Wer jedoch glaubt, dass es in den verbleibenden acht Liga-Spielen für den BVB um nichts mehr geht, sieht sich getäuscht. Zum einen will es der Tabellen-Elfte zumindest noch in die Europa League schaffen, zum anderen brauchen mehrere Verantwortliche unbedingt Erfolge, um ihre Jobs zu retten.
Nach der Saison wird es nach SPORT BILD-Informationen eine General-Analyse geben, in der auch über die personelle Besetzung der Chef-Etage und den Trainer-Job entschieden werden soll. Diese wird unter der Leitung von Hans-Joachim Watzke (65) stattfinden, der in dieser Saison nur noch selten bei den Bosse-Gipfeln anwesend war.
Bei dem Bosse-Gipfel geht es um:
Trainer Niko Kovac:
Der Plan der Bosse ist unmissverständlich: Sie würden gerne mit Trainer Niko Kovac (53/Vertrag bis 2026) in die neue Saison gehen. Das machte Ricken in der vergangenen Woche in der Aufsichtsratssitzung deutlich. Er warb für Geduld und betonte, dass Kovac bereits viele Dinge verändert habe. Doch allen Teilnehmern dieser Sitzung ist ebenso klar: Verbessern sich die Ergebnisse in der Liga – nur zwei Siege in sechs Spielen – nicht maßgeblich, wird es kaum zu vertreten sein, an Kovac festzuhalten. Für diesen Fall gibt es in der Chef-Etage eine Strategie: Sollte es zu einem Trainerwechsel kommen, dann direkt nach der Bundesliga-Saison. Kovac würde die Mannschaft nicht mehr bei der Klub-WM in den USA (14. Juni bis 13. Juli) betreuen.
Ralf Rangnick:
Derzeit stehen der BVB und Österreichs Nationaltrainer nicht in direktem Kontakt. Aber: Es ist nicht ausgeschlossen, dass er für den Sommer schnell ein Thema werden kann. So sollen bereits Möglichkeiten einer Zusammenarbeit ausgelotet worden sein.
Aus dem Rangnick-Umfeld ist zu hören, dass er sich einen Wechsel nach Dortmund durchaus vorstellen könne. Beim BVB setzt sich zunehmend die Meinung durch, dass es ohne personelle Veränderungen im Sommer kaum weitergehen könne. Rangnick wird bei den Dortmunder Verantwortlichen für seine Kompetenz geschätzt, einen Kader zusammenstellen zu können.
Dass er, ähnlich wie bei RB Leipzig, in einer Art Doppel-Funktion als Trainer und Manager bei der Borussia arbeiten würde, ist aber unwahrscheinlich. Realistischer: Rangnick übernimmt als Sportdirektor. Das würde sehr wahrscheinlich das Aus für den jetzigen Sportdirektor Sebastian Kehl (45) bedeuten.
Matthias Sammer:
Der Vertrag von Berater Matthias Sammer (57) ist an den Kontrakt von Watzke gekoppelt – und dementsprechend bis zum Ende dieses Jahres gültig. Ob die Geschäftsführung auch weiterhin auf seine Expertise setzen wird, soll bei der General-Analyse im Mai entschieden werden.In den vergangenen Monaten änderte sich die Rolle von Sammer bereits ein wenig. Als ehemaliger Sportvorstand des FC Bayern ist er für Ricken ein Ansprechpartner dafür, wie er seine Chef-Aufgabe richtig ausfüllen kann. Es geht also längst nicht mehr nur um sportliche Aspekte.
Aber: Aus dem Verein ist zu hören, dass Ricken plane, weiterhin ungemütliche Entscheidungen treffen zu wollen. Ein Aus von Sammer ist keinesfalls ausgeschlossen.

