Michael Ballack (48) spricht im SPORT BILD-Interview über die Champions-League-Saison und seine Titel-Favoriten – zu denen er nicht zwingend den FC Bayern zählt.

SPORT BILD: Die Bayern wollen 2026 die Champions League gewinnen wollen. Worauf kommt es für sie an?

Vincent Kompany macht seine Sache als Trainer grundsätzlich gut. Entscheidend wird sein, ob aus der vergangenen Saison die Lehren gezogen wurden. Denn das offensive Spiel mit dem hohen Verteidigen birgt schon ein gewisses Risiko. Wenn der FC Bayern selbstbewusst agiert und zu dem Spiel findet, was den Verein ausmacht, dann ist er wettbewerbsfähig. Zum Nachteil könnte werden …

Was?

Dass den Bayern in der Bundesliga mit der Ausnahme der Saison 2023/24, als Leverkusen Meister wurde, der Konkurrenzkampf fehlt. Man braucht diese regelmäßige Challenge, um in den großen Spielen auf internationaler Bühne, die auf einem anderen Level stattfinden, zu bestehen.

Gehört Bayern zu den Top-Favoriten?

Wie gesagt: Die Bayern können jeden Gegner schlagen. Aber wir müssen über das Momentum sprechen: In der vorigen Saison sind sie im Viertelfinale gegen Inter Mailand ausgeschieden.

Und seit 2020 hat Bayern nur einmal das Halbfinale erreicht und scheiterte bei der Klub-WM ebenfalls in der Runde der letzten acht.

Darum gehört Bayern für mich nicht zu den absoluten Top-Favoriten, sondern ist ein Herausforderer. Ich zähle auch Manchester City nicht zu den Top-Favoriten nach den vergangenen Leistungen und wegen des Umbruchs.

Dafür Real Madrid?

Auch nicht. Dort ist die Situation ein wenig vergleichbar mit der bei Manchester City.

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Quelle: BILD

Wer zählt noch zu Ihren Favoriten?

Natürlich der FC Barcelona. Die Mannschaft ist stark, hat vor allem mit Lamine Yamal einen überragenden Unterschieds-Spieler in ihren Reihen – und mit Hansi Flick einen Trainer, der passt. Man muss natürlich Paris St-Germain als Titelverteidiger zu den Top-Favoriten zählen. Die Mannschaft hat sich unter Trainer Luis Enrique zu einem Top-Team gefunden.

Und wer könnte die Überraschung werden?

Vielleicht der FC Chelsea. In der Vergangenheit wurde sehr viel Geld in die Mannschaft investiert (der Kader 2024 kostete 1,65 Milliarden Euro/Weltrekord). Jetzt scheint es sich auszuzahlen. Chelsea hat bei der vergangenen Klub-WM gezeigt, dass es große Titel gewinnen kann. Der Erfolg wird sehr viel Selbstvertrauen geben.

Welche Rolle trauen Sie Borussia Dortmund zu?

In den vergangenen zwei Jahren hat der BVB in der Champions League super performt mit der Final-Teilnahme 2024 und den guten Spielen im Viertelfinale gegen Barcelona 2025. Was ich nur nicht verstehe: Dass es die Dortmunder nicht in der Bundesliga schaffen, dauerhaft gut aufzutreten. Im Alltag haben sie ihre Probleme.

Was sind die Gründe?

Die Borussia sollte sich nicht nur als Ausbildungsverein und Champions-League-Aspirant definieren, sondern als wirklicher Konkurrent des FC Bayern, wenn es um die Meisterschaft geht. Dadurch könnte man aus meiner Sicht noch viel mehr aus den Spielern herausholen – als wenn man sich mit weniger zufriedengibt.

Steht Leverkusen vor einer schweren Champions-League-Saison?

Nach den zahlreichen Abgängen von Schlüsselspielern – dazu auch noch Alonso als Trainer verloren – wird es schwer für Leverkusen. Das macht etwas mit einer Mannschaft, das ist nicht einfach aufzufangen. Das haben die ersten Spiele in der Bundesliga gezeigt. Das Achtelfinale zu erreichen, das wäre ein großer Erfolg.

Vierter deutscher Vertreter ist Frankfurt.

Die Eintracht wird eine gute Rolle spielen, vielleicht reicht es bis zum Viertelfinale oder sogar zu noch mehr. Die Mannschaft ist superstabil. Trainer Dino Toppmöller hat sich mit seiner Ruhe und ausgeglichenen Art sowie Fach-Kompetenz etabliert und ist ein absoluter Sympathieträger. Hinzu kommen die unglaubliche Fan-Base und die Euphorie. Alles Punkte, die dazu führen können, dass Frankfurt mit etwas Glück ebenfalls zu den ganz großen Überraschungen werden kann.

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