Sie schienen unbesiegbar zu sein. 16 Spiele in Folge hatte der FC Bayern Basketball in der Easycredit BBL gewonnen. Bis Sonntag! Dann überraschte Alba Berlin die Münchner in Spiel zwei der Final-Serie („Best-of-5“), gewann im SAP Garden mit 86:79 – und klaute dem Favoriten damit den Heimvorteil. Aus der starken Mannschaft stach dabei ausgerechnet der Jüngste heraus: Jack Kayil (20). Der gebürtige Berliner versenkte drei wichtige Dreier und war am Ende mit 16 Punkten Topscorer seiner Mannschaft.
Im Anschluss gab sich der Aufbauspieler im Dyn-Interview bescheiden: „Das ganze Team war ganz besonders wichtig heute, nicht nur ich. Wir haben uns vorgenommen, viel, viel stärker, physischer und besser in der Defensive zu spielen. Und ich glaube, mit 79 Punkten bei so einer individuell starken Mannschaft wie den Bayern können wir zufrieden sein.“
BBL-Finale: Unser nächster NBA-Star: Wird Jack Kayil jetzt mit Alba Berlin zum Bayern-Schreck?
Die schwere Halbfinal-Serie gegen Bamberg hatte Alba mit drei Siegen in der Max-Schmeling-Halle für sich entschieden. Auch Spiel drei gegen die Bayern steigt nun am Mittwoch (20.30 Uhr, Dyn) wieder in der traditionellen Spielstätte. Grund: Die moderne Uber Arena ist durch ein Konzert der US-Rapperin Doja Cat belegt.
„Wir nehmen sehr viel Selbstvertrauen mit“, sagt Kayil. „Wir sind unwahrscheinlich heimstark, unsere Fans machen einen großartigen Job, geben uns immer wieder Energie. Und da haben wir öfters schon gezeigt, vor allem in der Max-Schmeling-Halle, dass wir mit sehr viel Energie spielen, sehr viel Selbstbewusstsein. Und das werden wir auch in den nächsten beiden Spielen machen.“ Bei der Niederlage in Spiel eins (94:102) war Kayil – wie die gesamte Mannschaft – unauffällig geblieben. „Manchmal klappt es besser, manchmal weniger“, kommentiert er philosophisch. „Ich spiele immer weiter und fokussiere mich auf die nächsten Sachen. Was danach oder davor passiert – ich versuche, im Jetzt zu leben.“
Jubel, Drift & Party: Sooo heftig feiert New York den NBA-Titel!
Auch wenn ihm das vermutlich nicht ganz leichtfällt. Denn Kayil hat sich für den NBA-Draft in der kommenden Woche (23./24. Juni) in New York angemeldet – und dafür sogar einen lukrativen NIL-Deal an der Gonzaga University sausen lassen! Das ist umso bemerkenswerter, als die Experten in den aktuellen Vorhersagelisten („Mock Draft“) davon ausgehen, dass Kayil erst zu Beginn der zweiten Runde einen NBA-Klub finden wird. Dyn-Kommentator Stefan Koch vermutet daher: „Da muss irgendeine Zusage aus der ersten Runde da sein, sonst hätte er das nicht gemacht.“
Kayil wuchs im Berliner Bezirk Neukölln auf. In der Grundschule begann er mit Basketball und wechselte mit 13 in den Nachwuchs von Alba. Über Rasta Vechta landete er schließlich bei der serbischen Kaderschmiede KK Mega. Der Klub von Berater-Legende Misko Raznatovic verlieh Kayil vor einem Jahr schließlich zurück zu Alba.
„Man hat gesehen, was für eine Upside der Spieler hat, was er jetzt schon alles kann“, lobt Dyn-Experte Patrick Femerling. „Die NBA mag ja gerne junge Spieler früh in ihren Programmen haben, damit sie da ein bisschen schrauben können. Ich bin gespannt, ich würde es ihm wünschen, dass er in die NBA geht. Wenn es doch die zweite Runde wird und er nicht den gewünschten Vertrag kriegt – vielleicht wird er nochmal hier geparkt und Alba hat nochmal die Chance, ihn zu halten für ein Jahr.“


