Nach zwei Liga-Pleiten in Folge erkämpften sich die Berliner im Verfolger-Duell mit den Veolia Towers Hamburg einen ganz wichtigen Sieg – 92:77 (54:34).
„Jedes Spiel ist wichtig, besonders zu diesem Zeitpunkt der Saison“, sagte Albas Top-Scorer Matt Thomas (30/ 22 Punkte) im Dyn-Interview. „Wir haben besser gespielt, waren konstanter. Es gibt viel zu verbessern, aber zurzeit nehmen wir jeden Sieg, den wir kriegen können.“
Und jeden Schuh!
Die kuriose Szene am Ende des dritten Viertels: Yanni Wetzell (28) verliert bei einem Foul unterm Korb seinen rechten Schuh. Hamburg Jaizec Lottie (26) war ihm auf die Ferse gestiegen.
„Ich glaube, es zieht Yanni Wetzell die Schuhe aus“, witzelt Dyn-Kommentator Arne Malsch (52). Und auch Experte Patrick Femerling (49) staunt: „Das sieht man auch nicht so häufig, dass dir ein Schuh wegfliegt.“
„Zu unserer Zeit waren die auch höher, Patrick“, sagt Malsch, der in den 1990er Jahren in der zweiten Liga für Wedel spielte. „Deswegen hatten wir diese höheren Schuhe, die sind uns nicht weggeflogen.“
Als Wetzell danach gleich wieder ausrutscht, feixt Femerling: „Da müssen vielleicht andere Stollen rein.“ Und Malsch sinniert: „Da müssen vielleicht die Metall-Stollen reinkommen …“
Plötzlich liegt der Schuh von Yanni Wetzell unter dem Korb
BBL: Dieser Sieg zieht Alba Berlin die Schuhe aus!
Beide Mannschaften kämpfen seit Saisonbeginn mit immer neuen Verletzungen und Ausfällen. Daran hat sich nichts geändert. Bei den Towers fehlten Kapitän Benedikt Turudic (28/Bandscheibe) und Zsombor Maronka (22/Fuß). Bei Alba kehrten zwar Martin Hermannsson (30/Zerrung im Brustkorb) und Wetzelll (Infekt) zurück – dafür meldete sich neben den Langzeitverletzten Justin Bean (28/Handegelenk) und Gabriele Procida (22/Rücken) mal wieder Louis Olinde (26) ab.
Die Berliner hatten unter der Woche in der Euroleague zwei Pleiten kassiert. Doch von Müdigkeit war nichts zu spüren. Beide Teams legten mit viel Tempo los – und vor allem die Berliner trafen den Korb, wie sie wollten.
„Es gibt keinen Grund zur Panik, sie werden nicht die ganze Zeit so gut treffen“, versuchte Towers-Trainer Benka Barloschky (37) seine Mannen in der ersten Auszeit zu beruhigen. Das stimmte zwar. Aber dennoch setzte sich der elfmalige Meister am Ende des ersten Viertels ab. Ein viertelübergreifender 12:0-Lauf sorgte für eine komfortable Führung (37:18).
Die Towers hatten zuvor fünf Pflichtspiele in Folge gewonnen. Doch in der Uber Arena fielen sie in alte, schlechte Muster zurück: nicht aggressiv genug in der Defense, wenige Würfe und zehn (von 14) Ball-Verluste bis zur Halbzeit. Das nutzte Alba, führte vor der Pause mit bis zu 22 Punkten (54:32).
Dass viel auf dem Spiel stand, zeigte sich trotz der hohen Führung auf dem Parkett: Malte Delow (23) und Johnathan Stove (29) lieferten sich ein hitziges Duell. Delow begann mit Trash-Talk, Stove antworte mit einem Schubser. Die Schiris beließen es nach Video-Überprüfung bei einer Ermahnung. Doch auch danach flogen immer wieder nicht ganz so freundliche Worte zwischen den Streithähnen hin und her. Delow: „Wir haben uns im Box-Out ein bisschen kennengelernt, aber im Endeffekt war alles gut.“
Was macht sie da?: Plötzlich ist Wischerin mitten im Spiel
Barloschky hatte in der Kabine vor allem Fragen an sein Team: „Im Endeffekt geht es darum, was wir hier erreichen wollen und was die Vorstellung war von diesem Spiel. Ich habe aber auch Antworten bekommen, Gott sei Dank. Aber es bringt erstmal nichts, in der Halbzeit zu reden. Jetzt müssen die Antworten kommen.“
Die zeigen die Türme. Vor allem Brae Ivey (28) zeigt eine ganz andere Körpersprache – und zieht die Kollegen ungeachtet einer zwischenzeitlichen 24-Punkte Führung der Berliner mit. Aber nach einem 8:0-Lauf (60:54) nimmt Alba-Coach Israel Gonzalez (49) eine Auszeit.
Geben die Berliner das Spiel noch mal aus der Hand?
Nein, diesmal nicht! Die Towers kommen noch mal auf 12 Punkte ran. Aber Alba findet auf jeden Lauf eine Antwort. Zumal die Hamburger zwölf Freiwürfe verballern und das Rebound-Duell klar mit 44:19 verlieren. Der Lohn für die Leistungs-Steigerung in der zweiten Hälfte: Die Towers gewinnen nach dem 97:80 im Hinspiel immerhin den direkten Vergleich und bleiben dadurch vor den Berlinern.
Niklas Wimberg (28): „Wir haben es in der zweiten Halbzeit geschafft, zu competen, aber es hat nicht gereicht. Dass wir den direkten Vergleich gewonnen haben, würde ich nicht als Trost bezeichnen.“



