent. Für mich ist es eine Überraschung, dass jemand so Junges über ein solches Talent verfügt. Er ist sehr präzise im Abschluss und sehr entschlossen. Mit ihm hat Brasilien eine sichere Zukunft.“
Auch TV-Experte Didi Hamann kam nach dem jüngsten Auftritt gegen Barça aus dem Staunen nicht mehr heraus. „Wenn man den Estêvão sieht mit seinen 18 Jahren, der dribbelt mit links und schießt dann eine Granate mit rechts. Das ist eine Qualität, die gibt es im Weltfußball selten.“ Mit ihm sieht er Brasilien wieder auf einem guten Weg Richtung Weltspitze, denn „die Brasilianer haben in den letzten 15 bis 20 Jahren ja nicht allzu viele Spieler rausgebracht.“
Bei Chelsea läuft es wieder – auch dank Estevão. In der Liga sind die Londoner Zweiter. Auch in der Champions League spielt der Klub ganz oben mit. Gelingt es den „Blues“ ,große Titel einzufahren, steigen auch die Chancen für Estevão auf den Gewinn des Ballon d’Or oder des Weltfußballer-Titels. Das Potenzial hat er – das beweist er aktuell.

