Vom Finale mit der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft hat er geträumt, jetzt sitzt er in München und schaut zumindest ein Finale.
Bayern-Star Lennart Karl (18) ist beim 102:94 (58:55)-Auftakt-Sieg der Bayern beim Basketball-Klassiker gegen Alba Berlin dabei. Bei Spiel 1 (Best-of-Five) sitzt Karl im weißen Shirt, grauer Hose und roten Sneakern in der ersten Reihe am Court im SAP-Garden in München. Mit dabei: Seine Freundin Zoe Käppele (22).
Für Karl war die WM schon vorbei bevor sie begann: Der Youngster zog sich einen Muskelbündelriss im Abschlusstraining vor dem Testspiel gegen die USA (2:1) zu, musste aus Chicago zurück nach München zurück. Bevor der Mittelfeldspieler mit der Reha loslegen kann, gilt erstmal: Ausruhen. Und Ablenkung. Die holt er sich jetzt beim Basketball. „Ich hab schon noch Schmerzen, aber da muss ich jetzt durch“, sagt Karl am Court-Mikrofon. Sein Tipp: „Ich hoffe, wir gewinnen. Mein Tipp: 56 zu…..äh.“ Der laute SAP-Garden erlöste Karl mit tosendem Jubel, denn die Fans erkannten schnell: Ein Basketball-Experte ist Karl keiner. Muss er auch nicht sein. Dafür sieht Karl die Bayern kämpfen…
Es ist das Rekord-Finale um den Titel, zum siebten Mal in der Historie treffen die beiden im Finale aufeinander, viermal holten, hieß am Ende der Meister: Bayern. Zum ersten Mal können die Bayern nun die dritte Meisterschaft in Folge feiern. Das Team von Kult-Trainer Svetislav Pešić (76) ist ausgeruht und ohne eine einzige Niederlage bisher durch die Play-off-Runde gekommen, Alba kämpfte sich erst vor drei Tagen in Spiel 5 gegen Bamberg ins Finale.
Obst-Show im zweiten Viertel
Ehrenpräsident Uli Hoeneß (74) fieberte mit Ehefrau Susi mit. Noch hat die WM dem Basketball nicht den Rang abgelaufen. Für Präsident Herbert Hainer (71) ist klar: Erst, wenn die Bayern die Final-Serie beendet haben – im besten Fall nach drei Siegen – reist er in die USA. Da zählt Basketball mehr als Fußball.
Andi Obst (29) setzt sich gegen Albas Alex O‘Connell (27) durch
Doch die Bayern tun sich schwer, Alba spielt clever und abgezockt. Pesic wird in der Auszeit beim 18:24 laut. Der Routinier, der seine letzten Spiele vor der Rente coacht, merkt: Das wird ein intensives Spiel. Auch im zweiten Viertel gibt Alba zunächst den Takt vor, doch die Bayern lassen Alba nicht davonziehen und sie haben Andi Obst (29). Der Welt- und Europameister trumpft auf und bringt mit 16 Punkten im zweiten Viertel die Bayern 43 Sekunden vor der Halbzeit mit 55:53 in Führung. Ginge es nach Karl, wäre jetzt quasi schon Schluss…
Nach der Pause pennen die Bayern und Alba zieht mit schnellen Körben auf zwischenzeitlich zehn Punkte davon. Der Berlin-Trick: Alle müssen dafür sorgen, dass Obst den Ball nicht bekommt. Dann liegt Kapitän Vladimir Lucic (36) auf dem Boden, hält sich schmerzverzerrt das linke Sprunggelenk, für den Routinier geht es aber weiter. Im letzten Viertel spielen Obst (bester Werfer mit 33 Punkten) und Co. ihre Klasse aus, holen den ersten Sieg auf dem Weg zum Titel. Weiter geht’s am Sonntag (15.30 Uhr/live DYN) mit Spiel 2 in München.

