Leon Kratzer (28): Nicht viele. Das Angebot war eine große Ehre. Als mir mein Agent das sagte, war ich sofort begeistert. Für mich geht ein Traum in Erfüllung. Ein Klub mit diesem großen Namen, die Nähe zu meiner Heimat Bayreuth, die vielen bekannten Gesichter im Team – es hat alles gepasst. Natürlich mussten noch ein paar Formalien geklärt werden, aber dass ich das mache, war ein „No-brainer“ (auf Deutsch: „klare Sache“; d. Red.). Bayern ist ein Top-Klub und gleichzeitig eine große Familie.
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Kleiner Haken: Bei Bayern ist der Meistertitel jedes Jahr Pflicht …
Genau. Aber ich mag diesen Druck und habe richtig Bock drauf. Druck kann etwas sehr Positives bewirken und einen auf eine höhere Ebene heben. Es ist ein Privileg, der Top-Favorit zu sein. Mit Bamberg bin ich schon mal Meister geworden, hatte als Jugendspieler aber keinen großen Impact. Mit Bonn stand ich dicht davor, aber wir haben 2023 im Finale gegen Ulm verloren – die bitterste Niederlage meiner Karriere. Jetzt möchte ich mit Bayern Meister werden.
Und was ist in der Euroleague möglich? Die Champions League haben Sie ja schon mit Bonn gewonnen, den EuroCup mit Paris. Fehlt nur noch der Titel in der Königsklasse …
Schön wär’s! Aber das Niveau in der Euroleague ist unglaublich hoch. Unser Ziel müssen die Play-offs sein.
Unter Trainer Gordon Herbert haben Sie schon 2018/19 in Frankfurt gespielt. Hat er sich seitdem verändert?
Ich hatte schon damals ein super Verhältnis zu ihm. Er wirkte zu der Zeit ein wenig ausgelaugt, daher hat er auch nach der Saison eine Pause eingelegt. Aber bei der Nationalmannschaft später war er wieder der Alte. Gordie strahlt eine unheimliche Ruhe, Souveränität und Weisheit aus, die dir als Spieler sehr viel gibt.
Die vergangenen beiden Jahre haben Sie für Paris gespielt.
Das war eine sehr geile Zeit. Paris ist eine Hammerstadt. Ich bin jeden Tag auf dem Weg zum Training am Eiffelturm vorbeigefahren. An freien Tagen bin ich gern mit Maodo Lô auf dem E-Bike durch die Stadt gecruist.
Derzeit sind Sie mit der Nationalmannschaft im Trainingslager. Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass Sie den Sprung in den EM-Kader schaffen?
Ich gebe alles, mache mich aber nicht verrückt. Ich bin schon häufiger im letzten Moment aus dem Kader gestrichen worden. Wenn ich es diesmal schaffe, ist das super. Wenn nicht, bin ich früher in München und habe mehr Zeit mit der Familie.
Sind Sie auch Fußball-Fan?
Ja. Ich interessiere mich generell für fast alle Sportarten.
Ihr Lieblingsklub?
Ich habe zwei: HSV und Arsenal London. HSV, weil mein Papa seit langer Zeit in Hamburg lebt und ich dort mal mit ihm zum Spiel gegangen bin.
Steht in Ihrem Vertrag, dass Sie jetzt Bayern-Fan werden müssen?
Fan nicht, aber Sympathisant (lacht). Das war ich aber immer schon. Vor den internationalen Erfolgen der Bayern-Fußballer habe ich den größten Respekt. Aber wenn jetzt Bayern gegen den HSV spielt, stecke ich in der Zwickmühle.


