Nun hat es sie erstmals erwischt – und wie!
Aufsteiger VET-Concept Gladiators Trier muss zum Auftakt des 5. Spieltags in der Easycredit Basketball-Bundesliga seine erste Saison-Niederlage einstecken. Und was für eine!
Ausgerechnet bei den noch sieg- und punktlosen EWE Baskets Oldenburg setzt es eine heftige 85:108-Klatsche. Und dafür ist vor allem einer verantwortlich. Der völlig entfesselt aufspielende Chris Clemons (28).
Der Reihe nach: Etablierter und ambitionierter Bundesligist gegen Liga-Neuling. Die Rollen wären vor Saisonbeginn eigentlich klar verteilt gewesen.
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Doch nach den ersten vier Spieltagen waren die Vorzeichen vor der Partie gänzlich andere. Denn: Oldenburg verlor alles, Aufsteiger Trier gewann alles! Auf der einen Seite vier Siege zum Start, auf der anderen vier Pleiten. Nun sind beide Serien gerissen.
Dabei hätten sich die Gladiators den alleinigen Start-Rekord eines Bundesliga-Aufsteigers schnappen können: Seit der Wiedereinführung der eingleisigen Liga in der Saison 1995/96 haben es nur vier Neulinge geschafft, ihre ersten vier Ligaspiele zu gewinnen: Frankfurt (1999/00), Würzburg (2015/15), Rostock (2022/23) und jetzt Trier.
Hätten sie also bei den Baskets also noch einen draufgesetzt, wären ihnen der alleinige Bestwert sicher gewesen.
Bis zur Pause ist auch alles offen, der fünfte Sieg der Gäste noch vollends in Reichweite. Die Hausherren führen in einem echten High-Score-Game nur mit 51:50. Überragend schon in Hälfte eins: Besagter Clemons mit satten 25 Punkten, allein 18 davon im zweiten Viertel.
Im dritten Abschnitt laufen die Krisen-Baskets dann so richtig heiß, benötigen nur fünf Minuten um den Vorsprung auf zehn Zähler auszubauen (68:58). Trier-Trainer Jacques Schneider, der jüngste der Liga, nimmt die Auszeit. Bekommt er sein Team nochmal in die Spur?
Oder kriegt Oldenburg die Flatter? Schon am 1. Spieltag hatten sie zu Hause gegen die Frankfurt Skyliners einen Monster-Einbruch erlebt, 16 Punkte Vorsprung verspielt und auf unerklärliche Weise noch mit Minus 14 verloren (75:89).
Clemons erzielt die siebtmeisten Punkte der BBL-Geschichte
Diesmal nicht. Die Baskets ziehen auf 13 davon (73:60), Schneider nimmt nach wenigen Minuten die nächste Auszeit. Allein es nützt nichts. Weil Clemons überhaupt nicht mehr zu stoppen ist.
Die Krönung: Mit der Schlusssirene im dritten Viertel trifft er einen irren Dreier von ganz weit draußen zum 80:66. Seine Punkte 34 bis 36 – Wahnsinn. Dyn Kommentator Arne Malsch: „Das ist unglaublich, was der hier heute abzieht. Unglaublich, Unglaublich. Eine Performance, die in dieser Saison, wenn er so weiter macht, sicherlich erstmal ihresgleichen suchen wird.“
Am Ende erzielt Clemons unglaubliche 52 (!) Zähler, sorgt praktisch im Alleingang für den Mega-Befreiungsschlag seines Teams. Nur sechs Profis haben in der BBL-Geschichte jemals mehr Punkte in einem Spiel erzielt als der US-Amerikaner. Den Bestwert hält Keith Gray (Hagen) mit 65 Zählern aus dem Jahr 1988.
Zwei Minuten vor Schluss wird Clemons ausgewechselt – unter den stehenden Ovationen seiner Teamkollegen und den Fans in der Großen EWE-Arena, die zum 50. Mal in Folge ausverkauft ist.
Der Mann des Spiels anschließend im Dyn-Interview: „Es ist definitiv etwas Besonderes, weil ich den letzten Spielen etwas mit mir zu kämpfen hatte. Aber das ist Teil des Geschäfts. Es geht alles über Selbstvertrauen. Meine Trainer und meine Mitspieler haben weiter an mich geglaubt. Um am allerwichtigsten: Ich habe selbst weiter an mich geglaubt. Für jeden ist wichtig: Du darfst nie aufhören, an dich selbst zu glauben.“


