Spitzenreiter Ratiopharm Ulm verteidigt seinen gerade eroberten Platz an der Sonne in der Easycredit Basketball-Bundesliga, siegt bei Rasta Vechta 84:73.
Was war denn da los?: Barbara Schöneberger knutscht Annemarie Carpendale
Vierter gegen Erster, die beiden formstärkstes Teams der letzten zehn Spiele (je 8 Siege) – eine Begegnung, die nicht nur bei deutschen Basketball-Fans im Fokus stand. Auch mehr als ein halbes Dutzend NBA-Scouts fanden den Weg ins beschauliche Vechta (34.000 Einwohner).
Die waren auch wegen Top-Talent Johann Grünloh (19) da. Er vor der Partie bei Dyn: „Man versucht sich schon zu beweisen, aber man versucht sich auch auf das Spiel zu konzentrieren, dem Team so gut es geht zu helfen und da blendet man das ganz gut aus.“
Doch: So ganz gelingt ihm das nicht. Als er nach zwei Minuten im letzten Viertel Ulms Noa Essengue (haben die NBA-Scouts ebenfalls auf dem Zettel) auf dem Weg zum Korb stoppen will, unterläuft ihm sein fünftes Foul.
Für ihn ist die Partie nach sechs Punkten und zwei Rebounds vorzeitig beendet, von Ulms Santos (der mit dem Kinnhaken) bekommt er auf die nicht ganz feine Art noch einen Spruch gedrückt. Kopfschüttelnd verlässt Grünloh das Parkett, schlägt aus Frust noch vor die Bande. So wollte er sich den Talentspähern sicher nicht präsentieren.
Bei Vechta-Pleite gegen Ulm: Nationalspieler kassiert Kinnhaken
Schon zu Beginn der hitzigen Partie die erste Aufreger-Szene: Ulms Marcio Santos verpasst Vechtas Nationalspieler Joel Aminu nach fünf Minuten mit seinem Arm im Vorbeilaufen einen astreinen Kinnhaken. Die Schiedsrichter schauen sich die Bilder genau an, kommen zur einzig richtigen Entscheidung: unsportliches Foul. Aminu verwandelt jedoch nur einen der beiden Freiwürfe.
Für Ulm-Coach Ty Harrelson (44) ist es die erste Rückkehr in den Rasta-Dome, nachdem er den Klub im vergangenen Sommer nach drei äußerst erfolgreichen Jahren (Bundesliga-Aufstieg + Playoff-Einzug) verlassen hatte. Doch mit seinem neuen Team verteilt er keine Geschenke aus alter Verbundenheit.
Der BBL-Champion von 2023 spielt die Partie vor 3.140 Fans in der ausverkauften Halle in meisterlicher Manier „von vorne weg“, liegt ab dem zweiten Viertel kein einziges Mal mehr hinten. Mann des Spiels ist Ulms Karim Jallow mit 20 Punkten und neun Assists.
Dyn-Experte Patrick Femerling lobt: „In der ersten Hälfte hat Karim den Ton gesetzt, war der Motor für seine Mannschaft.“
Der will er auch am Montag sein. Da steht nämlich schon das nächste Topspiel an. Beim Titelverteidiger in München, Jallows Ex-Klubs. Und dorthin sendet er direkt mal eine Kampfansage: „Ich glaube, wir sind nah dran und am Montag wird es sich dann zeigen. Da müssen wir mit derselben Einstellung reingehen, aber wir verstecken uns vor keinem, werden da mit breiter Brust reingehen.“


